Wohnen

Irmgard Schwartz: "Nur nicht allein sein im hohen Alter"

Irmgard Schwartz ärgert sich über das Gerede über die schlechten Zustände in der Altenpflege.

Irmgard Schwartz ärgert sich über das Gerede über die schlechten Zustände in der Altenpflege.

Suttrop.  Irmgard Schwartz lebt seit zwölf Jahren im Seniorenwohnheim „Haus Piening“. Warum sie das Gerede über die schlechten Zustände in der Altenpflege ärgert.

„Ich habe nicht einen Tag bereut, dass ich hier lebe. Das war meine freie Entscheidung“, betont Irmgard Schwartz. Die 82-Jährige wohnt seit zwölf Jahren im Haus Piening – für sie die genau richtige Entscheidung. „Ich habe immer gesagt, dass ich im Alter nicht alleine bleiben möchte“, sagt die Mutter von Geschäftsführerin Claudia Piening. Irmgard Schwartz bezeichnet sich selbst als „altes Inventar vom Haus Piening“ – „ich war vom ersten Tag an mit dabei.“

An Aktivitäten teilnehmen

Allein bleibt Schwartz dabei nur, wenn sie es selbst so will.

Ansonsten könne sie sich immer darauf verlassen, in der Gemeinschaft mit den anderen Bewohnern an den Aktivitäten im Haus Piening teilzunehmen. „Hier ist immer etwas los“, sagt Schwartz. „Jeden Monat gibt es zum Beispiel einen Tanztee für alle Bewohner. Und auch Weihnachten ist immer so schön“, berichtet Schwartz begeistert.

Auch regelmäßige Gottesdienste werden für die Bewohner angeboten: „Die Leute freuen sich darüber, da macht auch die Konfession keinen großen Unterschied. Wir haben alle nur einen Herrgott, und ob wir nun links oder rechts rum gehen ist doch egal, solange wir nur alle bei ihm ankommen.“

Nächtliches Hobby

Ansonsten gebe es jeden Tag ein Programm für die Bewohner, an dem sie teilnehmen können, wenn ihnen danach ist. „Wir hatten auch schon einen Wellness-Tag, wo wir Gesichtsmasken bekommen haben“, erinnert sich Schwartz.

Ein Hobby hat sie außerdem, dem sie hauptsächlich spätabends oder sogar nachts nachgeht: Sie liebt Opern und schaut sie gerne im Fernsehen. „Früher hatte ich ein Abo fürs Theater, heute schaue ich mir das im Fernsehen an. 3sat und Arte machen es möglich“, sagt die Seniorin. Dabei habe sie sich schon so manche Nacht um die Ohren geschlagen, denn meist laufen diese Programme erst sehr spät. „Ich habe dem Pflegepersonal schon gesagt, dass sie sich nicht wundern sollen, wenn sie nachts unter meiner Tür noch Licht sehen. Nicht, dass sie dann erschrecken“, sagt Schwartz lachend.

Großes Haus mit 14 Zimmern

Während sie sich für das Haus Piening als Alterssitz entschieden hat, erinnert sie sich noch gut an ihre erste Wohnung – beziehungsweise Haus, das sie als Kind mit ihrer Familie in Bochum bewohnte. „Es war ein großes Haus mit 14 Zimmern“, blickt Schwartz zurück. Ihr Vater war Direktor eines Bergwerks. In den Kriegsjahren war das Haus auch ein Heim für Verwandtschaft aus Aachen, die vor Bombardierungen fliehen musste.

„Wir hatten hohe Fenster mit vielen Gardinen“, erzählt Schwartz von ihren Kindheitserinnerungen. Die gehäkelten Gardinen mussten zum Beispiel nach der Wäsche mit Stecknadeln auf dem Boden glatt gezogen werden, damit sie ihre Form nicht verloren. Auch sonst war das Waschen der Wäsche in Irmgard Schwartz’ Kindheit noch ein aufwendiges Unterfangen: Die Wäsche musste, nach Farben sortiert, erst eingeweicht werden, um dann in großen Kupferkesseln mit Persil gekocht zu werden.

Erste Waschmaschine 1963

„Das dauerte schon mal drei Tage“, blickt Schwartz zurück. Umso einschneidender, im positiven Sinne, war die Ankunft der ersten Waschmaschine. „Das war 1963. Die Waschmaschine war auf jeden Fall eine Erleichterung.“ Das Wohnen in den sechziger Jahren unterscheidet sich in einigen Dingen stark vom heutigen Wohnen: zum Beispiel, wenn es ums Geschirr geht. „Man hatte ein Geschirr für den Alltag, eins für sonntags und eins für Feiertage. Heute würde ich auch einfach zu Ikea gehen, aber damals hat man für sowas noch jeden Groschen gespart.“ Selbst auf den Tüchern, mit denen die Gläser abgetrocknet wurden, waren noch Monogramme eingestickt.

Heute lebt sie komfortabel im Haus Piening und möchte die Gemeinschaft nicht mehr missen. Etwas, das sie ärgert, ist die Berichterstattung über Seniorenheime. „Es wird immer nur über Missstände berichtet. Aber wenn mal etwas gut funktioniert, findet das keine Erwähnung.“ So schlimm wie früher, als die Alten oft nur verwahrt wurden, sei es in vielen Seniorenheimen heute nicht mehr, ist sie überzeugt.

zum Zukunftsrauschen...
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