Mobilität

Jörg Prostka: „Die Zukunft gehört der E-Mobilität“

Jörg Prostka fährt aus Überzeugung ein Fahrzeug mit Elektro-Antrieb.

Jörg Prostka fährt aus Überzeugung ein Fahrzeug mit Elektro-Antrieb.

Gevelsberg.  Nie mehr Benzin: Jörg Prostka fährt aus Überzeugung ein Fahrzeug mit Elektro-Antrieb. Ein Verbrennungsmotor kommt für ihn nicht mehr infrage.

„Ich bin kein Öko-Freak, ich war auch nie Technik-Freak“, sagt Jörg Prostka. Und trotzdem entschied sich der Gevelsberger vor einigen Jahren, seinen Benziner erst durch ein Erdgas-Fahrzeug auszutauschen, und dieses später durch einen Pkw mit Elektro-Hybrid-Antrieb zu ersetzen. Heute ist er überzeugt: Die Zukunft gehört der E-Mobilität.

„Hören Sie? Sie hören nichts. Das Auto ist aber fahrbereit.“ Für Menschen, die bisher nur Autos mit Verbrennungsmotor kannten, ist das gewöhnungsbedürftig. Kein Zündschlüssel, der umgedreht wird, kein Anlasser, der unterm Motorblech orgelt, kein Gas, das gegeben wird, um den Motor sofort nach dem Start auf Touren zu bringen. Jörg Prostka drückt einfach nur auf einen kleinen blauen Knopf, und sein Hybrid kann losrollen.

Hybrid ist nicht gleich Hybrid

Er fährt rückwärts aus der Parklücke raus. Würde man sich die Augen zuhalten, bekäme man gar nicht mit, dass der Wagen bereits fährt.

„Hybrid ist nicht gleich Hybrid“, erzählt Jörg Prostka und ist gleich tief in der Materie. Es gibt Fahrzeuge, die von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden. Da wird der Elektromotor bei Bedarf zugeschaltet. Und es gibt E-Autos, wie das von Jörg Prostka. Da wird die Achse ausschließlich vom E-Motor auf Touren gebracht, und der Verbrennungsmotor dient nur dazu, den Akku auf Ladung zu halten, wenn der zu schwächeln anfängt. Allein mit Batterie an Bord wäre nach 60, vielleicht nach 70 Kilometern Schluss. Mit der Reichweiten-Verlängerung schafft Jörg Prostka so um die 450 Kilometer. Damit lässt sich sogar weiter verreisen.

Genau das tat der 47-Jährige kürzlich. Von seiner Heimatstadt Gevelsberg aus erst nach Görlitz an der Grenze zu Polen, und von Sachsen aus durch Brandenburg bis zur Küste von Mecklenburg-Vorpommern. 1800 Kilometer in anderthalb Wochen. Inklusive Stopp in Berlin. „Mit einem Erdgas-Auto hätte ich erst nach entsprechenden Tankstellen suchen müssen. So bin ich einfach losgefahren, und hätte bei Bedarf an jeder Tankstelle halten können.“

Ladesäule in 100 Kilometern Entfernung

Das tat er aber nicht. Stattdessen schaut Jörg Prostka vor Fahrtbeginn erstmal auf eine App, die er auf seinem Handy geladen hat. Sie zeigt ihm an, wo es überall in Deutschland E-Ladesäulen gibt. Seine Zwischenstopps wählte er dann so aus, dass er die Zeit gleich fürs Nachladen nutzen konnte. So macht Jörg Prostka das immer. Die App zeigt ihm sogar an, ob die Ladesäule in 100 Kilometern Entfernung schon besetzt oder ob noch ein Plätzchen frei ist.

Und doch klingt das für herkömmliche Autofahrer immer noch gewöhnungsbedürftig und irgendwie auch umständlich. Was also trieb den Gevelsberger dazu, sich einst für eine alternative Motortechnik zu entscheiden? „Es gibt da nicht nur einen Grund. Es waren und sind mehrere“, sagt Jörg Prostka und legt los: „Benzin ist endlich. Alternative Antriebe werden in Zukunft die einzige Möglichkeit sein, mobil zu bleiben.“ Das sei die ökologische Betrachtung und warum er sich vor Jahren erst für ein Erdgasauto und später für das E-Fahrzeug entschied.

Vorbildfunktion

Es gebe aber auch eine andere, erzählt Jörg Prostka. Und damit meint er nicht einmal den Spaß, den sein E-Auto bereitet, weil es wegen des direkten Antriebs dermaßen beschleunigt, dass es die Insassen in die Sitze drückt. Als Sprecher des heimischen Energieversorgers AVU, der er seit dem Jahr 2000 ist, habe er sich in einer Vorbildfunktion gesehen. „Wenn ich beruflich über Grünstrom, Solarenergie und E-Mobilität rede, finde ich es authentischer, das selber auch zu leben.“

Bereut hat er seinen Schritt nie. Im Gegenteil: „Wenn ich die laufenden Kosten durchrechne, ist das Fahren mit dem E-Fahrzeug sogar günstiger als mit einem Benziner oder Diesel. Allerdings sind die Autos in der Anschaffung immer noch teuer“. Was für sein Auto neuerdings außerdem spricht: „Ich komme auch bei Fahrverboten in jede Innenstadt rein.“ Für Jörg Prostka ist daher jetzt schon klar: „Mein nächster Wagen ist mit Sicherheit wieder ein Elektro-Auto. Dann aber einer nur mit Batterie.“

300 bis 350 Kilometern Reichweite

Aktuelle Modelle kämen damit schon auf 300 bis 350 Kilometern Reichweite. „Und die technische Entwicklung geht weiter“, sagt Prostka und ist überzeugt, dass man mit e-betriebenen Autos eines Tages soweit kommt wie mit Benzin oder Diesel. Dass der Verbrennungsmotor auf Dauer verschwindet, glaubt er nicht. „Es wird immer Gründe geben, warum sich jemand für einen Benziner oder einen Diesel entscheidet.“ Aber die Zukunft, davon ist er überzeugt, gehört der E-Mobilität.

Um das Ziel zu erreichen, müssten alle mitspielen: Hersteller, Werkstätten, Stromanbieter und die öffentliche Hand – letztere wegen der Ladeinfrastruktur, die vor allem bei den Bezahlmethoden noch uneinheitlich ist. „In dem Moment, wenn auch Autofreaks sagen: Ich habe die gleiche Angebotspalette wie beim Benziner und mit dem gleichen Komfort, dann wird auch der Kaufpreis für die Elektro-Fahrzeuge sinken“, sagt Jörg Prostka. Das könnte dann der Durchbruch sein. Wann das sein wird? „Ich würde mich nicht auf ein Jahr festlegen wollen.“ Allzulange werde es aber nicht mehr dauern, glaubt der Gevelsberger. Wie sagte er doch: „Ich bin kein Öko-Freak, ich war auch nie Technik-Freak“. Doch er wurde begeisterter E-Mobilist und wird es in Zukunft bleiben.

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