Freizeit

Kneipen-Sterben: Lokale müssen sich moderner aufstellen

Zukunftsrauschen: Die Zukunft der Kneipe

Die gute alte Kneipe will Franziska Schnapp aus Oeventrop auch in Zukunft nicht vor Ort in Arnsberg missen.

Die gute alte Kneipe will Franziska Schnapp aus Oeventrop auch in Zukunft nicht vor Ort in Arnsberg missen.

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Franziska Schnapp aus Oeventrop.

Franziska Schnapp aus Oeventrop.

Arnsberg.  Um das schleichende Kneipen-Sterben zu verhindern, sollten die Wirte nach Ansicht der Oeventroperin Franziska Schnapp Mut zu neuen Wegen haben.

Sie sind bald vielleicht so selten wie Schnee im Winter: die klassischen Kneipen. Doch sie waren und sind ein nicht ganz unbedeutender Teil unserer Kultur. Dennoch nimmt ihre Zahl auch im Stadtgebiet Arnsberg von Jahr zu Jahr ab. Blattschuss, Piano Café und Edelbroichs Tante in Arnsberg, Mutti Sauer oder Pichel in Neheim - sie alle sind schon lange weg. Und das sind nur einige wenige Beispiele. Es ist also tatsächlich vorstellbar, dass Kneipen einst ganz von der Bildfläche verschwinden?

„Nein, das glaube ich persönlich nicht,“ zeigt sich die 36-jährige Oeventroperin Franziska Schnapp vom Weiterleben dieser urdeutschen Institution überzeugt. Schließlich, sagt die zahnmedizinische Fachangestellte, wolle sie sich auch im Alter dort noch mit Freunden und Bekannten in gemütlicher Runde und bei einem netten Getränk zusammenkommen.

Wichtiger Ort der Kommunikation

Zwar sei sie selbst nicht an jedem Wochenende in einer Gaststätte unterwegs, dennoch wolle sie diese Einrichtungen keinesfalls missen. „Weil uns allen dann etwas fehlen würde. Ein Treffpunkt, ein Ort der Kommunikation, der manchmal völlig neue Impulse gibt, und natürlich eine gewisse heimelige Gemütlichkeit. Das alles würde verloren gehen.“ Und eine Lücke hinterlassen.

Für Franziska Schnapp gehört damit die Kneipe zu einem über ewige Zeiten gewachsenen Teil unserer Kultur. Als ein Ort, an dem - besonders an Stammtischen - Politik gemacht wird, Freundschaften geschlossen werden, mit Lust gestritten oder philosophiert wird. Über Gott, die Welt und natürlich besonders über den Fußball. Und mitunter könnten Menschen dort auch ihre Sorgen loswerden - im vertraulichen Gespräch. „Ganz zu schweigen davon, dass man immer überraschend Freunde und Bekannte wiedertrifft, die man lange Jahre nicht gesehen hat.“ Die Kneipe also als ein Tausendsassa der Möglichkeiten.

Aufmachung und Ausrichtung

Doch glaubt die 36-Jährige, die bereits seit ihrer Jugendzeit die Kneipe in dieser Hinsicht zu schätzen weiß, wirklich an deren Zukunft, an deren Überleben in einer sich auch in Arnsberg immer stärker wandelnden Gesellschaft? „Ja, auf jeden Fall. Aber das wird nur funktionieren, wenn sich die Lokale in ihrer Aufmachung und Ausrichtung moderner aufstellen, um besonders für die jüngeren Personen attraktiv zu werden. Und damit zugleich Menschen von außerhalb nach Arnsberg kommen. Da fehlt hier im Stadtgebiet schon etwas.“

Wie es in Sachen Ausrichtung für eine solide Kneipen-Zukunft ihrer Meinung nach aussehen könnte, dafür liefert Franziska Schnapp drei Beispiele: das „Cheers“ in Arnsberg sowie „Westside“ und „Extrablatt“ in Neheim. „Diese finde ich persönlich zukunftsfähig und durchaus auch als ein Vorbild.“ Weil junge Leute angesprochen und diese Lokale sich schon im Erscheinungsbild von anderen abheben würden.

Besondere Events

Doch ein modernes Interieur allein mache den Laden noch nicht voll. „Für ganz wichtig halte ich es in diesem für die Gastronomen sicher nicht immer einfachen Wettbewerb, sich am Markt zu behaupten, dass in einer gewissen Regelmäßigkeit besondere Events angeboten werden.“ Wie Bandauftritte oder Lesungen. Gerade Nachwuchsbands könnten Kneipiers so zum guten Start verhelfen und sie selbst hätten ein volles Haus - und gute Werbung. „Denn dass Live-Bands immer Publikum ziehen, sieht man ja bei der jährlichen Kneipennacht ,Nightgroove’“.

Würde man diese Hebel richtig einsetzen und auch das Getränkeangebot auf die sich verändernden Geschmacksrichtungen einstellen, ist die Oeventroperin überzeugt, dann hätten die Kneipen weiterhin ihren festen Platz im innerstädtischen Geschehen. „Aber nur noch an der Theke stehen und Bier trinken, darauf darf sich eine solche Einrichtung nicht mehr reduzieren. Das ist heute bei jungen Leuten nicht mehr angesagt.“ Auch ein Biergarten sei eine gute Option. Und vielleicht eine kleine Tanzfläche im Lokal.

Live-Musik und andere Events

Reagiere man da nicht, hätten nur noch die wenigen „Kultkneipen“ Überlebenschancen. „Aber die wiederum sind meist nur für Einheimische attraktiv, weil sie mit diesen Kneipen - und mit den anderen Besuchern - Erinnerungen teilen.“

Deshalb hofft Franziska Schnapp darauf, dass die heimischen Kneipiers - wo möglich - sich entsprechend aufstellen und diese wichtigen Kommunikations- und Treffpunkte damit in die Zukunft führen können. „Denn die neuen Medien sind da kein Ersatz. Weil dieser Kommunikation alles Persönliche und auch die Wärme fehlt.“

"Übergangsort von mir zu euch“

Damit liegt die Oeventroperin in Sachen Kneipe auf einer Linie mit dem bekannten Schauspieler Burkhard Klaußner. Der hatte sich in einem „Spiegel“-Gespräch wie folgt geäußert: „...Im Geselligen eines Lokals erkennt man die Vorstufe zur Gesellschaft. Es ist ein Übergangsort von mir zu euch.“

Auch das ein Plädoyer für die Kneipe.

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