Wohnen

"Man muss annehmen, was einem passiert"

Zukunftsrauschen: Gedanken zur Zukunft von Margret Bongartz

Margret Bongartz (86), Bewohnerin des Altenheims St. Vincenz in Menden.

Margret Bongartz (86), Bewohnerin des Altenheims St. Vincenz in Menden.

Beschreibung anzeigen
Margret Bongartz  sieht positiv in die Zukunft.

Margret Bongartz sieht positiv in die Zukunft.

Foto: Hagemann

Menden.  Margret Bongartz (86) zog im Mai aus dem „Gepflegten Wohnen“ ins Altenheim. In die Zukunft nimmt sie „Gott-, Arzt- und Selbstvertrauen“ mit.

Margret Bongartz ist ein fröhlicher und optimistischer Mensch. Nach der Zukunft gefragt, antwortet sie wie aus der Pistole geschossen: „Wissen Sie, ich habe Gottvertrauen, ich habe Arztvertrauen, und ich habe Selbstvertrauen.“ Und damit, meint die 86-Jährige, werde sie wohl noch eine gute Zeit verbringen können.

Margret Bongartz wohnt in der Kapellengasse – und doch wieder nicht. Kapellengasse, so heißt nur der Flur im Altenheim St. Vincenz, wo die 86-Jährige seit Mai lebt und wo alle Flure Mendener Straßennamen tragen. Ihre Postadresse lautet jetzt Hauptstraße 13.

Bis Mai wohnte sie unweit von hier im „Gepflegten Wohnen St. Vincenz“, das ebenfalls zu der Gemeinde gehört, der sie ihr Leben lang die Treue gehalten hat. Das war eine kleine Mietwohnung, allerdings mit Betreuungs- und Serviceangeboten für die durchweg älteren Bewohner. Dort war auch der Hausnotrufknopf der Malteser stets dabei. Die seien immer sofort dagewesen, wenn sie Hilfe brauchte.

Zimmergröße nebensächlich

Wie geht es ihr jetzt, da sie sich nach dem Umzug eingelebt hat? „Ausgezeichnet“, strahlt die gebürtige Mendenerin. „Ich muss an nichts mehr denken: einkaufen, Straße fegen, Öl bestellen...“ – woraus sich schließen lässt, dass diese Frau lange im eigenen Haus gelebt hat. „Das stimmt. Am Goldacker“, bestätigt sie.

Das Haus dort hatten ihre Großeltern gebaut, und als ihr erster Mann mit nur 29 Jahren an Krebs starb, überschrieb ihr der Opa das Zuhause, um ihr Sicherheit zu geben. Dort lebte sie fortan mit ihrem Vater und den Großeltern. Ihre Mutter war gestorben, als Margret zwei Jahre alt war. Das war schwer, doch Klagen ist nicht ihre Sache: „Ich hatte eine wunderschöne Jugend!“

Zurück im geliebten Menden

Auch als sie ein zweites Mal heiratete und zu ihrem Mann nach Bielefeld-Brackwede zog, obwohl sie ihr geliebtes Menden doch nie verlassen wollte, lebte sie dort 27 Jahre lang in einem großen Haus. Ihr Mann war städtischer Beamter und leidenschaftlicher Jäger. Die Jagdfreunde gingen in dem Haus, das eher ein Anwesen war, ein und aus. „Eine sehr schöne Zeit“, sagt die Mutter eines Sohnes.

Als ihr der Krebs auch den zweiten Mann nahm, war für sie klar, dass sie wieder zurück nach Menden wollte. Aber nicht mehr zum Goldacker, „das war mir zu anstrengend, da haben wir ja 19 Prozent Gefälle“. Dafür hörte sie dann von der ebenso stadtnahen Hönne-Insel, bewarb sich – und wurde vor gut zehn Jahren die erste Bewohnerin im „Gepflegten Wohnen an der Hönne“. „Da saß ich anfangs ganz alleine in diesem Riesenkasten, aber das war mir wurscht.“ Sie war ja wieder zuhause, und sie hatte eine altersgerechte Wohnung mit bodengleicher Dusche und vielen anderen Erleichterungen.

Regelmäßige Treffen mit ihrem Damenclub

Aber wie ist das mit der Umstellung, wenn man sich im Alter Schritt für Schritt kleiner setzt? „Ach, die Größe eines Zimmers ist nebensächlich. Je älter man wird, desto klarer wird, wie vieles nebensächlich ist.“ Der Umzug vom Wasserrad hierher sei ihr noch am schwersten gefallen: „Aber als es mir gesundheitlich nicht mehr gut ging, war ich dort auch viel allein.“ Und das, obwohl sie dort regelmäßige Treffen mit einem netten Damenklübchen hatte. Man trifft sich bis heute.

Was ist dann wichtig? „Dass man annimmt, was einem passiert“, sagt diese Frau, der man nicht anmerkt, dass sie seit 15 Jahren an Parkinson leidet. Das Heim sei sehr schön, es gebe jeden Tag Abwechslung und immer zwei leckere Essen zur Auswahl. Zum Abschied verschenkt sie ein buntes Döschen. „Ich habe schon vieles abgegeben. Denn was ich jetzt verschenke, kommt später nicht in die Tonne!“, sagt sie. Und lacht.

zum Zukunftsrauschen...
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben