Tourismus

"Wir brauchen mehr Angebote für junge Leute und Familien"

Zukunftsrauschen: Tourismus in Bad Berleburg

Ernst-Friedrich Schneck (88) ehemaliger Gastronom aus Bad Berleburg wünscht sich mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft und speziell auch unter den Wirten. Dann werde der Fremdenverkehr wieder stärker wachsen.

Ernst-Friedrich Schneck (88) ehemaliger Gastronom aus Bad Berleburg wünscht sich mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft und speziell auch unter den Wirten. Dann werde der Fremdenverkehr wieder stärker wachsen.

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Ernst Schneck

Ernst Schneck

Foto: Dickel

Bad Berleburg.   Ernst Schneck (88) vermisst den früheren Zusammenhalt unter den Gastronomen. Er glaubt trotzdem an die touristische Zukunft von Bad Berleburg.

Ernst Friedrich Ludwig Schneck ist in Bad Berleburg und Wittgenstein besser bekannt als „Schnecks Ernst“. Der heute 88-Jährige ist wohl einer der bekanntesten Gastronomen in Bad Berleburg. Auch wenn er seit Jahrzehnten nicht mehr hinter dem Tresen steht, verfolgt der frühere „Wirt der Wirte“ die Entwicklung des Tourismus in der Stadt genau und hat klare Vorstellungen davon, was in Zukunft passieren muss, damit Hotellerie und Gastronomie wieder zu einstiger Stärker zurückfinden.

Ernst Friedrich Schnecks Familie hat das Gastgeber-Gen. Schon sein Vater Ernst betrieb in Weidenau ein Gasthaus, bis der Krieg und die Bomben den Betrieb zerstörten und die Familie ein paar Jahre später von Siegen nach Berleburg umzog.

Damals

Schneck blättert in der Historie. Er hält einen Kneebusch in der Hand. Das grüne Büchlein ist ein Wander- und Reiseführer des Sauerländischen Gebirgsvereins aus dem Jahr 1917. Da steht: „Berleburg, Kreisstadt, 2500 Einwohner.“ Und direkt dahinter sind gleich neun Hotels, Gasthöfe und Wirtschaften angegeben. Das Zimmer mit Frühstück kostet 2,50 Reichsmark. Mit Halbpension sind es 4 bis 4,50 Reichsmark. Die Häuser haben klangvolle Namen: Wittgensteiner Hof, Kaiser Friedrich, Zum Paradies und Stadt Berleburg.

Heute

Heute zählt die Kernstadt von Bad Berleburg 7000 Einwohner. Die Zahl der Betriebe hat aber drastisch abgenommen. Es gibt nur noch vier größere Bettenanbieter. Während Schnecks Finger über die Seiten fährt, verharrt er an einem Punkt: beim Hotel Stadt Berleburg am Goetheplatz. Heute ist dort ein griechisches Restaurant.

„Am 15. April 1954 haben meine Eltern das Haus von Ludwig Bäumner übernommen. Der hatte das Hotel Stadt Berleburg im Oktober 1911 eröffnet“, sagt Schneck, der seinen Vater als Wirt ablöste und das Haus bis zum Verkauf 1980 führte. In den 1980er Jahren liefen die Geschäfte für Hotels und Wirtschaften noch besser als heute. 1971 war aus der kleinen Kreisstadt mit viel Natur und wenig Industrie ein namhafter Kurort geworden. Dem Bad folgte 1974 die Anerkennung als Heilbad. „1952 haben sieben Männer im Hotel Stadt Berleburg die Kneipp-Kur-Gesellschaft gegründet“, sagt Schneck. Aus ihr erwächst später die Wittgensteiner Kuranstalt und dann die Wittgensteiner Kliniken AG, die von Fresenius/Helios übernommen wurde.

Anfänge

„Das Wittgensteiner Land war ein karges Land. Die Menschen sind gezwungen gewesen, ihr Geld in Fabriken im Siegerland oder Ruhrgebiet zu verdienen. Weil sie aber heimatverbunden waren, haben sie ihre Ferien hier verbracht und auch Freunde, Kollegen und Bekannte mitgebracht“, sagt Schneck. Im Sommer wurde gewandert, im Winter Ski und Schlitten gefahren.

So startete der Tourismus in Wittgenstein. Das übrigens damals gar nicht unter seinem eigenen Namen warb: „Auf den Postkarten stand ‘Berleburg im Sauerland’“, weiß Schneck genau. Wittgenstein hin, Sauerland her. Damals boomte das Geschäft in Hotels und kleinen Pensionen. Die Gasthöfe waren mit Kneipp-Patienten ausgelastet. Das kippte aber als die Kur durch Rehabilitationen abgelöst wurde.

Ende

Aber warum sank die Zahl der Kneipen und Gaststätten wieder? „Flaschenbier war der Tod der Gaststätten. Die Brauereien haben daran besser verdient, und jeder Verein hat sein Vereinsheim gemacht“, erklärt Schneck, der diese Entwicklung lange mitangesehen hat. Aber Schneck hat auch ein Rezept, wie Gastronomie wieder stärker werden kann: „Wir haben damals einmal im Monat mit allen Wirten zusammengesessen und uns besprochen.“ Diesen Zusammenhalt der Zunft vermisst Schneck heute. Außerdem hätten die Vereine ihre Termine koordiniert, um sich keine Konkurrenz zu machen. „Es muss wieder mehr Gemeinschaft rein“, sagt er.

Zukunft

Und mit Blick auf die Zukunft: Da ist es natürlich schwieriger geworden: „Es muss zugeschnittene Angebote für die Jungen geben. Aktivurlaub. Und es muss geplante Urlaube für die Familien geben, damit die sich ganz um die Kinder kümmern können. Für die Alten braucht es Ruhe. Es wird schwierig, das alles unter ein Dach zu bringen.“ Was sagt er zur Diskussion um ein weiteres großes Hotel in der Stadt? „Das brauchen wir auf jeden Fall. Es könnte ein Hotel garni sein mit einem Restaurant für abends. Das ist wichtig für Tagungsgäste.“

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