Wohnen

Mehrgenerationen-Modell in Herdecke macht schöne Aussichten

Zukunftsrauschen: Wohnen in Herdecke

Michael May zog im Mai 2018 mit seiner Frau von Iserlohn nach Herdecke. Am Bahnhof bzw. alten Steinbruch fühlen sich die Eheleute im Mehrgenerationenhaus der HGWG auch wegen der tollen Aussicht von ihrer Terrasse schon wohl.

Michael May zog im Mai 2018 mit seiner Frau von Iserlohn nach Herdecke. Am Bahnhof bzw. alten Steinbruch fühlen sich die Eheleute im Mehrgenerationenhaus der HGWG auch wegen der tollen Aussicht von ihrer Terrasse schon wohl.

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Herdecke.  Dagmar und Michael May sind aus Iserlohn zum Herdecker Bahnhof gezogen. Das Mehrgenerationen-Modell und die Wohnung sorgen für Wohlfühl-Faktor.

Rückt der Ruhestand näher, rasen schon mal wirre Gedanken durch den Kopf. Wo wohnen? Wie leben? Was beachten? Die Eheleute Dagmar und Michael May haben Anfang 2017 begonnen, sich intensiver mit ihrer Zukunft zu beschäftigen. Bestandsaufnahme damals: Die Kinder sind aus dem Haus, auch die Enkel leben im Ruhrgebiet. Oma und Opa wollen ihnen näher sein. Also gerät Iserlohn als langjähriger Lebensmittelpunkt auf den Prüfstand. Die Rentnerin, heute 67 Jahre alt, und der Landschaftsarchitekt (63) mit seinem Arbeitsplatz in Dortmund haben sich für Herdecke entschieden.

„Wir wollten aus dem etwas abseits gelegenen Iserlohn, wo wir innenstadtnah gut gewohnt haben, auf der Ruhrschiene näher zur Familie ziehen.“ Auch weil Dagmar Mays Knie immer mehr gegen das Treppensteigen rebellierte und kein Fahrstuhl zur Wohnung im dritten Stock bereit stand, schauten die Beiden im Internet nach Alternativen. Und entdeckten das Mehrgenerationen-Projekt der Herdecker Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (HGWG) am Bahnhof.

Der kleine Bahnhof befindet sich direkt vor der Tür

Michael May kannte die Kleinstadt vom Hörensagen, seine Frau fuhr am Jahresende 2017 ohne Vorkenntnisse und damit auch ohne Vorurteile in die Walter-Freitag-Straße. Erst mal umgucken und einen Eindruck bekommen, ob das gute Exposé auch in der Wirklichkeit überzeugt. „Es war dann insgesamt die zweite Wohnung, die wir uns angeschaut haben. Wir wussten im Januar sofort: Das kann was werden.“

Der Rohbau des zweiten Bauabschnitts in der ehemaligen Ladestraße war fertig, eine Wohnung noch frei. Wieder dritte Etage, nun aber mit Aufzug. Weitere Vorteile: Sie fährt oft und gerne mit dem Zug, der kleine Bahnhof befindet direkt vor der Tür. Er spart monatlich ca. 1000 Kilometer Arbeitsweg. „Ich kenne auch die Architekten durch meinen Beruf und finde das Gebäude immer noch ansprechend wie auch funktional“, sagt der 63-Jährige. Gesamteindruck: positiv.

„Es hat sich gefügt, wir haben auch Glück gehabt“, sagen die Mays, die im Mai einzogen und die große Terrasse hervorheben. Südseite. Direkt darunter liegt im Westen die öffentliche Parkanlage am alten Steinbruch, linke Hand der bewaldete Rehberg-Hang. Am Horizont ist Hagen erkennbar. Schöne Aussichten also.

Kontakte finden sich schnell

Die Eheleute haben nach eigenen Angaben ihre Traumwohnung mit 90 Quadratmetern in einem barrierefreien Haus gefunden. „Auch die einmal stündlich fahrenden Züge haben für uns nichts mit Lärm zu tun“, sagt Dagmar May. Apropos uns: Mit Bolonka-Hündin Josie hat sie mittlerweile Herdecke erkundet. Und dank der munteren Sechsjährigen auch Kontakte geknüpft.

Das sei den Neuankömmlingen aus Iserlohn ohnehin nicht schwer gefallen, denn sie tragen die Idee des Mehrgenerationenhauses mit 25 Miet-Parteien unterschiedlichen Alters voll mit und passen zum Beispiel schon mal auf ein Nachbarskind auf. Lebhaft berichten sie von den ersten Gemeinschaftsprojekten im Gebäude, von Treffen im Gruppenraum (mit Küche und Dartscheibe), bald soll dort eine Zapfanlage stehen.

Es haben sich nach anfänglicher Moderation seitens der HGWG Gruppen zur Gartenarbeit gebildet oder für Pflegemaßnahmen am und im Haus. Michael May hat im Haus eine Doppelkopf-Truppe zum Kartenspielen gefunden. Es gab Einladungen zu Geburtstagsfeiern oder anderen Anlässen, geplant ist eine Radfahrer-Runde. „Schon nach kurzer Zeit lebt der Gemeinschafts-Gedanke, wobei jeder sich hier individuell so einbringen kann, wie sie oder er will“, berichtet der Landschaftsarchitekt.

Guter Auftakt und Optimismus

Herdecke sei auch nach Eindrücken aus der Kneipenszene ein „sympathisches Städtchen“. Und bei einer Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft seien sie lieber Mieter als bei einer Heuschrecken-Firma. „Man überlegt ja schon, wie es im Alter so zugehen soll. Wir fühlen uns hier wohl, vieles entwickelt sich im Haus ja noch weiter.“ Die Eheleute May vermitteln den Eindruck: Für sie hat die Zukunft erfreulich begonnen.

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