Integration

"Mein Traum ist eine Ausbildung zum Altenpfleger“

Thomson Ngeufang

Thomson Ngeufang

Foto: Vossel

Kirchhundem.   Thomson Ngeufang aus Kamerun träumt von einer Ausbildung zum Altenpfleger. Der 38-Jährige ist sehr beliebt, Mitglied im MGV Hofolpe und in der Feuerwehr.

Die Geschichte von Thomson Ngeufang beginnt vor etwa zwei Jahren. Er hatte in Hofolpe den Bus zur Arbeit verpasst und Rüdiger Mennekes nahm ihn in seinem Auto mit. Und dann geschah Folgendes: Aus dem Radio ertönte „No woman, no cry“ des legendären Bob Marley. Spontan sangen beide den Reggae-Hit mit. Der Vorsitzende des MGV Hofolpe fragte den Flüchtling aus Kamerun, ob er Lust hätte, im Gesangverein mitzumachen. Der 38-Jährige war begeistert und Mennekes sagte ihm, er solle am Freitag zur Probe kommen. Es war der Beginn der Sängerkarriere des Kameruners.

Diese kleine Geschichte sagt mehr als 1000 Worte. Sie ist ein Paradebeispiel für Menschlichkeit und gelungene Integration. Mittlerweile hat Thomson Ngeufang einige Auftritte mit dem MGV Hofolpe absolviert. Zwar habe es anfangs noch skeptische Blicke gegeben, doch seien diese schnell verflogen, so Rüdiger Mennekes, der betont: „Thomson ist immer pünktlich. Er ist ein wunderbarer Mensch, sehr aufgeschlossen und sehr sympathisch. Wir geben ihm immer Hilfestellung. Er ist im Dorf überall beliebt.“ Mit dem Sangesbruder Klaus Baumhoff und dessen Familie feierte der Kameruner schon gemeinsam Weihnachten und Silvester. Die beiden sind gute Freunde geworden.

Lernen für den Schulabschluss

Unsere Zeitung besuchte den 38-Jährigen, der vor fünf Jahren aus Kamerun nach Hofolpe kam, bei der Caritas in Kirchhundem. Im Obergeschoss findet ein Deutschkurs der Flüchtlingshilfe Kirchhundem statt. Thomson Ngeufang, der die deutsche Sprache bereits gut beherrscht, übt hier vor allem Mathematik. „Er bemüht sich total“, lobt Li Müller, eine der Leiterinnen des Kurses. Der Kameruner hat bereits im Franziskus-Seniorenhaus in Elspe und in der Caritas-Tagespflege Kirchhundem gearbeitet und möchte eine Ausbildung zum Altenpfleger machen. „Das ist mein Traum. Es macht mir Spaß“, sagt er. Zunächst muss er aber den Schulabschluss machen. Dafür besucht er das Berufskolleg in Olpe. In einem Jahr, so hofft er, hat er den Abschluss in der Tasche.

Doch fest planen kann Thomson Ngeufang, der in einer Gemeinschaftsunterkunft der Gemeinde Kirchhundem in Hofolpe lebt, seine Zukunft nicht. Er weiß nicht, ob er in Deutschland bleiben kann. Es ist die Unsicherheit, die wie ein ­Damoklesschwert über dem 38-Jährigen schwebt: „Ich warte, was das Leben mir gibt. Die Hoffnung ist in meinem Herzen. Es wäre mein Traum hierzubleiben, aber man weiß nicht, was morgen passiert“, sagt er. Trotz dieser Ungewissheit will er sein Ziel mit ganzer Kraft verfolgen: „Ich lerne und konzentriere mich auf den Abschluss. Dann gucken wir weiter. Ich muss abwarten.“

Angst mache ihm die Hetze gegen Ausländer. Wie beispielsweise in Chemnitz: „Nirgendwo ist niemand sicher momentan. Das ist sehr schlimm.“ In seinem Umfeld in ­Hofolpe hat der Kameruner nach eigener Aussage bisher keine Probleme gehabt. Im Gegenteil. Hier wird er akzeptiert: „Meine Nachbarn sind nett. Ich habe Freunde überall.“

Zum Feuerwehr-Anwärter ernannt

Neben dem Gesangverein ist Thomson Ngeufang auch Mitglied in der Feuerwehr Hofolpe. Bei der Jahresdienstbesprechung der Feuerwehr der Gemeinde Kirchhundem vor knapp zwei Jahren wurde er zum Feuerwehr-Anwärter ernannt. „Ich habe eine Reportage im Fernsehen gesehen, wo Ausländer bei der Feuerwehr sind. Das hat mich inspiriert. Am nächsten Tag habe ich mich hier bei der Feuerwehr gemeldet.“ Dabei hat der 38-Jährige ein klares Ziel für die Zukunft vor Augen: „Ich bin noch kein richtiger Feuerwehrmann. Ich mache ein Praktikum. Ich würde gerne auch zu Einsätzen. Das wird nicht einfach sein, aber ich möchte die Prüfung als Feuerwehrmann machen.“

Thomson Ngeufang träumt von einer Zukunft in seiner neuen Heimat: als Altenpfleger, Sänger und Feuerwehrmann. Die Menschen in seinem Umfeld würden sich das ebenfalls wünschen, denn der Kameruner ist überall beliebt. Das liegt mit Sicherheit auch an seinem Lebensmotto: „Wenn du nett zu den Leuten bist, dann sind sie auch nett zu dir.“

zum Zukunftsrauschen...
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