Wohnen

Perfekter (Haus-)Plan im hohen Alter

Prof. Dr. Robert Seckelmann ist Optimist. Mit 80 Jahren hat er sich noch einmal in das Abenteuer Hausbau gestürzt.

Prof. Dr. Robert Seckelmann ist Optimist. Mit 80 Jahren hat er sich noch einmal in das Abenteuer Hausbau gestürzt.

Foto: Bernd Richter

Schwelm.   Dr.-Ing. Robert Seckelmann hat sich dem ultimativen Fitnesstest unterzogen: dem hausbau. Und das freiwillig und zum wiederholten Mal.

„Wenn Sie prüfen wollen, ob sie mit 80 Jahren noch fit sind, dann bauen Sie ein Haus. Wenn es Ihnen gelingt, dann sind Sie fit“. Derjenige, der das sagt, weiß, wovon er redet. Denn Dr.-Ing. Robert Seckelmann hat sich selbst diesem ultimativen Fitnesstest unterzogen. Und das freiwillig und zum wiederholten Mal.

Der mittlerweile 86-Jährige hat sich in einem Alter, in dem so mancher schon im Seniorenheim wohnt, 2012 zum zweiten Mal in seinem Leben nach 1954 in das Abenteuer Hausbau gestürzt. Zum 1. Januar 2014 ist er gemeinsam mit Frau Margarete in den Neubau Grütergasse 1 eingezogen.

Getreu dem Motto „Er kann’s nicht lassen“ hat es der Professor danach aber nicht nur ein zweites, sondern sogar noch ein drittes Mal in seinem Leben gewagt. „Wir haben 2017 noch einmal fast neu gebaut und ein Haus aus den 1950er Jahren grundsaniert, weil wir es nach einem Mieterwechsel nicht neu vermieten konnten. Und was soll ich sagen: Der Umbau hat mich so viel gekostet wie ein kleines Haus“, sagt der rüstige Pensionär mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht.

Architektur als Steckenpferd

Am Telefon hat der Dr.-Ing. eine fast jugendliche Stimme, immer einen verschmitzten Unterton im Klang. Den Schalk im Nacken eben – der spricht aus dem einstigen Mathematik-Professer auch noch im hohen Alter von 86 Jahren. Wer seine Debattenbeiträge im Stadtrat noch in Erinnerung hat, der weiß, wovon die Rede ist. Seine Ausführungen waren von den politischen Gegnern gefürchtet, zeichneten sie sich doch immer durch eine Exaktheit aus, die mit Zahlen unterlegt, somit unwiderlegbar war – auch wenn sie nicht ins politische Meinungsbild passten.

So leicht machte dem ehemaligen FDP-Stadtrat damals niemand etwas vor – wie übrigens auch heute noch. Denn jeder, der einmal gebaut hat, weiß, wie stressig es auf der eigenen Baustelle werden kann. Wer einmal baut, macht Fehler, wer ein zweites Mal baut, machten nicht weniger Fehler – es sind nur andere, sagt der Volksmund.

„Architektur war schon immer mein Steckenpferd. Ich wäre sicherlich Architekt geworden, wenn mein Vater nicht ein Radiogeschäft gehabt hätte“, sagt rückblickend Robert Seckelmann. So habe er eben Hochfrequenztechnik in Aachen studiert und in Berlin promoviert. Generalstabsmäßig geht Seckelmann seine Bauprojekte an. Bis ins Detail hat er die Pläne ausgearbeitet, als er sich schließlich auf die Suche nach einem Architekten macht. „Im Mai 2011 habe ich mit dem Bauamt über einen von mir erstellten, durchdachten und gezeichneten Bauplan gesprochen. Er war genehmigungsfähig, er erfüllte alle Forderungen des Bauamts und wurde die Grundlage des Auftrages an einen Architekten“, erinnert sich der Professor.

Jahre bis zum Einzug hinterließen gesundheitliche Spuren

Die Jahre bis zum Einzug hinterlassen bei Seckelmann und seiner Frau gesundheitliche Spuren. Seit Mitte 2012 ist er fast täglich auf der Baustelle, kümmert sich, trotz Architekten, um Planung, Überwachung der Gewerke, entwickelt gegen Widerstand der Fachleute clevere Alternativlösungen für Probleme. Ein Beispiel die Speichertreppe: Die obersten Stufen enden auf dem Liftschacht – Novum und Unikat zugleich, wie die Liftbaufirma anerkennend versichert. Durch diese Seckelmann-Lösung führt nun, statt einer Einschubtreppe, ein sehr bequemer Aufstieg zum Dachboden. „Ich habe sehr intensiv mitgewirkt beim Bau, um Schlimmeres zu verhindern“, sagt Seckelmann im Rückblick.

Das Bauprojekt Grütergasse wird für Robert Seckelmann 2017 auch zur Blaupause für die Grundsanierung der Bahnhofstraße 13. Er plant bis ins Detail, spricht die Angebote mit Handwerkern ab, macht Ausschreibungen und übernimmt die Bauleitung. „Ich kenne die Handwerker und die Handwerker kennen mich. Das hat schon seine Vorteile.“

Heute sind die Strapazen zwar nicht vergessen, aber Robert Seckelmann und seine Frau bereuen keine Sekunde, sich im hohen Alter auf das Abenteuer Hausbau eingelassen zu haben. Das Ehepaar wohnt gern im Zentrum von Schwelm, genießt jeden Tag die ideale Lage ihres Altersruhesitzes. Alles ist zu Fuß zu erreichen – Supermarkt, Arzt, Stadtverwaltung und sogar die Bushaltestelle. „Hier wollen wird gemeinsam alt werden und tun unser Möglichstes, fit zu bleiben.“

Neubau beendet Stadtplanung

Für Seckelmann war der Blick in seine Wohn-Zukunft auch ein Blick in die Vergangenheit. Das Haus Grütergasse 1 ist etwas besonderes, und dass gleich in mehrfacher Hinsicht. In dem Verbindungsweg zwischen Untermauerstraße und Marienweg ist die Grütergasse 1 die einzige Hausnummer, die es dort gibt. „70 Jahre nach dem Luftangriff am 3. März 1945 auf Schwelm und Ende des Krieges am 8. Mai 1945 ist mit dem Neubau Grütergasse 1 der Um- und Neubau von Schwelm-Innenstadt beendet“, sagt Robert Seckelmann. Die Stadtväter hatten sich nach Kriegsende nämlich Zeit gelassen, das neue Straßennetz zu planen. Deshalb hatte die Mitteilung vom Bauamt vom 20. Juni 2014, dass die Stadtplanung an dieser Stelle für das Rathaus abgeschlossen sei, für ihn natürlich einen besonderen Stellenwert. „Bei einer Neuplanung des Stadtbezirks hätte das Haus eventuell wieder abgerissen werden müssen“, erinnert sich Seckelmann.

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