Freizeit

Ursula Pfeifer: Mit 90 tritt sie noch in die Pedale

Ursula Pfeifer ist noch sehr fit.

Ursula Pfeifer ist noch sehr fit.

Foto: Verena Hallermann

Elspe.   Ursula Pfeifer ist eine agile Seniorin. Mit fast 50 traute sie sich noch an den Führerschein heran. Im Seniorenzentrum fühlt sie sich wohl.

Ursula Pfeifer ist 90 Jahre alt. Sie hat schon gelebt, als die ersten Fernseher auf den Markt kamen, als es noch keine Emails oder Digitalkameras gab. Von der ganzen Technik hat die Bewohnerin des St. Franziskus Seniorenhausens in Elspe aber nie sonderlich viel gehalten. „Ich lese lieber, anstatt Fernsehen zu gucken“, erzählt die Seniorin und lächelt freundlich. Auf ihrem Nachttisch hortet sie den ein oder anderen Roman. Aber das ist nicht ihr einziges Hobby. Ursula Pfeifer ist noch richtig aktiv. Wie sie ihre Freizeit verbringt und was sie sich für die Zukunft wünscht, hat sie unserer Zeitung im Gespräch verraten.

Stolze Mutter

Am 19. Juni 1926 ist Ursula Pfeifer in Breslau geboren. Im Alter von 17 Jahren kam sie mit ihren Eltern und ihren beiden Schwestern in den Kreis Olpe. Die Familie flüchtete vor dem Krieg. In Meggen kauften die Eltern das alte Spritzenhaus der Feuerwehr, das ihr Vater zu einem Ein-Familienhaus umbaute. Dort lebte Ursula Pfeiffer, geborene Galland, bis zu ihrer Hochzeit. Damals war sie 20 Jahre alt. Ihren Mann Hugo hatte sie in Meggen kennengelernt. Heute ist die Seniorin stolze Mutter von drei Töchtern, fünf Enkeln, neun Urenkeln - und einem viereinhalb Jahre alten Urenkel. „Ich bin so froh, dass ich meine Kinder habe“, sagt die 90-Jährige, die jede Menge Bilder in ihrem Zimmer im Seniorenheim aufbewahrt. „Es ist so schön, dass mich alle regelmäßig besuchen.“

Die Rentnerin lebt seit neun Jahren im Seniorenheim. Sie hat eine lange Krankengeschichte hinter sich, sitzt heute die meiste Zeit im Rollstuhl. Das hält Ursula Pfeifer aber nicht davon ab, an den Turnübungen im Seniorenheim teilzunehmen oder im Tandem mit dem Fahrrad einen Ausflug zu machen. Fast so wie damals, als sie als junges Mädchen noch im Turnverein war. „Wenn ich was ausgefressen hatte, durfte ich nie zum Turnen“, erzählt die Seniorin und lacht. „Ich habe mich aber immer trotzdem rausgeschlichen.“

Spaß und Freizeit waren Beruf

Die Seniorin kann noch kräftig in die Pedale treten und die Hanteln schwingen. Sie kocht gerne Marmeladen, spielt Bingo, kegelt mit der Familie, macht Spaziergänge an der Bigge, strickt Schals, singt Heimat- und Volkslieder - und freut sich, wenn sie einen kleinen Einkaufsbummel in Altenhundem machen kann. Früher habe sie sich weder besonders gesund ernährt noch viel Sport getrieben, erzählt sie. Trotzdem hat sie die 90 erreicht. „Man muss sich für die Dinge interessieren“, verrät sie ihr Geheimrezept. „Ich nehme an allem teil, was angeboten wird.“

Früher waren Spaß und Freizeit sogar ihr Beruf. In Breslau hatte sie zunächst eine Lehre zur Hutmacherin begonnen. Wegen der Flucht musste sie diese jedoch abbrechen. Stattdessen hat sie im Panoramapark in einem Kiosk gearbeitet. „Zentnerweise habe ich Mandeln gebrannt“, weiß sie noch. „Und Zuckeräpfel und Süßigkeiten habe ich Unmengen verkauft.“

Einfach nur in Rente zu gehen, das war der agilen Seniorin, die sich noch mit 49 an den Führerschein traute, zu langweilig. Bis 75 hat sie in einer Bäckerei in Kirchhundem ausgeholfen. Rumliegen und nichts tun, steht auch in Zukunft nicht auf ihrem Zeitplan.

Wünsche für die Zukunft

Wünsche für die Zukunft hat Ursula Pfeifer nur wenige. „Ist doch wie im Hotel hier“, sagt sie und lacht. „Ich kann bestellen, was ich will und keiner fragt, wer’s bezahlt. Ich bekomme Tee, wann immer ich will.“ Doch einen großen Wunsch hat sie dennoch: Sie möchte nochmal schwimmen gehen. Das ist allerdings ein Problem, weil sie so schlecht laufen kann. Mehr Angebote für Senioren sollte es geben, findet sie. Und auch mehr Ehrenamtler, die sich Zeit für die älteren Menschen nehmen.

Ursula Pfeifer ist zufrieden mit dem Freizeitangebot im Seniorenheim. Mehr noch. Sie fühlt sich hier richtig wohl: „Das ist das beste, was mir hier passieren konnte.“

zum Zukunftsrauschen...
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