Digitalisierung

Was die Digitalisierung bei Zahnprothesen ändern soll

Foto: Gerber

Herdecke.  Si-tec aus Herdecke: Bernd Krahl (70) setzt mit seiner weltweit führenden Firma für Zahnprothesen mit Doppelkronen auf Digitalisierung.

Zahlen können – je nach Kontext – beeindrucken. „Wir haben mehr als 20 000 Kunden.“ Dr. Bernd Krahl sagt diesen Satz ohne Pathos. Nüchtern berichtet der 70-Jährige, wie sich das 1990 gegründete Unternehmen Si-tec nach seiner schweren Erkrankung entwickelt hat. Gelegentlich schwingt ein bisschen Stolz, mindestens aber Zufriedenheit mit, wenn es um seinen Herdecker Betrieb geht. Und die Firma, die Dental-Spezialartikel anbietet, gibt sich zukunftsorientiert. Das Motto lautet: „Si-tec goes digital.“

Viele kennen Krahl als Chef der Therapie-Einrichtung Ambulanticum, die er mit seiner Frau Marion Schrimpf führt. Das Duo bildet auch die Geschäftsführung von Si-tec. Wobei diese Firma, ebenso im Leharweg am Nacken beheimatet, „sein Baby“ ist. Seit fast 40 Jahren ist er approbierter Zahnmediziner, ehe seine zwei Schlaganfälle ihn zur Robotik-Technik und 2012 zur Gründung des Ambulanticums führten.

Beide Betriebe bestimmen je zur Hälfte Krahls Arbeitsalltag, dem letzten Mohikaner der Si-tec-Gründungsgesellschafter. Vor 28 Jahren beschloss in Hagen eine Gruppe aus Zahntechnikern, Zahnärzten und wirtschaftlich denkenden Kaufleuten, eine Firma mit dem Ziel aufzubauen, die herausnehmbare (prothetische) Zahntechnik zu verbessern. Daher der Name: Si-tec steht für sinnvolle Technik. Während sich bei Mitbegründern die Lebenswege veränderten, wollte Krahl das Geschäft trotz seiner veränderten Schwerpunkte und trotz hohen Kapitalaufwands bei der alleinigen Übernahme nicht aufgeben. „Ich hänge daran.“ Seit mittlerweile fast 40 Jahren übt er den Beruf aus und betont: „Zahntechniker wird es trotz des technischen Fortschritts immer geben.“

Messen und Auslandsgeschäft

Davon profitiert die Si-tec GmbH, die rund ein Dutzend Mitarbeiter am Nacken beschäftigt. Hinzu kommen drei General-Repräsentanten in Polen, Italien und Spanien (Vertriebsgebiet iberische Halbinsel plus Südamerika). Auch Asien ist über einen südkoreanischen Partner im Visier. Laut Krahl ein sehr aussichtsreiches Vorhaben, da die Produkte von Si-tec dort konkurrenzlos seien.

Wichtig seien Messe-Auftritte. Dort präsentiert Si-tec auch das wohl wichtigste Produkt: TK-Snap. Dieses patentrechtlich geschützte Element zum Einrasten von Doppelkronen sorge für einen besonderen Halt. Mehr als 1,5 Millionen Mal verkaufte das Unternehmen diverse Ausführungen davon. „Wir sind da Weltmarktführer. Wir wollen Bewährtes weiter entwickeln und perfektionieren.“

Nach dem analogen Herstellungsverfahren soll das voraussichtlich ab Jahresende digital geschehen. In Zusammenarbeit mit der Uni Marburg gebe es schon viel internationale Anerkennung für die „German Dental Crown“ aus Herdecke, für die Weiterentwicklung dieser Doppelkrone ist das Patent angemeldet und bestätigt. „Das spart Zeit und sorgt für weniger Reparaturen. Darüber dürften sich Patienten und Kostenträger freuen, die TK-Snap bezuschussen“, sagt der Geschäftsführer, der nach seiner Erkrankung „den Laden komplett umgekrempelt“ hat. Von den fast 30 Produkten, die zu Si-tec gehören, will er möglichst viele digital verarbeiten lassen. Damit Kunden diese auch per Mausklick bestellen können, ist ein Online-Shop installiert. Mit steigender Nachfrage. „Wir kaufen neben unseren Eigenentwicklungen auch manches hinzu und vertreiben das unter unserem Label.“ Das Ergebnis einer weiteren Kooperation mit Marburgs Uni soll ebenfalls bald fertig und im Frühjahr 2019 auf der weltweit größten Dental-Messe in Köln zu sehen sein.

Breites Spektrum

Dabei hat sich Si-tec neben Dental-Spezialartikeln ein breites Spektrum erarbeitet. „Für unsere Produkte interessiert sich auch die Kosmetik-Branche“, sagt Dr. Krahl und denkt an Werkzeuge, die bei der Mani- und Pediküre helfen. Oder an den patentierten Prototypen „Air Boy“: Diesen Druckluftreiniger entwickelte die Firma für die IT-Industrie. Doch ihre Kernaufgabe sehen die Tüftler immer noch im Mund. „Das Thema Allergie wird immer wichtiger: Bei unserer Edelweißlinie arbeiten wir ohne Metalle.“ Keramik statt Titan-Schrauben.

Grundsätzlich will Si-tec vieles ausgliedern, die Firma setzt auf Partnerschaften in Sachen Maschinen und Technik, stellt aber selbst auch immer wieder wie zuletzt zwei Konstruktions-Ingenieure ein. „Wir legen viel Wert auf einen guten Online-Shop und die technische Kundenberatung.“ Von der Anwender-Freundlichkeit sollen Labore, Hochschulen, Zahnärzte und Techniker profitieren, zumal Si-tec keinen direkten Patientenkontakt hat. Dafür aber Zertifikate, auf ein gutes Qualitätsmanagement lege Krahl ebenso viel Wert wie auf die Entwicklung.

Die guten Geschäftszahlen geben das demnach her. „Wir befinden uns im Steigflug, 2019 wollen wir durch die Decke gehen, dabei ist die Digitalisierung enorm wichtig.“

zum Zukunftsrauschen...
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