Einzelhandel

Wenn das Online-Angebot den Kunden erschlägt

Monika Loerchner (35) aus Allagen versucht, Amazon zu vermeiden.

Monika Loerchner (35) aus Allagen versucht, Amazon zu vermeiden.

Foto: Lisa Klaus

Allagen.  Monika Loerchner (35) aus Allagen kauft sowohl online als auch lokal ein. Sie versucht, Amazon zu vermeiden und wünscht sich eine Drogerie in der Nähe.

Der Einzelhandel leidet unter dem Online-Shopping.

Das Angebot im weltweiten Internet ist größer, vielfältiger und der Kunde muss noch nicht einmal das Haus verlassen, um die Ware zu bekommen – die wird direkt bis zur Haustüre geliefert. Als Konsequenz machen die Läden in den Innenstädten weniger Umsatz und müssen im schlimmsten Fall schließen. Ein Schicksal, das den Einzelhandel besonders in kleinen Städten bedroht und dort einen Laden nach dem anderen in die Knie und zum Aufgeben zwingt. Monika Loerchner, 35, nutzt beide Angebote: Sie kauft sowohl online als auch lokal ein.

„Ich kaufe meistens in Sichtigvor und Belecke ein, ansonsten in Warstein“, sagt die Schriftstellerin. Dann besorgt sie die alltäglichen Dinge wie zum Beispiel Nahrungsmittel und schaut sich auch auf dem Wochenmarkt um. Wenn sie nach etwas ganz Bestimmtem sucht, von dem sie nicht genau weiß, ob es das irgendwo im Stadtgebiet zu kaufen gibt, greift sie aber auf das Internet zurück.

Amazon wird vermieden

„DVD-Filme bestelle ich lieber online“, sagt sie. Da es hier in der Gegend keinen Saturn gibt, sei das der einfachere Weg, als die Läden nach einem bestimmten Film zu durchsuchen. „Auch ältere und gebrauchte Sachen findet man sehr gut im Internet“, erzählt Loerchner.

Den Versandriesen Amazon, der im Internet nahezu die Monopolstellung bezüglich des Einkaufens hat, versucht die Allagenerin nach Möglichkeit jedoch zu vermeiden. „Als Autorin weiß ich, was die einem abknüpfen“, sagt sie dazu. Das „böse“ Amazon, wie sie es nennt, nehme mehr Prozente als die Buchhändler und auch der Händlerrabatt sei für Amazon viel höher als für andere. „Bei anderen Sachen, die keine Bücher sind, machen die das sicher auch so“, vermutet sie. Monika Loerchner kauft stattdessen lieber bei kleineren Onlinehändlern – Bücher können aber auch direkt beim Verlag bestellt werden, betont sie. Und auch die Warsteiner Buchhandlung Dust habe einen Online-Shop, den man genauso gut nutzen könne. „Die kommen ja auch an die Großhandelsbestände dran“, sagt Loerchner. Generell findet sie das Angebot im Internet jedoch zu groß. „Es ist grauenhaft und erschlägt mich oft“, sagt die Schriftstellerin.

Onlineapotheken unsicher

Das lokale Angebot reicht ihr jedoch auch nicht immer aus: „Ich wünsche mir wieder einen Schlecker in der Nähe, das vermisse ich schon.“ Eine Drogerie, die schnell zu erreichen sei, fehle ihr. Bestimmte Kleidungsläden vermisse sie hingegen keine: „Da bin ich aber auch nicht so anspruchsvoll.“ Eine Pizzeria, auch wenn die mit dem Einzelhandel eher weniger zu tun hat, wünscht sich die Allagenerin auch – und vor allem, dass die Dorfläden wieder zurück kommen: „Ich finde es schade, dass es kaum noch welche gibt, besonders wenn man kein Auto zur Verfügung hat“, betont Loerchner. Außerdem sei der Dorfladen ein wertvoller Treffpunkt für die Dorfbewohner.

Ein Dorn im Auge der Autorin ist hingegen ein ganz spezielles Gewächs des Onlinehandels: die Versandapotheken. „Ich hoffe, dass die wieder zurückgehen.“ Es gebe keine Sicherheit, dass die Medikamente professionell gelagert würden, im Gegensatz zu einer normalen Apotheke. „Außerdem picken sich die Onlineapotheken die Rosinen heraus, denn sie machen ja zum Beispiel keine Notdienste“, sagt Loerchner.

Qualität versendeter Medikamente

Auch auf die Qualität der versendeten Medikamente könne man nicht vertrauen – anders als wenn sie von einem Apotheker über die Theke gereicht werden. Qualität ist auch das Stichwort, wenn es um Lebensmittel geht, denn auch die können im Internet bestellt werden. „Für mich wäre das nichts, denn auch da weiß man nicht, welche Qualität man bekommt.“ Seit einiger Zeit werden online auch Boxen mit den Zutaten und Rezepten für bestimmte, vorher ausgewählte Rezepte angeboten – keine Option für Loerchner: „Ich will meine Nahrungsmittel regional einkaufen.“

zum Zukunftsrauschen...
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