Bildung

Lehrer Tobias Zielke: „Wir müssen miteinander reden“

Zukunftsrauschen: Bildung in Wittgenstein

Tobias Zielke ist Englisch- und Wirtschaftslehrer am Berufskolleg Wittgenstein. Wie sieht moderner Unterricht aus?

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Tobias Zielke ist Englischlehrer am Berufskolleg Wittgenstein.

Tobias Zielke ist Englischlehrer am Berufskolleg Wittgenstein.

Foto: Ramona Richter

Bad Berleburg.  Tobias Zielke ist Englischlehrer am Berufskolleg Wittgenstein. Er findet, dass soziale Medien helfen, sprachliche Barrieren abbauen.

Englisch – die Sprache der Zukunft? Ein Blick auf diverse Internetseiten zeigt: Ohne Englischkenntnisse ist es teilweise heute schon schwierig. Bedienungsanleitungen, Produktbeschreibungen und die Kommunikation zwischen den Nutzern – das meiste, was dort geschrieben steht, ist nicht mehr auf Deutsch.

„Wir werden in Zukunft mehr denn je auf Fremdsprachen angewiesen sein“, sagt Tobias Zielke, Englisch- und Wirtschaftslehrer am Berufskolleg Wittgenstein in Bad Berleburg.

Seit sieben Jahren unterrichtet der 37-Jährige die Sprache, die ihn schon als Jugendlicher begeisterte. „Ich fand Englisch schon immer klasse und hatte Spaß daran. Zudem ist es eine gute Ergänzung zur Wirtschaftswissenschaft“, sagt er. Und in der Wirtschaft ist Englisch wichtiger denn je. Aber auch in der Politik und besonders in der Bildung nimmt die Sprache eine wichtige Stellung ein. „Ich merke das bei meinen Schülern. Wenn sie von Online-Games berichten, wird klar: Sie unterhalten sich oft auf Englisch. Die Sprache öffnet ihnen Türen und die Schranken zwischen den Menschen verschwinden allmählich“, so der 37-Jährige.

Die Kommunikation

Schranken, die das Miteinander zwischen den verschiedenen Kulturen erschweren. Aus diesem Grund werde mittlerweile auch im Unterricht eher auf den kommunikativen Aspekt Wert gelegt. „Lag früher der Schwerpunkt im Englischunterricht doch eher auf formale Sprachrichtigkeit, verschiebt sich dieser aktuell in Richtung eines eher kommunikativen Ansatzes. Wobei ich bei meinen Englischschülern zunehmend feststellen muss, dass zum Beispiel die Beherrschung der Grammatik oder des Satzbaus mitunter deutliche Defizite aufweisen. Das kann aber unterschiedliche Gründe haben.“

Dass gerade die sozialen Medien die Sprache mit vorantreiben, weiß auch Tobias Zielke. „Es gibt immer Vor- und Nachteile, wenn man das Internet als Sprachrohr nutzt. Auf der einen Seite kann man sich dort schnell und einfach austauschen, auf der anderen Seite schreiben die Menschen dort nicht selten übereilt und unreflektiert. Rechtschreibung und Grammatik gehen dann oftmals unter,“ sagt er.

Daher wünscht sich der 37-jährige Englischlehrer vor allem eins: „Dass wir als Gesellschaft das Reden miteinander nicht verlernen. Oftmals reden wir nur noch übereinander, aber nicht miteinander.“ So würde die Sprache als Instrument der Verständigung verkommen. Im schlechtesten Fall – so Tobias Zielke – könnten Menschen dadurch ausgegrenzt werden. „Eine gefährliche Entwicklung wie ich finde.“

Die Globalisierung

Ein Programm, die interkulturelle Kommunikation zu fördern und vor allem weltoffener zu werden, bietet das Berufskolleg Wittgenstein seit einigen Jahre. „Die Schüler können für drei Wochen nach London fliegen. Dort bekommen sie nicht nur ein besseres Sprachgefühl, sondern absolvieren neben einem einwöchigen Intensivsprachkurs ein Praktikum in einem Betrieb vor Ort“, sagt Tobias Zielke und lächelt. Denn Englisch ist nicht nur ein Schulfach, sondern die Sprache, die im Zeitalter der Globalisierung immer wichtiger werde, egal in welchen Lebensbereichen. „Deshalb wünsche ich mir auch, dass wir Englisch in Zukunft nicht als Fremdsprache und somit als ein notwendiges Übel in der schulischen Bildung ansehen, sondern als Zusatzsprache. Und diese als eine individuelle Tür zu einem globalen, multikulturellen und friedlichen Miteinander.“

Wann genau Kinder und Jugendliche beginnen sollten, eine eben solche Zusatzsprache zu lernen, darauf wollte sich Tobias Zielke nicht festlegen. „Das hängt auch immer vom Individuum ab.“ Am besten und einfachsten jedoch sei es sicherlich, wenn Kinder von vornherein zweisprachig aufwachsen würden. „Dabei geht es aber nicht nur um die englische Sprache.“

Zukünftige Einflüsse

Auch andere Sprachen seien auf dem Vormarsch, neben Spanisch allen voran die Chinesische. „Da die asiatischen Märkte eine immer stärker werdende Position im globalen Wirtschaftsgeschehen einnehmen, bleibt abzuwarten, ob nicht irgendwann asiatische Sprachen den Weg ins europäische und damit auch ins deutsche Schulsystem finden“, so Tobias Zielke. Doch vorerst werde die herausgehobene Stellung des Englischen unter den schulischen Fremdsprachen auch weiterhin Bestand haben.

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