Trauer

Zum Tod von Georg Scheuerlein: Das sagen seine Weggefährten

Georg Scheuerlein

Georg Scheuerlein

Foto: Raphael Sprenger

Brilon.   Die Kulturszene Südwestfalens trauert um Georg Scheuerlein. Weggefährten erinnern sich an Engagement, Projekte und an einen besonderen Menschen.

Die Kulturfreunde in Südwestfalen trauern um Georg Scheuerlein. Der Musiker, Dirigent, Pädagoge und Kulturmanager starb am Montagabend überraschend im Alter von nur 60 Jahren. Der gebürtige Pfälzer leitete seit 1993 die Musikschule des Hochsauerlandkreises sowie das Kreiskulturamt. Er ist der Gründer und langjährige Leiter des internationalen Brassfestivals Sauerland Herbst. Sein Engagement galt dem Umbau der Akademie Bad Fredeburg zu einem Musikbildungszentrum für ganz Südwestfalen.

Mit viel Herzblut hat er eine Orchesterpatenschaft zwischen den Hagener Philharmonikern und dem Jugendorchester der Musikschule HSK ins Leben gerufen, ein in dieser Form in Deutschland einmaliges Projekt. Auch die Literaten schätzen sein Engagement. Unter seiner Federführung richtete der HSK zweimal höchst erfolgreich das Autorentreffen Criminale aus.

Scheuerlein ermöglichte Menschen den Zugang zur Musik

Georg Scheuerlein war ein Kulturmanager, der zukunftsweisende Ideen entwickeln und vermitteln konnte. Nachhaltigkeit prägte seine Konzepte sowie der Anspruch, die Begeisterung für Musik in weite Kreise zu tragen. „Die Mitarbeiter der Kreisverwaltung und ich persönlich, wir sind alle sehr traurig. Georg Scheuerlein war ein großartiger Musiker und Gestalter, der es immer verstanden hat, Visionen auch umzusetzen“, würdigt HSK-Landrat Dr. Karl Schneider ihn.

„Georg Scheuerleins Vermächtnis ist ein großes. Zahllose Menschen können ihm unendlich dankbar sein, dass er ihnen mit seiner unermüdlichen Arbeit und seinem unvergleichlichen Engagement den Zugang zur Musik geöffnet und damit einen wichtigen Teil zu ihrer Herzensbildung beigetragen hat. Das kann man gar nicht hoch genug schätzen“, so der Dirigent Prof. Florian Ludwig von der Musikhochschule Detmold, der als Generalmusikdirektor in Hagen zusammen mit Georg Scheuerlein die Patenschaft zwischen dem Hagener Profiorchester und dem jungen Nachwuchs aus dem Sauerland ins Leben gerufen hat.

Als Pfarrerssohn im Pfarrhaus aufgewachsen

Georg Scheuerlein wurde 1958 im pfälzischen Rockenhausen als Pfarrerssohn geboren. Er studierte Schulmusik, Musikwissenschaft und Dirigieren und begann seine Laufbahn als Kirchenmusiker und Lehrbeauftragter an der Fachhochschule für Sozialwesen Ludwigshafen. Anschließend wechselte er in den Schuldienst und war Studienrat in Schifferstadt und an der Deutschen Schule Nairobi.

1993 bewarb er sich um die Stelle der Musikschul- und Kulturamtsleitung im Hochauerlandkreis. Die Verblüffung war groß. Wie kann eine Persönlichkeit mit solcher Qualifikation sich für das Sauerland entscheiden? Georg Scheuerlein wusste genau, was er wollte. Er sah in Südwestfalen nicht nur die Mängel, sondern auch die Chancen. Er konnte über Kirchtürme hinweg blicken. So gelang es ihm, die Idee eines Kulturbegriffs für den ländlichen Raum modellhaft zu formulieren.

Bescheidener Mensch mit ausgeprägtem Pflichtgefühl

Dabei halfen ihm die Tugenden seiner protestantisch geprägten Erziehung. Scheuerlein war ein bescheidener Mensch mit einem ausgeprägten Pflichtgefühl und einem tiefen Sinn für Humor. Er beherrschte die Kunst, einen langen Ball zu spielen. Ohne diese Kombination aus Vision und Hartnäckigkeit wäre zum Beispiel das Musikbildungszentrum nicht entstanden. Heute wird es als Pioniereinrichtung gelobt, ebenso wie das Konzept des Blechbläserfestivals Sauerland Herbst, das nicht nur die Stars der Szene in die Region holt, sondern deren Können für den heimischen Musikernachwuchs nachhaltig nutzbar macht.

Scheuerlein verstand, wie sehr der ländliche Raum auf das Ehrenamt angewiesen ist, und er war immer bestrebt, das Ehrenamt zu stärken und zu qualifizieren. Dazu gehörte die Vernetzung über die Grenzen der Fachbereiche hinweg, etwa, wenn er Psychologen vom Olympiastützpunkt Winterberg zum Lampenfieber-Training mit Musikern einlud.

"Werde den liebenswerten und höchst sympathischen Menschen Georg sehr vermissen“

Georg Scheuerlein hatte mit seiner Familie noch viele Pläne; er hoffte, das Fortschreiten seiner schweren Krankheit durch den Ruhestand hinauszögern zu können. Der Tod kam überraschend. Sein Vermächtnis besteht in zwei Erkenntnissen: Das Sauerland lebt vom Engagement seiner Bürger. Und: Eine nachhaltige, zur Teilhabe motivierende Kulturarbeit schafft positive Rahmenbedingungen für eine innovative Wirtschaft, weil sie die Region für Fachkräfte und Familien attraktiv macht.

„Ich persönlich bin dankbar, mit ihm über viele Jahre so viele verschiedene wundervolle Projekte gestemmt zu haben. Die Zusammenarbeit mit ihm war wundervoll und für beide Orchester, unser Publikum und mich sehr fruchtbar, und ich werde den liebenswerten und höchst sympathischen Menschen Georg Scheuerlein sehr vermissen“, so die Würdigung des früheren Hagener Generalmusikdirektors Prof. Florian Ludwig von der Musikhochschule Detmold.

„Georg Scheuerlein hat gezeigt, was man mit großer Fachkompetenz als Musiker, Kulturmanager und Pädagoge bewirken kann. Für mich war er immer ein engagierter Partner und Freund“, so Orchesterdirektorin Antje Haury von den Hagener Philharmonikern. „Es gelang ihm als künstlerischer Leiter des Sauerland Herbstes die internationale Spitze der Blechbläserwelt an Konzertorte fern der Metropolen zu holen und zugleich mit seiner musikalischen Nachwuchsarbeit die Musikschule des HSK bundesweit herausragend auf- und auszubauen.“

Leiter des Sauerland Herbstes ist schockiert

Prof. Thomas Clamor, der neue Leiter des Sauerland Herbstes, zeigte sich schockiert: „Georg Scheuerlein war eine herausragende Persönlichkeit. Durch sein visionäres Handeln hat er die Kultur im HSK maßgeblich mitgestaltet.“

Klarinettist Alexander Schwalb von den Hagener Philharmonikern gehört zu den Orchestermusikern, die als Paten mit Begeisterung ins Sauerland fahren, um ihr Wissen an den Musiknachwuchs weiterzugeben: „Georg Scheuerlein war ein toller Mensch. Seine Frau kenne ich aus meiner Kindheit in der Pfalz. Dass wir uns dann im Sauerland wiedergefunden haben, war überraschend. Er hatte die Gabe, die Jugend für Musik zu begeistern. Es war ihm eine Herzensangelegenheit, die Orchesterpatenschaft mit Leben zu füllen.“

„Es gibt nur wenige Persönlichkeiten, die sich so einsetzen, um ihren Nachfolgern den Weg zu ebnen. Es war sehr schön, wie er nach seinem letzten Konzert vor einigen Wochen das Orchester um sich hatte und es aufforderte, weiterzumachen, sich nicht in Sicherheit zu bringen, sondern sich immer weiter herauszufordern.“ Das sagt Marcos Kopf, neuer Leiter der Orchester der HSK-Musikschule.

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