Reise

Seychellen – wo das Paradies viele Namen hat

Traumstrand auf Praslin, Seychellen.

Traumstrand auf Praslin, Seychellen.

Foto: Cornelia Färber

Amiti/Victoria.   Über hundert Inseln im Indischen Ozean wetteifern, wer schöner ist. Dabei muss eine Seychellen-Reise kein Luxus mehr sein.

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Wenn das Paradies einen Namen hätte, hieße es Praslin, und es hätte große und kleine Schwestern und Brüder, so wie das ursprüngliche Eiland Curieuse oder die pittoreske Insel La Digue, das quirlige Mahé, es hätte unzählige Cousins und Cousinen, Ave Maria, Saint-Pierre, Félicité, Bird, Eden, Coco oder – Silhouette. „Everything here is friendly“, versichert unser liebenswürdiger Fahrer Dominique, derweil er routiniert über die sehr kurvigen Straßen seiner Heimatinsel Praslin steuert. Alles und jeder hier sei freundlich, niemand will Ärger, die Welt sei schließlich verrückt genug.

Die Welt ist weit weg und Dominique lädt uns, noch benommen von der Nacht im Flieger, aus an einen Strand, dessen Sand so weiß ist, dass es in den Augen weh tut und das Wasser so türkis, dass man weinen möchte, weil es so eine Farbe in Wirklichkeit nicht gibt. Die „Anse Lazio“ wird nicht der einzige Strand dieser Güte sein, der uns auf den Seychellen begegnet, und sie alle konkurrieren miteinander in vollkommener Schönheit.

„Everything here is friendly“, sagt Dominique sanft auf die Frage, ob es im Meer denn nicht wenigstens Haie gibt. Nein, die exotische Tier- und Pflanzenwelt jener Inselgruppe im Indischen Ozean, 1600 Kilometer vor der Küste Kenias gelegen, und um die 8000 Kilometer Luftlinie von Düsseldorf entfernt ist weitestgehend ungiftig, lästig sind nur die Moskitos, gegen die man sich schützen sollte, ach ja, der Millipede, der dicke Tausendfüßler ist etwa so giftig wie eine Biene und in einen Seeigel sollte man besser auch nicht treten.

Schnorcheln in der größten Badewanne der Welt

Aber sonst sind Mensch und Tier bei konstanten 30 Grad und 85 Prozent Luftfeuchtigkeit etwa gleich träge, es gibt keine giftigen Schlangen, keine größeren Räuber im Dschungel, keine Giftquallen, die einem das Schnorchelvergnügen bei 32 Grad in der größten Badewanne der Welt vermiesen könnten.

Nur lila-orange, blassrosa, türkis gestreifte Tropenfische, die an einem zuppeln, es könnte ja vielleicht doch etwas Leckeres dabei sein, elegante Rochen, neugierige Meeresschildkröten. Und wenn es ein Hai sein darf, ist er nicht größer als eine Armspanne und schneller auf der Flucht, als man ihn zu Gesicht bekommt. Angeblich.

115 Inseln, Sand, Korallen, Granitfelsen machen die Seychellen aus, aufgeteilt sind sie in innere und äußere Inseln, ein rasanter Fährverkehr und eine kleine Fliegerflotte verbinden sie miteinander, die Preise für den Transfer sind moderat. Zuviel sollte man sich nicht vornehmen, zwischen manchen Inseln liegen Hunderte Kilometer; aber auch nicht zu wenig. Denn ist man an einem Strand, in einer Bucht, in einem Palmenwald angekommen, möchte man den nächsten sehen. Die Seychellen sind für das „Inselhopping“ wie geschaffen.

„Everything is friendly here“ – und man glaubt es kaum, auch erschwinglich. Die Seychellen galten Jahrzehnte lang als Luxusziel, aber Hoteliers und Reiseveranstalter arbeiten daran, Inselaufenthalte auch für den mittleren Geldbeutel erschwinglich zu machen. Sicher gibt es sie noch, die Luxusressorts auf Privatinseln, North ist eine von ihnen, dort flitterten Prinz William und Herzogin Kate, aber es gibt bezahlbare und komfortable Gästehäuser mit und ohne Familienanschluss, oft am Strand. Das Meer gehört schließlich allen und auch die meisten Strände sind sozialisiert, man darf sie betreten, manchmal allerdings gegen Gebühr.

Nathalie Du Buisson (das heißt „aus dem Busch“) ist so eine Gastgeberin, die 40-jährige Seychellois wurde in Deutschland geboren, ging aber bereits in Praslin zur Schule, wo die schwarzen Kinder vorsichtig prüften, ob die Farbe des weißen Mädchens auch echt sei. Buisson, ihr australischer Mann und ihre Mutter Dagmar (69) betreiben das Gästehaus Villas du Voyager, an einem Traumstand auf riesigem Grundstück gelegen, freundliche Hunde, Katzen, Hühner und eine verrückte Gans namens Heinrich gehören zum Inventar. Ihre zwei Appartements sind fast immer ausgebucht.

Zweimal im Jahr geht’s nach Deutschland – und zurück

Wenn man will, kann man bei Nathalies Palmherzsalat und gebackener Brotfrucht zuhören, wie die agile Mama aus ihrem bewegten Leben erzählt, als sich Nathalies Vater, ein Vertreter für Hotelspülmaschinen, in den Siebzigern in die Seychellen verliebte und seine schwäbische Ehefrau überredete, dorthin zu ziehen.

Die Familie kaufte Land, betrieb eine Farm, verkaufte sie wieder und behielt das Filetstück. Zweimal im Jahr fährt Dagmar heim nach Böblingen, dann locken Schweinebraten, Spätzle und Schwarzbrot. Aber dann muss sie wieder zurück, ins Paradies, wisst ihr, das Wetter...

Nathalies Gäste kommen gerade zurück vom Schnorcheln, dem Volkssport auf den Seychellen. Oftmals werden ganze Ausflugspakete angeboten, die besten Schnorchel-Spots per Boot, Barbecue inklusive. So „hüpft“ man beispielsweise einen Tag lang auf die Insel Curieuse, um die dort ansässigen riesigen und über 100 Jahre alten Landschildkröten zu besuchen. Curieuse ist auch ein Ausflug in eine weniger strahlende Inselvergangenheit, denn dort gab es eine Leprastation. Reiche Plantagenbesitzer entledigten sich ihrer an Lepra erkrankten Sklaven, ein mildtätiger schottischer Arzt nahm sich ihrer an.

Auf Curieuse regnet es diesmal in Strömen, das freut Schildkröten und Vögel, orangefarbene Spatzen picken Brotreste von den Tischen. Wir sitzen in Badezeug vor gegrilltem Fisch und Tomatenpaste, man kommt sich vor wie Robinson Crusoe, der Rauch streift unters Dach und macht mit dem grau-blauen Himmel gemeinsame Sache.

Die Guides, Schiffführer, Grillmeister und Fischfiletierer in einem, stellen Wein auf den Tisch, der schnell die Runde macht, und unterhalten sich laut in dieser kehligen, verwaschenen, irgendwie französischen Sprache, dem Seychellenkreol, die Spötter eine „Wischi-Waschi“-Sprache nennen, weil sie von allem etwas hat.

Auch die 90 000 Seychellois sind irgendwie von allem etwas, ein wahrer Schmelztiegel, die Franzosen mitsamt „ihren“ afrikanischen Sklaven besiedelten die Inseln zuerst, die Briten sorgten später für Linksverkehr und Schuluniformen, es siedelten Europäer, politisch Verbannte, Abenteurer, arabische und persische Händler, Inder, Chinesen auf die Seychellen.

Seit 1976 sind die Inseln unabhängig, und wie überall gibt es auch hier Menschen, die mit der Regierung nicht einverstanden sind. Davis Accouche ist so einer, er ist Musiker, unter anderem auch Fischer, Klempner, Fremdenführer. Er spielt uns seine Songs vor, sanfte Proteste im Reggae-Sound und klagt, dass die Regierung zu wenig mache, Geld für Erziehung und Infrastruktur, Toiletten am Strand oder neue Straßen versickere irgendwo, dabei seien die Seychellen doch reich, der Reichtum käme bloß nicht bei den einfachen Leuten an.

Musiker, und Fischer, Klempner, Fremdenführer

Accouche hat sogar schon für seine Überzeugung im Gefängnis gesessen, sagt er, aber fragt man ihn, ob er woanders leben möchte, schaut er einen an, als sei man nicht ganz bei Trost: „Oh no, never!“ Man könne ihn auch buchen, sagt er so nebenbei, für 100 Dollar zeige er einen Tag lang die schönsten Stellen der Insel, Barbecue inklusive...

Aber was sind die schönsten Stellen, wenn alles schön ist? Simone Schwerdtner (35) empfängt uns am Hafen „ihrer“ Insel La Digue, die weitestgehend autofrei und ganze drei mal fünf Kilometer lang. Simone hat in Münster BWL studiert und ist dann ausgestiegen aus der Mühle Bürojob. Als Reise-Bloggerin betreibt sie recht erfolgreich „das Journal „Wolkenweit“ im Internet und ist eine der wichtigsten Info-Quellen für Seychellenreisende.

Simone zeigt uns einen weiteren Traumstrand, die Anse Source D’Argent, die Bucht der silbernen Quelle, einem der angeblich meistfotografierten Strände der Welt, Drehort für Hollywood-Filme wie „Castaway“, Erotik-Streifen wie „Emanuelle“ oder die berühmte Bacardi-Werbung.

Traumstrand aus der „Bacardi“-Werbung

So lässig-entspannt wie La Digue auf der einen, so temperamentvoll ist Mahé, Hauptinsel der Seychellen, 45 Minuten mit dem Speedboot von Praslin entfernt, mit der quirligen Hauptstadt Victoria, die eigentlich ein Hauptstädtchen mit 26 000 Einwohnern. Victoria ist nach all den Stränden ein Muss, es macht auf groß mit einem Mini-Big-Ben im Zentrum und einem atemberaubenden Hindu-Tempel nahe des exotischen Marktes, an dessen Eingang einem die in der prallen Sonne liegenden Fische den Atem rauben. Gewürze wie Vanille, Zimt, Karadamon, Senf, Ingwer Kurkuma stapeln sich, dazu Mangos und Kokosnuss, Kohl und Avocados, in erschlagender Fülle.

Und wenn man glaubt, man hat nun aber wirklich alles gesehen, gerochen, geschmeckt und probiert und ist fast geradezu besoffen von den vielen Möglichkeiten, die die Farbe Blau von Himmel und Meer hergibt, dann muss man doch noch einmal dorthin, wo zu der ganzen Schönheit auch noch der Luxus dazukommt: nach Silhouette, einer Insel mit nur zwei Hotels, eines davon das Hilton Labriz.

Ab 350 Euro pro Nacht geht’s vom Bett ins Meer

Ab 350 Euro aufwärts pro Nacht spaziert man aus dem King- Size-Bett durch die Tür die Veranda herunter, über den Strand ins Meer und wieder zurück, direkt unter die felsene Regenbogendusche.

„Everything here is friendly“, hier ganz besonders, bei An- und Abfahrt der Schnellbootes stehen Angestellte am Pier und winken dem Gast zu. Die luxuriöse Anlage liegt am Fuß eines bergigen Dschungels, und „es würde mich nicht wundern, wenn hier Dinosaurier auftauchen würden“, lacht Britta Krug aus Wiesbaden, die als Managerin für besondere Aufgaben drei Seychellen-Hiltons betreut, darunter das berühmte Hilton Northolme auf Mahe, wo Ian Flemming seine James-Bond- Romane schrieb.

Innerhalb von 48 Stunden, versichert Krug, schaffe sie es, den Gästen der einzigen Präsidenten-Suite im Labriz (mit Butler, Pool, Teehaus, eigenem Garten, 3500 Euro pro Nacht) nahezu jeden Wunsch zu erfüllen, frische Croissants aus Frankreich beispielsweise zu besorgen.

Und doch – bei allem Luxus – die Schönheit der Inseln ist unteilbar und ein Besuch im wahrlich mystischen Vallee du Mai, UNESCO-Weltnaturerbe, für jedermann erschwinglich.

Hier, und zwar nur hier auf Praslin, wächst die Coco du Mere, eine riesige Palme, deren Samen dereinst aus dem Meer gekommen sein sollen, sagt die Legende. Die weiblichen Samen haben die Form eines Frauenschoßes, von der Form der männlichen ganz zu schweigen.

Die Coco de Mere gilt als Frucht der Versuchung, bei der Einreise auf die Inseln werden die Umrisse der Samen in die Pässe der Touristen aus aller Welt gestempelt.
Als betrete man ab jetzt den Garten Eden.

>>>Info:

Mehrere Fluglinien fliegen die Seychellen an, darunter Condor und Emirates. Eine besonders zeitsparende Verbindung ist mit Turkish Airlines, von einem Heimatflughafen via Istanbul geht es dreimal pro Woche über Nacht nach Victoria/Mahé.

Der deutsche Seychellen-Spezialist Seyvillas hat Inselhopping- und Strandhotel-Urlaube und alles über Mietwagen, Transfers, Ausflüge und Wissenswertes im Programm: www.seyvillas.com

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