Schule

Spurensuche: Sechs Wochen Schulferien an Rhein und Ruhr

Zeugnis in die Mappe und ab in die großen Ferien

Foto: Jakob Studnar

Zeugnis in die Mappe und ab in die großen Ferien Foto: Jakob Studnar

An Rhein und Ruhr.  Am Freitag gibt es Zeugnisse. Die Sommerferien beginnen an 6000 Schulen im Land. Wofür der Begriff „Ferien“ in Nordrhein-Westfalen steht.

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Ferien. Stammt ab vom lateinischen Wort feriae, bedeutet – klar – Festtage und beschreibt den Zeitraum in denen eine Einrichtung vollständig schließt, um ihren Angehörigen andere Tätigkeiten, insbesondere Erholung zu ermöglichen. Das klingt wenig festlich? Kein Problem. Die NRZ hat noch genau hingeschaut, was der Begriff für NRW bedeutet.

Für wen:Rund 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler sowie über 196 000 Lehrkräfte an knapp 6000 Schulen im Land beenden heute mit der Zeugnisausgabe das Schuljahr 2016/17. Nach genau 47 freien Tagen (mit Wochenenden) fängt am Mittwoch, 30. August das neue Schuljahr 2017/18 an.

Am Tag danach beginnt für etwa 151 000 Mädchen und Jungen der Ernst des Lebens. Sie sind dann offiziell I-Dötzchen, ein Wort, das aus der Zeit stammt, als das „i“ als erster Buchstabe gelernt wurde. Warum ältere Pennäler gerne von „Terrorzwergen“ sprechen, ist nicht überliefert.

Erst gibt es Zeugnisseund dann Stau. „Gegen 14 Uhr“, sagt Stephan Lamprecht von der Landesbehörde „Straßen NRW“, „wird’s vermutlich voll, und zwar bis in die Abendstunden hinein.“ Auch der Samstagvormittag gilt als Zeitpunkt, an dem man Schnellstraßen meiden sollte. Übrigens: Den Stau zu umfahren lohnt sich in den allermeisten Fällen nicht.

Ratgeber:Viele Kinder und Jugendliche freuen sich über die Ferien und über die Zeugnisse. Doch nicht alle Kinder haben an diesem Tag Grund zur Freude. Anna Zacharias, Sprecherin des Vereins „Nummer gegen Kummer“ weiß aus dem Vorjahr, dass in rund 1950 Kontakten mit Heranwachsenden und in 300 Gesprächen mit Eltern schlechte Noten und Zeugnisse Thema beim Sorgentelefon waren.

Die Berater geben Tipps, was Kinder tun können, die sich wegen ihres Zeugnisses schlecht fühlen oder Angst haben nach Hause zu gehen. Es gehe immer um die individuelle Situation des Kindes. Häufig kommt es vor, dass die Berater empfehlen, jemanden zu suchen, der das Kind nach Hause begleitet. Die Oma als Vermittler beispielsweise (die weiß auch, welche Noten die Mama oder Papa früher hatten). Eltern können ebenfalls die Nummer gegen Kummer wählen und sich Ratschläge geben lassen.

Prinzipiell rät Zacharias, zunächst mit dem Kind zu reden. „Wenn ich als Mutter oder Vater aber spüre, dass ich Wut und Ärger angestaut haben, ist es besser erst einmal raus zu gehen, anstatt drauf los zu schimpfen.“ Gemeinsam müsse ein Plan entworfen werden.

Immer in Kontakt zu bleiben, sei besser als „sechs Wochen Nachhilfe.“ Schließlich sind die Ferien auch zur Erholung da, denn: „Schule ist anstrengend.“

Im Amt ist Yvonne Gebauererst ein paar Tage. Die neue Schulministerin von NRW bedankt sich trotzdem bei den Lehrern im Land für ihre Arbeit. Den Schülern gibt sie mit auf den Weg: „Auch wenn die Noten einmal nicht wie erhofft ausfallen, gibt es keinen Grund zu resignieren.Zeugnisse sollten als Ansporn für das weitere Lernen verstanden werden.“

Eltern rät sie, ihre Kinder zu loben. „Das steigert die Lust auf das Lernen und auf gute Leistungen im neuen Schuljahr.“

Einige Schüler bekommeneine letzte Chance auf die Versetzung in den letzten zwei Ferientagen: die Nachprüfung. Nachhilfe kann ein Weg aus der Notenhölle sein: Der Erfolg ist messbar. Statistisch verbessert sich das Kind um eine Note, wenn ein Student oder Schüler Nachhilfe gibt. Bei Fachkräften kann’s noch ein bisschen mehr sein.

Leider ist Nachhilfe auch Luxus: Kinder aus weniger wohlhabenden Familien bekommen nur halb so oft Nachhilfe wie Kinder betuchter Eltern. Institute werben kräftig im Internet, für die Ferien gibt’s Sonderangebote. Einer der Väter der Nachhilfe war übrigens ein Prominenter: In einer Kleinanzeige 1902 in Bern hieß es: „Privatstunden in Mathematik und Physik für Schüler erteilt gründlichst: Albert Einstein. Probestunden gratis.“ Leider schon etwas her.

Natürlich haben Kinderviele Ideen, was sie mit ihrer freien Zeit anfangen möchten. In den nächsten sechs Wochen gibt’s auf der Kinderseite „Knuts Klartext für Kinder“ Inspirationen.

>> INFO: NICHT NUR BEI SCHULSORGEN - DAS SORGENTELEFON

Nummer gegen Kummere. V. ist die Dachorganisation des größten, kostenfreien, telefonischen Beratungsangebotes für Kinder, Jugendliche und Eltern in Deutschland. Der gemeinnützige Verein wurde 1980 gegründet und hat seinen Sitz in Wuppertal.

116 111 ist die Nummer, die aus dem Fest- und Handynetz kostenlos montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr kostenlos erreichbar ist.

Kinder und Jugendliche können sich mit allen Sorgen dort melden. Auch eine Online-Beratung ist möglich.

Der Verein beschäftigt 15 Personen und rund 3500 Ehrenamtliche. Finanziert wird die Arbeit durch das Bundesfamilienministerium und durch Spenden.

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