Stasi-Opfer fordern Hilfe vom Land

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Ratingen/Hamm. Sie kamen zu Tausenden nach Westdeutschland, um in Freiheit zu leben. Doch einige der Opfer der DDR-Staatssicherheit fühlen sich nach über 20 Jahren von der Demokratie im Stich gelassen. „Wir hatten gehofft, dass man sich für uns einsetzt, uns gleichstellt mit den Menschen im Westen. Doch wir sind enttäuscht worden“, sagt Engelbert Sobania. Der 71-Jährige lebt jetzt in Ratingen. Er fordert mit seinem Hammer Leidensgenossen Josef Enzmann (65), der von 1968 bis 1972 in Stasi-Gefängnissen in Haft saß, dass die NRW-Regierung wenigstens eine Beratungsstelle für Stasi-Opfer einrichtet. In Niedersachsen gibt es ein solches Angebot.

Dokumente fehlen

Wie viele Stasi-Opfer in NRW leben ist unklar. Engelbert Sobania erzählt, dass er seit Jahren um seine Verdienste als Selbstständiger in der DDR mit dem Sozialgericht streitet. Zudem habe er sein Haus und sein Speditionsgewerbe der Staatssicherheit überschreiben müssen, um noch 1989 kurz vor der Wende ausreisen zu können. Doch Dokumente, die einen Zwang beweisen würden, gebe es nicht. Gleiches gilt für Unterlagen, die aufzeigen, welche Form von Folter und Misshandlung Josef Enzmann in Stasi-Gefängnissen erleiden musste. „Ein Richter fragte mich nach den Beweisen. Als ob die damals aufgeschrieben hätten, wie sie einen zusammengeschlagen haben“, ärgert sich Enzmann.

Diese Papiere zu beschaffen – wenn sie existieren –, wäre selbst für eine Landesstelle schwierig, sagt Thomas Großbölting von der Uni Münster. Der Historiker war mehrere Jahre bei der Stasi-Unterlagenbehörde beschäftigt. Jede Beratung sei daran geknüpft, auch Zugang zu den Akten zu bekommen. Das, was vorhanden sei, stehe in Berlin und Ostdeutschland. „Es ist sinnvoll, dort die Beratungsstellen zu haben, wo es die meisten Opfer gibt. Das sind Berlin und die neuen Länder“, sagte Großbölting.

Verweis auf Landschaftsverbände

So sieht es auch die NRW-Regierung. Es gebe einen zu geringen Bedarf. Auch eine gemeinsame Stelle zur Begutachtung von Opfern der SED-Diktatur hält sie deshalb für nicht erforderlich. Die Betroffenen könnten sich an die Landschaftsverbände wenden. „Die in den Verfahren eingesetzten Versorgungsmediziner verfügen über fundierte sozialmedizinische Kenntnisse und große Erfahrung bei der Begutachtung, auch von Stasi-Opfern“, sagte eine Sprecherin des zuständigen NRW-Arbeitsministeriums.

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