Bei uns daheim

Hitze macht die Menschen müde und aggressiv

Die Sommerhitze erträgt nicht jeder.

Die Sommerhitze erträgt nicht jeder.

Foto: Getty Images

Hagen.  Der Sommer macht müde. Deswegen wird unser Autor immer wortkarger. Aber warum reden die Menschen in den Mittelmeerländern dann so laut und viel?

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Manche Menschen macht der hitzebedingte Schlafmangel aggressiv, andere taumeln schlapp und schläfrig durch den Tag. Und wenn letztere dabei am Steuer eines Autos sitzen und dieses Auto vor dem eines ohnehin gereizten Zeitgenossen dahinschleicht oder an der Ampel nicht losfahren mag, dann entwickeln sich Hupkonzerte, die wiederum mich, der ich den Sommer und die damit verbundene Langsamkeit genieße, aggressiv werden lassen könnte, wäre ich nicht zu müde dafür.

Fast so sehr wie den Sommer liebe ich allerdings die deutsche Sprache, die Kombinationen wie „werden lassen könnte“ möglich macht. Möglicherweise ist aber dieser kompliziert verschachtelte Satzbau in Kombination mit den selten logisch erklärbaren männlichen, weiblichen und sächlichen drei Artikeln eine vor Jahrhunderten ausgetüftelte Gemeinheit, die Sprachfremde vom Deutschtum fernhalten soll. Hinterlistigste Diskriminierung wäre das also.

Einfache Sprache. Wenn überhaupt.

Eigentlich glaube ich das nicht. Sprachen entwickeln sich ja eher planlos. Und korrektes Deutsch ist unter einheimischen Rassisten eher weniger verbreitet. In der Kommunikation mit Ihnen empfiehlt sich einfache Sprache. Einfachste. Wenn überhaupt. Ich werde sowieso immer wortkarger. Hitze macht maulfaul. Mich jedenfalls. Andererseits reden die Menschen in den Mittelmeerländern viel mehr und viel schneller als wir. Und warum sprechen die Skandinavier im Durchschnitt so wenig? Macht also in Wirklichkeit Kälte schweigsam, und ich bin wieder einmal die Ausnahme? Auch meine Nachbarn scheinen deutlich redseliger geworden zu sein. Sonst höre ich sie nie, jetzt dauernd. Kann natürlich daran liegen, dass derzeit überall die Fenster offenstehen und sich das Leben speziell am Abend mehr im Freien abspielt.

Das Problem der offenen Fenster

Das ist ja nur zu begrüßen. Andererseits werde ich Zeuge von Streitigkeiten, die wohl besser hinter verschlossenen Fenstern und Türen blieben. Wie kann man nur so keifen! So laut! Und so lange! Mit solch hässlichen Stimmen! Und solch hanebüchenen Argumenten! In einer dermaßen verluderten Grammatik! Vielleicht machen es die Italiener und Spanier und Franzosen ebenso. Aber da verstehe ich das eben nicht so genau. Da kommt mir also meine mangelnde Bildung zugute. Deshalb sollte ich mich nicht über andere erheben. Da müsste ich aufstehen. Und dafür ist mir zu warm.

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