Landwirtschaft

Tierärzte diskutieren bei Tagung über Antibiotika im Stall

Schweine im Stall: Krankheiten können sich hier leicht übertragen.

Foto: Jens Büttner/dpa

Schweine im Stall: Krankheiten können sich hier leicht übertragen. Foto: Jens Büttner/dpa

Dortmund.   Antibiotika-Gaben an Nutztiere wie Schweine oder Puten werden kritisch gesehen. 700 Veterinäre diskutieren darüber beim Tierärztetag in Dortmund.

Antibiotika-Gaben in Ställen zu reduzieren, das bleibt weiter das Ziel – stößt aber nach Auffassung von Tierarzt-Funktionären an Grenzen. „Wir müssen bei einer weiteren Reduzierung behutsam vorgehen“, erklärte Dr. Harri Schmidt, Präsident der Tierärztekammer Westfalen-Lippe, beim Tierärztetag NRW in Dortmund.

Antibiotika-Gaben an Nutztiere wie Schweine oder Puten werden kritisch gesehen, weil sich Resistenzen bilden können – mit Folgen auch für Menschen. Viele Mittel wirken dann nicht mehr bei Erkrankungen und gegen multiresistente Keime im Krankenhaus. Bundesweit wurden in der Tiermedizin im vergangenen Jahr 742 Tonnen Antibiotika abgegeben – 56,5% weniger als noch 2011.

Eine weitere pauschale Reduzierung ist nach Ansicht von Kammerpräsident Schmidt nicht möglich. Seine Amtskollegin für den Bezirk Nordrhein, Dr. Josefine Starke, berichtete von Kollegen, die zuletzt häufiger Krankheitsbefunde bei Schlachtvieh festgestellt hätten (ohne das kritisches Fleisch in den Verkehr gekommen wäre). Empirisch belegt ist die Zunahme nicht.

Ein Gebot des Tierschutzes

Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im NRW-Umweltministerium, zeigte Verständnis für die Haltung der Veterinäre. Mann wolle keine Reduzierung nur um der Reduzierung willen: „Erkrankte Tiere müssen behandelt werden, das ist auch ein Gebot des Tierschutzes.“

Gut 7000 Tierärzte gibt es in Nordrhein-Westfalen, etwa 700 von ihnen sind noch bis morgen beim Ärztetag in den Westfalenhallen versammelt. Zahlreiche Themen stehen auf der Agenda, so z. B. auch alternative Wege bei der Enthornung von Rindern oder der Kastration von Schweinen. Unzufriedenheit gibt es mit der Erhöhung der Tierarztgebühren um im Schnitt 12%. Nach fast zehn Jahren Pause gleiche sie nicht die Kostensteigerungen aus, hieß es. Wenn es um Nutztierpraxen geht, tun sich die Veterinäre teilweise schwer, Nachwuchs zu finden. Schwierigkeiten gibt es z. B. im Bergischen Land. Notdienste und Wochenendschichten schreckten ab. „Wir müssen neue Arbeitszeitmodelle diskutieren“, sagte Nordrhein-Präsidentin Josefine Starke.

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