Tiere

Viel Wolf im Hund – gefährliche Mischlinge sehr gefragt

Jos den Bruin betreibt eine private Auffang-Station in Sonsbeck für Wolfhunde und Wölfe.

Foto: Fabian Strauch

Jos den Bruin betreibt eine private Auffang-Station in Sonsbeck für Wolfhunde und Wölfe. Foto: Fabian Strauch

An Rhein und Ruhr.   Die Nachfrage nach wilden Mischlingen steigt – obwohl viele Halter mit ihnen überfordert sind. In Sonsbeck kümmert sich ein Niederländer um sie.

Wenn Jos de Bruin heult, heult Shy hinterher. Der Niederländer steht mit der Hündin vor seinem Haus, einem alten Bauernhof. Das laute Heulen von Shy verschluckt der Wind. Es hätte aber sowieso niemand hören können. Die Feldstraße in der Nähe von Sonsbeck ist an diesem verregneten Vormittag menschenleer.

Shy ist keine gewöhnliche Hündin. „Sie ist ein amerikanischer Wolfhund“, sagt Jos de Bruin. „In ihr stecken ungefähr 50 % Wolf.“ Der Niederländer betreibt auf seinem Hof eine Auffangstation für solche Hybriden – und für echte Wölfe. Shy kam vor fünf Jahren nach Sonsbeck. Ihre Eltern, ebenfalls Mischlinge, stammen aus den USA – halb Wolf, halb Schlittenhund der Vater, halb Schäferhund die Mutter. Die ersten Jahre ihres Lebens verbrachte sie bei einer Familie in Dresden, bis die irgendwann nicht mehr mit dem Tier klarkam. Jos de Bruin nahm Shy auf.

„Ein Hund macht, was der Mensch möchte. Wölfe sind Wildtiere, sie hören auf ihre Instinkte“. sagt der Niederländer. Ein Wolfmischling kann laut de Bruin nicht einfach im Reihenhaus gehalten werden, schon gar nicht mit anderen Hunden zusammen – und in die Nähe von kleinen Kindern gehört er auch nicht. „Er würde dann seine Jagdinstinkte ausleben.“

Shy ist kein Einzelfall. Immer wieder bekommt de Bruin Anfragen zur Haltung von Wolf-Hybriden, Platz für mehr Tiere hat er zurzeit nicht. Schon länger gibt es hierzulande offenbar eine kleine, aber wachsende Szene, die diese nicht als Hunderassen anerkannten (siehe Infobox) Mischungen aus Wolf und Hund hält. „Die Dunkelziffer ist hoch, es gibt rund 1000 solcher Tiere in Deutschland“, sagt Michael Eichhorn, der in Rheinland-Pfalz eine Hundeschule betreibt und gefragter Ansprechpartner für dieses Thema ist.

Welpen mit hohem Wolfsanteil bringen Züchtern gutes Geld

Zahlen für NRW existieren nicht, sagt das Landesumweltamt. Auch dem Kreis Kleve sind keine Fälle bekannt, im Kreis Wesel wird nach NRZ-Informationen derzeit einem Verdacht nachgegangen, dass jemand mit seinem Wolf-Hybriden gegen Artenschutzbestimmungen verstoßen hat.

Allerdings: Die meisten Halter müssen den Behörden gar nicht Bescheid geben. Eine Genehmigung braucht nur, wer einen Mischling besitzt, der bis zur vierten Generation vom Wolf abstammt. Bis dahin muss er wie ein reiner Wolf gehalten werden, etwa in einem großen Gehege. Für alle Hybriden ab der fünften Generation gibt es einen Freifahrtschein, denn zu den meldungspflichtigen gefährlichen Hunderassen gehören sie nicht. „Es gibt aber Hunde in der achten Generation, in denen 95 % Wolf stecken“, sagt Michael Eichhorn.

Der Hundetrainer rät generell von der Haltung ab, genauso sehen es die Veterinärämter in Wesel und Kleve und das Landesumweltamt. „Fast alle Halter sind überfordert“, sagt Eichhorn. Die Tiere würden ständig unter Stress stehen, weil sie ihren natürlichen Fluchtinstinkt nicht ausleben können. Außerdem könnten die Hunde nicht alleine gelassen werden und würden sich ihrem Halter gegenüber extrem dominant und im Umgang mit gleichgeschlechtlichen Tieren aggressiv verhalten. Auch Jos de Bruin sagt: „Manche Leute glauben, dass es reicht, nett zu den Hybriden zu sein, damit sie gehorchen.“ Wer einen Wolf-Mischling halten möchte, muss ausgesprochen viel über das Verhalten von Hunden wissen. Jos de Bruin beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den Tieren, Shy hat viel Platz im Garten, lebt aber auch bei ihm im Haus.

Szene ist im Internet gut vernetzt

Laut Michael Eichhorn sind die Halter von Wolf-Mischlingen im Internet gut miteinander vernetzt. Im Netzwerk Facebook findet man mehrere geschlossene Gruppen, in denen es um die Tiere geht. „Das sind meist Leute, die besonders individuell sein möchten“, meint Eichhorn. Es gehe ihnen gar nicht um die Hunde, sondern ums Statussymbol. „Die Tiere müssen für das Ego der Menschen herhalten.“

Früher kamen die Mischlings-Welpen vor allem aus den USA und Kanada, mittlerweile gibt es in Deutschland Züchter. Gekreuzt werden in Deutschland aber keine Wölfe und Hunde, sondern nur Mischlinge untereinander. Laut Eichhorn ist eine Züchterin auch am Niederrhein aktiv. Das Geschäft mit den wilden Hunden ist ein lohnendes – ein Welpe mit hohem Wolfsanteil kostet mehrere tausend Euro.

>>> ACHTUNG, VERWECHSLUNGSGEFAHR

Bei Hybriden wie Shy lässt sich die Herkunft oft nur ungenau bestimmen. Jedenfalls sind solche „wilden“ Kreuzungen aus Hund und Wolf keine anerkannten Hunderassen.

Es gibt auch mehrere anerkannte Hunderassen, die den Wolf im Namen tragen. Beim Tschechoslowakischen Wolfhund und beim Saarloos-Wolfhund liegen die Einkreuzungen schon Jahrzehnte zurück.

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