NRZ-Telefonaktion

Vier Mediziner beantworten Fragen zum Thema Rheuma

Ein Blick auf das operierte Knie, aber diesmal nur am Bildschirm (v.l.):  Dr. Stefan Ewerbeck, Dorothea Reiners und Dr. Tim Claßen im Rheinischen Rheumazentrum in Meerbusch. Foto:Fabian Strauch

Ein Blick auf das operierte Knie, aber diesmal nur am Bildschirm (v.l.): Dr. Stefan Ewerbeck, Dorothea Reiners und Dr. Tim Claßen im Rheinischen Rheumazentrum in Meerbusch. Foto:Fabian Strauch

An Rhein und Ruhr.   Am Donnerstag, 5. Oktober, stehen Ärzte vom Rheinischen Rheumazentrum am Telefon Rede und Antwort. Dorothea Reiners ist eine ihrer Patientinnen.

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Die Schmerzen, die Dorothea Reiners spürte, waren unangenehm, manchmal sogar richtig schlimm. Sie traten mal an die Beinen, mal am Oberkörper auf und waren überhaupt nicht einzuordnen. Dann gingen sie weg - und waren plötzlich wieder da. Als heftige Stiche, in Muskeln oder Gelenken, kaum zu orten. 1997 erhielt die Grundschullehrerin dann die Diagnose: Fibromyalgie, eine Art von Weichteilrheumatismus, bei dem der Körper ein gestörtes Schmerzempfinden hat, jeder Schmerz wird als Akutschmerz empfunden.

Fibromyalgie ist chronisch, nicht heilbar - aber behandelbar. „Wenn auch nicht unbedingt mit Medikamenten“, sagt Dr. Stefan Ewerbeck, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Rheumatologie am St. Elisabeth-Hospital in Meerbusch, der Dorothea Reiners seit 20 Jahren behandelt.

Eine schwere Form der Polyarthrose

Es ist eine Krankheit, bei der sich Physis und Psyche verketten. „Menschen, die an Fibromyalgie erkranken, haben oft einen hohen Selbstanspruch und setzen sich selbst stark unter Druck“ so Ewerbeck. Die Therapie, in diesem Fall: „Aktiv physikalisch“, so der Mediziner. Heißt: Krankengymnastik, progressive Muskelentspannung nach Jacobson, aber auch Psychotherapie und vor allem: bewegen, bewegen, bewegen. Hat die sportliche Pädagogin aus Krefeld gemacht. Mit der Fibromyalgie kann sie leben.

Wenn da nicht noch eine andere Erkrankung wäre, an der sie leidet, die Polyarthrose. Kennt man umgangssprachlich als Gelenkverschleiß. Bei Dorothea Reiners allerdings in erheblichem Ausmaß. Vor allem das rechte Knie machte über die Jahre mehr und mehr Probleme. Spritzen mit Cortison oder Hyaluron halfen, wenn überhaupt, nur kurzfristig. Ohne Schmerzmittel kam sie nicht mehr aus. Nur: Eine Knieoperation konnte sie sich zeitlich nicht leisten, weil sie über Jahre ihren schwerkranken Mann umsorgt hat, da war es nicht möglich, wochenlang auszufallen. Ihr Mann, den sie über 50 Jahre kannte, mit dem sie viele schöne Reisen unternommen hatte, starb 2016. Eine schwere Zeit für die 68-Jährige.

Die Knie-OP lange aufgeschoben

Doch irgendwann war klar: Das Knie muss operiert werden. „Auf die OP habe ich mich gefreut, weil ich wusste: Danach geht’s dir besser.“ Jetzt hat sie ein künstliches Gelenk, die Kniescheibe blieb erhalten. Dorothea Reiners zeigt ihrem Operateur Dr. Tim Claßen mit Stolz die Beweglichkeit ihres Knies und erzählt begeistert, wohin sie damit schon überall gelaufen ist. „Ganz toll, alles tiptop.“

Claßen, seit Sommer Chefarzt der Klinik für Orthopädische Chirurgie, versucht seine Patientin ein bisschen zur Schonung zu überreden. „Die OP ist ja erst zwei Monate her, das ist noch nicht so lang.“ Aber Frau Reiners ist euphorisch. Direkt nach dem Eingriff, bei dem sie per Spinalanästhesie betäubt wurde, habe sie sich mit einem anderen Patienten unterhalten können. „Wir haben über typisches, leckeres Essen in Frankreich und Italien geplaudert. Das war sehr nett.“

Nur die anschließende Reha sei hart gewesen. „Aber ich war auch ehrgeizig.“ Bald will sie wieder walken gehen. Dr. Claßen nickt zustimmend. „Walken, schwimmen, Rad fahren, das ist alles möglich.“

Und sie freut sich, dass sie nun wieder fit und beweglich ist. Schon allein wegen ihrer vier Enkelkinder...

>>INFO: ES GIBT 200 FORMEN VON RHEUMA

Zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an entzündlichem Rheumatismus, von dem es etwa 200 verschiedene Formen mit unterschiedlichen Symptomen und Verläufen gibt.

Entsprechend schwierig ist die Diagnose. Im Schnitt vergehen zwischen ersten Anzeichen und einer Behandlung 15 Monate. Manchmal sind es sogar Jahre.

Dabei ist die rasche Therapie-Einleitung sehr wichtig. „Gerade zu Beginn der Krankheit ist die Zerstörung der Gelenke am stärksten, darum ist ein früher Therapiebeginn sehr hilfreich“, betont Dr. Stefan Ewerbeck, Chefarzt der Klinik für Rheumatologie und Ärztlicher Direktor des St. Elisabeth-Hospitals in Meerbusch.

Er gehört zu vier Experten, die am Donnerstag, 5. Oktober, von 16 bis 18 Uhr die Fragen unserer Leser zu medikamentösen und chirurgischen Behandlungs-Möglichkeiten am Gesundheitstelefon beantworten.

Die Ärzte freuen sich auf Ihren Anruf! Der Anruf ist kostenlos.

Sie sind unter folgenden Telefonnummern zu erreichen:

Dr. Stefan Ewerbeck, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin/Rheumatologie: 0800-100 2985

Priv-Doz. Dr. Tim Claßen, Chefarzt der Klinik für Orthopädie / Orthopädische Rheumatologie: 0800-100 2986

Dr. Stefanie Freudenberg,Chefärztin der Klinik für Innere Medizin / Rheumatologie: 0800-100 2987

Dr. Robert Van Ende, Leitender Arzt Zentrum Fußchirurgie, Klinik für Orthopädie / Orthopädische Rheumatologie: 0800-100 2988

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