Klimawandel

Weltklimakonferenz in Bonn - 25.000 Menschen erwartet

Teilnehmer an der Weltklimakonferenz in Bonn stehen vor Transparenten mit Slogans zum Klimawandel – zum Beispiel unten rechts: „Ich möchte, dass meine Enkel wissen, dass ich nicht geschwiegen habe“.

Foto: Oliver Berg

Teilnehmer an der Weltklimakonferenz in Bonn stehen vor Transparenten mit Slogans zum Klimawandel – zum Beispiel unten rechts: „Ich möchte, dass meine Enkel wissen, dass ich nicht geschwiegen habe“. Foto: Oliver Berg

Bonn.   In Bonn kommen 25 000 Teilnehmer aus aller Welt zusammen, um über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu beraten. Ein Stimmungsbild.

Die Zugtür der Regionalbahn aus Köln öffnet ihre Türen. Hunderte Menschen schieben sich raus aus dem Zug in das nasskalte Wetter. Vor ihnen türmt sich ein Stapel weiß-roter Warnbaken, über den Köpfen wird geschweißt und gehämmert — es fliegen Funken. So wird empfangen, wer derzeit als Besucher am Bonner Hauptbahnhof ankommt. Rund 25 000 werden in dieser Woche erwartet.

Es ist Tag drei der Weltklimakonferenz, bei der sich die Unterzeichnerstaaten der UN-Rahmenkonvention zum Klimawandel (UNFCCC) in der ehemaligen Bundeshauptstadt treffen. Und der beginnt mit ziemlich großer Verwirrung.

„Wie komme ich zum Klimagipfel?“, fragen Dutzende Menschen. Denn Hinweisschilder sucht man am Gleis vergebens. Helfen kann Mohammad Hafijul Islam Khan, Teil der Delegation aus Bangladesch. Zielsicher steuert der kleine Mann mit dem perfekt sitzenden Anzug auf eine Rolltreppe zu, raus aus dem Bahnhof und dann nach rechts zur Busstation der Linie 610. Ziel: UN-Campus. Zeit also, endlich über den Gipfel zu sprechen. Und den Gastgeber zu loben.

Nur Zentimeter über dem Wasser

„Dass Fidschi in diesem Jahr als Gastgeber fungiert, ist ein wichtiges Zeichen. Dort spürt man den Klimawandel schon jetzt mit aller Härte. Ganze Dörfer müssen wegen des Meeresspiegelanstiegs umgesiedelt werden“, sagt Khan. Ein Problem, das er nur zu gut aus seiner Heimat kennt. Millionen Menschen sind durch den Anstieg der Meeresspiegel bedroht. Bangladeschs bettelarme Bevölkerung ist akut bedroht, viele Hütten liegen nur wenige Zentimeter über der Flutkante.

Deshalb, so Khan, sei es so wichtig, in diesem Jahr einen besonderen Fokus auf den Umgang mit Klimaschäden zu legen. Zufrieden sei er mit der Dynamik der ersten Tage. Einen Wermutstropfen gäbe es trotzdem.

Denn die Delegation der USA präsentiert sich, wenig verwunderlich, sehr zurückhaltend. „Das sorgt bisweilen für eine gedämpfte Stimmung“, gibt Khan zu. Und bestätigt damit, was seit dem ersten Tag der Konferenz klar ist: Es wird eine heikle Konferenz. Denn es geht ums Kleingedruckte; nicht um das Ob, sondern ums Wie.

Als nämlich die Staaten vor zwei Jahren das Pariser Klimaabkommen feierten, da hatten sie vor allem ferne Ziele definiert. Höchstens zwei, besser aber 1,5 Grad Erderwärmung; eine Vollbremsung der klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts - und das unter Beteiligung aller Staaten.Wie einzelne Länder das bewerkstelligen, sollten sie selbst regelmäßig in Plänen darlegen. Der Rest blieb erst mal offen. Und genau in diesem Punkt kommen die Kritiker der Konferenz ins Spiel.

Kritik der Konferenz-Gegner

Eine von ihnen ist Maria. Die junge Frau hat am vergangenen Wochenende an den Braunkohle-Protesten teilgenommen, heute ist sie auf dem 55 000 Quadratmeter großen Konferenzgelände unterwegs, um aufzuklären und zu diskutieren. „Es ist schon gut, dass hier in Bonn das Klima verhandelt wird, aber es muss schneller gehen. Außerdem setzen die Maßnahmen der Staaten an den falschen Stellen an.“

Es herrsche immer noch ein System, das von der Idee des Wachstums getrieben sei. Und dafür brauche man mehr Rohstoffe. „Die Wenigsten verstehen aber, dass auch die Rohstoffe endlich sind und ein unendliches Wachstum nicht möglich ist.“

Christoph Bals, der die Verhandlungen für die Entwicklungsorganisation „Germanwatch“ verfolgt, kann die Vorbehalte verstehen, versprüht aber gleichzeitig auch eine Menge Optimismus. „In den vergangenen Jahren wurden erste Schritte gegangen. Die Nutzung von Kohle ist zurückgegangen, die Investitionen in erneuerbare Energien sind gestiegen.“

Natürlich reiche das noch lange nicht aus, sagt der Klimaexperte. 2018 soll in Polen das Pariser-Regelwerk beschlossen werden. Das, so Bals, setze aber voraus, dass die unterschiedlichen Akteure in den Verhandlungen zusammenarbeiten. „Nach dem dynamischen Anfang der Konferenz wird sich jetzt zeigen, ob der Knoten endlich platzt.“

Auch interessant
Leserkommentare (5) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik