Klimawandel

Wetterextreme stellen Landwirte vor viele Herausforderungen

Mais, plattgewalzt durch einen Sturm im Kreis Kleve am Niederrhein.

Foto: Landwirtschaftskammer

Mais, plattgewalzt durch einen Sturm im Kreis Kleve am Niederrhein.

Im Rheinland.   Aber – der Klimawandel hat viele Gesichter. Mehr Sonne und Wärme, aber auch Stürme und Unwetter machten den rheinischen Bauern zu schaffen.

Klimawandel an sich kann für Bauern Vorzüge haben. Die Vegetationsperiode beginnt 14 Tage früher; durch mehr Sonne und Wärme gibt es bei Rüben etwa mehr Ertrag. Der Haken an der Sache: Zur Klimaveränderung gehört auch die wachsende Zahl von Wetterextremen, die die Landwirte – durchaus auch im Wortsinn – eiskalt erwischen können. „Der Klimawandel hat viele Gesichter“, sagt der rheinische Bauernpräsident Bernhard Conzen. Die letzten beiden Jahre haben viele der mehr als 15 000 Bauern im Rheinland auf eine harte Probe gestellt.

Beispiele:

STÜRME: Im Herbst 2017 walzten Stürme hektarweise Maisfelder platt. Gerade auch der Niederrhein war betroffen. In Tag- und Nachtarbeit versuchten Landwirte, mit Lohnunternehmern wenigstens einen Teil der Ernte zu retten.

REGENMASSEN: Nach unwetterartigen Regenfällen war 2016 am Niederrhein an vielen Stellen Land unter. Das viele Wasser floss tagelang nicht ab, Ackerflächen sahen aus wie Reisfelder. Allein im Kreis Wesel entstanden auf etwa 4000 Hektar Schäden von geschätzten vier Millionen Euro.

SPÄTE FRÖSTE: Bis auf minus sieben Grad Celsius sackte das Thermometer in den kalten Aprilnächten 2017 ab. Ungezählte Obstblüten verfroren. Ohne Blüte keine Obsternte – die Bauern beklagten Ausfälle von rund 55%.

TROCKENHEIT: Was es 2016 zuviel gab (Niederschläge), gab es im Frühsommer 2017 zu wenig. Von April bis Juni setzte anhaltende Trockenheit dem Getreide zu.

Bei einem Ortstermin auf Gut Hemmerich, einem sehr auf Umweltbelange bedachten Hof in Frechen bei Köln, begrüßte Conzen gestern die Hilfssignale seitens des Landes – etwa an die Adresse der Obstbauern. Da geht es um die Unterstützung bei den Ernteausfällen 2017; es laufen aber auch Gespräche über ein Förderprogramm für die Finanzierung sogenannter Frotschutzberegnungsanlagen.

Robuste Sorten, Hagelnetze und Überdachungen

Conzen und Georg Boekels, dem Vizepräsidenten des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauer, war es zugleich auch wichtig zu zeigen, was hiesige Landwirte tun, um sich für den Klimawandel zu wappnen und das Klima selbst zu schonen.

Beim Anbau z.B. gibt es andere, robustere Sorten, die besser zum geänderten Wetter passen. Das gilt fürs Getreide – aber eben auch fürs Obst, wo es im Rheinland mittlerweile sogar erste Anbauversuche mit „Granny Smith“-Äpfeln gibt. Die Obstbauern versuchen zudem zunehmend, ihre Kulturen durch Hagelnetze oder Überdachungen zu schützen.

Solarenergie kühlt die Kühlhäuser

Das sieht in der Landschaft nicht immer schön aus, ist aber laut Boekels oft der einzige Weg, um überhaupt Beeren anbauen zu können: „Hagel-Ereignisse gehören mittlerweile dazu.“ Ein weiterer Aspekt: Schonende Bodenbearbeitung, etwa beim Mais, hält die Erosion in Grenzen und hilft, dass das Niederschlagswasser versickern kann.

Als Beiträge zum Klimaschutz sehen die Bauern z.B. die bessere Technik bei der Gülleausbringung (reduziert Stickoxidbildung), mit Solarenergie betriebene Kühlhäuser und die Wiederentdeckung heimischer Eiweißträger wie der Ackerbohne (siehe Box). Anders als bei Soja aus Übersee sind hier keine weiten Wege im Flugzeug oder Schiff zurücklegen muss – gut für die CO2- Bilanz.

>>>>Wiederentdeckt: Die Ackerbohne

Konkurrenz für Sojabohne & Co. – und diese Konkurrenz muss nicht weit reisen: Rheinische Landwirte haben die Ackerbohne (auch Saubohne oder Dicke Bohne genannt) wiederentdeckt. Ihre Vorzüge: ein hoher Eiweißgehalt (25 bis 30%), wenig Fett, aber viele Ballaststoffe.

Die Bohne war nicht nur ein weit verbreitetes Futtermittel im Rheinland, sie stellte auch für weite Teile der Bevölkerung eine wichtige Eiweißquelle dar. In den 60er und 70er Jahren begann ihr Rückzug.

Ein 2017 gegründeter Verein ist mittlerweile 50 Mitglieder stark und hat es sich zum Auftrag gemacht, die Vorzüge der Rheinischen Ackerbohne wieder in den Blick zu rücken (Infos: www.rheinische-ackerbohne.de). In Zusammenarbeit mit einzelnen Bäckereien wird ein „Ackerbohnenbrot“ hergestellt. Ackerbohne und Brot sind auch Thema am NRW-Stand bei der jetzt anstehenden Grünen Woche in Berlin.

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