Flüchtlinge

Wie ein syrischer Lehrer Kinder in Düsseldorf unterrichtet

Rani Lazkani (41) an der Marie-Curie-Schule in Düsseldorf-Gerresheim beim arabischsprachigen Mathematik-Unterricht.

Foto: David Bieber

Rani Lazkani (41) an der Marie-Curie-Schule in Düsseldorf-Gerresheim beim arabischsprachigen Mathematik-Unterricht. Foto: David Bieber

Düsseldorf.   Rami Lazkani ist aus Aleppo geflohen. In Syrien war er Mathematiklehrer. Seit drei Monaten unterrichtet er als Hilfslehrer in Düsseldorf.

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In Klassenräumen fühlt sich Rami Lazkani zu Hause – egal, wo sie sind. Eine große Wahl hat der 41-Jährige auch nicht – denn Lazkani stammt aus Syrien, ist aus dem zerbombten Aleppo geflohen. Seit drei Monaten arbeitet er als Mathehilfslehrer in einer Flüchtlingsklasse am Marie-Curie-Gymnasium im Stadtteil Gerresheim.

„Heute kann ich überall auf der Welt leben. Ich fühle mich jetzt auch heimisch in Düsseldorf“, sagt Rami Lazkani. Er spricht schon recht gut Deutsch. Der Syrer unterrichtet zwar auf Arabisch, hat aber Sprachkurse besucht und sich viel selbst beigebracht. „Rami gehört zu uns. Er ist ein Gewinn“, betont Nicola Wissing, die Klassenlehrerin der Flüchtlingsklasse.

Mehr Interesse auf beiden Seiten

Wie so viele andere hat auch Rami die gefährliche Reise übers Mittelmeer gewagt, bis er 2015 über die Balkanroute nach Deutschland kam. Der Lehrer Rami Lazkani scheint sich viele Gedanken über die deutsche Gesellschaft und Flüchtlinge zu machen, das wird aus dem Gespräch mit ihm deutlich. Über den Umgang hier mit Flüchtlingen denkt er, dass viel mehr Interesse auf beiden Seiten bestehen sollte.

Am Gymnasium im Düsseldorfer Osten hilft er jungen Landsleuten oder anderen arabischen Flüchtlingen in Mathematik. „Die Schüler lernen schnell“, sagt Lazkani, der immer wieder längere Pausen beim Sprechen macht – als ob er das Gesagte genau reflektiert.

Regierungskritik unerwünscht

Gefragt nach den Unterschieden zwischen deutschen und syrischen Schülern antwortet er prompt: „Die deutschen Schüler sind eigenständiger und haben mehr Freiräume.“ Und sie könnten vor allem ihre Meinung frei und öffentlich sagen. „In Syrien konnte ich als Lehrer nie ungezwungen meine Ansichten mit Kollegen teilen. Ich hatte Angst, dass sie mich an die Assad-Regierung verraten könnten.“

Daher vergleicht Lazkani sein 2015 verlassenes Syrien auch mit der ehemaligen DDR. „Da konnte man ja auch nicht seine Meinung frei sagen und es gab die Stasi.“

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Positiv an syrischen Schülern sei, dass diese respektvoller seien, findet Lazkani, den alle an der Schule bloß Rami nennen. „Die Schüler sind viel höflicher zu den Lehrern. Die Schüler mussten aufstehen, wenn sie etwas sagen wollten. Beine überkreuzen oder lässige Kleidung sind verboten.“ In Syrien werden auch Schuluniformen getragen, was an öffentlichen Schulen in Deutschland sicher Proteststürme hervorrufen würde, glaubt er.

Großer Fan von deutschen Denkern

Daneben gebe es wohl weniger außerschulische Aktivitäten. „Die Schüler werden hier von morgens bis nachmittags gut betreut“, sagt der Mathematiklehrer, der ein großer Fan von deutschen Denkern wie dem Mathematiker und Astronomen Johann Carl Friedrich Gauß ist.

Wenn er gerade mal nicht Kindern Mathe beibringt, arbeitet Lazkani in einem Altenheim. „Ich helfe den alten Menschen und dabei lerne ich mit ihnen Deutsch.“ Das helfe ihm wiederrum, sich stetig zu verbessern. Rami weiß auch, dass der Schlüssel für eine gelungene Integration gute Deutschkenntnisse sind.

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