Winterurlaub

Das Simmental – Rinder, Skifahren und ein bisschen Schwefel

Das Fleisch der Simmentaler Rinder gilt als Spezialität unter Köchen.

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Das Fleisch der Simmentaler Rinder gilt als Spezialität unter Köchen. Foto: dpa

Lenk.  Lenk im Simmental ist der schönste Talabschluss der Welt, sagen die Einheimischen. Doch hier gibt es mehr als Wintersport in allen Ausprägungen.

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Anemone hat dichte Wimpern über ihren dunklen Augen. Die langen Beine sind gut proportioniert, das Haar glänzt. Ab und zu gibt Miss Lenk 2016 einen erstaunlich tiefen Ton von sich, doch meist ist sie ruhig und zurückhaltend. Mit den Modelmaßen und Gewichtsklassen anderer Schönheitsköniginnen kann Anemone jedoch nicht mithalten. Rund 700 Kilo bringt sie auf die Waage - guter Durchschnitt für ein reinrassiges Simmentaler Rind.

Dass Anemone zur Miss Lenk erkoren wurde, hat sie verschiedenen Faktoren zu verdanken, wie Jungbauer Adrian Siegfried erklärt: "Da achtet man schon auf das Äußere, ob der Rücken gerade ist, der Euter hoch hängt und die Aderung gut ist." Doch Schönheit allein reichte nicht, als Anemone beim Älplerfest zur schönsten Kuh des Simmentals bestimmt wurde. Auch auf die Milchleistung und Gebärfreudigkeit der Dame wurde geachtet. Im Oktober 2017 wurde dann Kastanie als Miss Lenk 2017 ausgezeichnet.

Das Fleisch der Simmentaler Rinder gilt als Spezialität unter Köchen. Zart ist es, schmackhaft und mager. Die kurzen Sommer verbringen die Kühe und Jungtiere auf den Almen im Berner Oberland, wo es viel Gras und Kräuter zu fressen gibt. "Da oben machen wir dann auch frischen Alpkäse, unseren Hobelkäse", sagt Adrians Vater, der von Juni bis Oktober mit den Kühen auf der Alm lebt. Jetzt im Winter sind die Tiere im Stall - und Wintersportler haben die Hänge übernommen.

Ideale Pisten für Familien, Anfänger und Wiedereinsteiger

Auf den Bergen herrscht reger Betrieb. Skifahrer und Snowboarder sind auf Metschstand und Betelberg unterwegs. Die Skiregion Adelboden-Lenk ist für die wilderen Fahrer, die es gern etwas steiler haben. Es gibt aber Pisten aller Farben, künstlich beschneit von Ende November an - wenn die Natur keinen Schnee bringt und es kalt genug ist. Pistengaudi in den Hütten darf nicht fehlen.

Am Betelberg wiederum geht es gemütlicher zu: Hier sind die Pisten blau oder rot und schön breit. Ideal für Familien, Anfänger und Wiedereinsteiger. Doch man muss nicht Ski fahren, um am Betelberg einen Tag in Bewegung zu verbringen.

Vom Leiterli, der Bergstation in genau 2000 Metern Höhe, kann man Winterwandern, Schlitten fahren, Langlaufen und auf Schneeschuhen spazieren. Wenn das Wetter mitspielt, sieht man ein unvergleichliches Bergpanorama. "Direkt hinter der Bergkette liegt das Wallis", sagt Marc Zeller, an der Lenk geboren und immer wieder zurückgekommen.

Die stärkste Schwefelquelle Europas entdeckt

Diese Nähe war vor allem in früheren Jahrhunderten Fluch und Segen zugleich: Die Kantonsgrenze zum Wallis war viel näher als die eidgenössische Hauptstadt - zu Fuß brauchte man 18 Stunden nach Bern, über die Berge ins Wallis rund vier Stunden. Man trieb erfolgreich Handel mit den Wallisern, öfters lag man allerdings im Clinch.

Die "Weiberschlacht" vor rund 500 Jahren ziert sogar das Wappen des Ortes Lenk, der den Talabschluss bildet. "Die Männer waren damals im Krieg, und die Walliser kamen und stahlen das Vieh", erzählt Zeller. Das ließen die Frauen nicht auf sich sitzen: Sie gingen mit den Kindern ins Gebirge, wo die Walliser ihren Triumph feierten. "Dann ließen sie die Kinder so lange mit den Kuhglocken läuten, bis sie ihr Vieh wieder in Sicherheit gebracht hatten." Die Sieger wurden zu Besiegten. Im Wappen ist ein Schwert mit einer Spindel gekreuzt zu sehen - Frauen und Männer werden gleichberechtigt repräsentiert.

Der obere Teil des Wappens sieht fast aus wie eine Sonne mit sieben Strahlen. Doch die gelben Streifen stehen für die sieben Brunnen der Simme. Der Fluss entspringt in den Bergen, ein Wanderweg führt zur Quelle, im Sommer wie im Winter. Der Fluss gab dem Tal und auch den Rindern ihren Namen. Doch nicht nur für geruhsame Wanderwege und klares Quellwasser ist das Tal bekannt. Unweit der Stelle, an der heute die Gondel auf den Betelberg fährt, hat man einst eine stinkige Entdeckung gemacht: eine Schwefelquelle, die stärkste in Europa.

Der Geruch fauler Eier kann ins Zimmer wabern

So baute man gleich unterhalb der Quelle eine Kuranstalt, die über Jahrhunderte Menschen aus der ganzen Schweiz anlockte. Die Besucher kurierten ihre Knochen, Hauterkrankungen und die oberen Atemwege - dafür soll das Wasser gut sein. Als jedoch die Eidgenossen ihr Kursystem einstampften, war es auch um das riesige Gebäude mit seiner mehr als 350-jährigen Geschichte schlecht bestellt.

"In den 1980er Jahren fand sich ein Investor, der sanierte und renovierte, und seither gibt es den "Lenkerhof"", sagt Hoteldirektor Jan Stiller, selbst gebürtiger Lenker. Heute ist das Haus eine Luxusunterkunft mit fünf Sternen und wohlhabender Klientel. Doch das Alte spielt noch immer eine wichtige Rolle im Haus. So sind die verschiedenen Bauetappen zu sehen, mancher Boden ist mehr als 120 Jahre alt. Neben Wellness und Haute Cuisine steht eines noch immer im Mittelpunkt: der Schwefel.

Je nachdem, wie der Wind steht, wabert der Geruch fauler Eier ins Zimmer. "Aber das gehört dazu", sagt Stiller. Der Schwefel-Außenpool hat 34 Grad warmes Wasser, für ein Bad sollte man sich 25 Minuten Zeit nehmen. Es gibt wohl keinen Wintersportler, dem das zwei Mal gesagt werden muss. Sitzt man einmal im warmen Wasser, ist auch der Geruch nicht mehr so schlimm. Stiller selbst geht ins Allerheiligste des Hotels, wenn er sich nicht wohlfühlt: in die Aufbereitungsanlage der Quelle. Dort kommt das Schwefelwasser aus einem Hahn. Genießbar, weil verdünnt. "Damit treibt man jede Erkältung aus dem Körper." (dpa)

>>> Simmental

  • Reiseziel: Das Simmental liegt im Berner Oberland, etwa 80 Kilometer entfernt von der Hauptstadt. Lenk ist die höchstgelegene Gemeinde im Tal. Sechs Skigebiete gibt es in der Region, die Gebiete Betelberg sowie Metsch gehören zur Region Adelboden-Lenk.
  • Anreise: Mit dem Flugzeug nach Bern, von dort entweder mit dem Auto oder der Bahn an die Lenk. Mit dem Zug von Deutschland aus Richtung Bodensee und dann direkt nach Lenk. Mit dem Auto auch zuerst nach Bern und weiter über die Autobahn 6 Richtung Thun. Über die Ausfahrt Wimmis/Zweisimmen kommt man ins Simmental.
  • Übernachtung: Das markanteste Hotel des Ortes ist der "Lenkerhof", wo die Gäste bis heute in der stärksten Schwefelquelle der Alpen ihre Runden drehen können. Im Simmental gibt es sowohl in den Orten als auch auf den Bergen alle Arten von Unterkünften: urige Hütten, Gruppenunterkünfte, Ferienwohnungen, Hotels aller Kategorien.
  • Informationen: Lenk-Simmental Tourismus AG, Rawilstrasse 3, 3775 Lenk (Tel.: 0041/33 73 63 535, E-Mail: info@lenk-simmental.ch, www.lenk-simmental.ch).
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