Papstbesuch

Papst in Chile und Peru: Zwischen Protest und Begeisterung

Papst Franziskus besucht Chile und Peru - nicht ohne Protest der Einwohner.

Papst Franziskus besucht Chile und Peru - nicht ohne Protest der Einwohner.

Foto: Andrew Medichini / dpa

Santiago/Quito.   Die indianischen Ureinwohner stehen im Mittelpunkt der sechsten Lateinamerika-Reise, die Papst Franziskus nach Chile und Peru führt.

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"Ich bin Mapuche und habe meinen eigenen Glauben", singt der chilenische Rapper Portavoz. "Weder Papst, Bischöfe, noch Patriarchen" hätten das Sagen, heißt es in seinem Song "Será Breve" zum Besuch von Papst Franziskus, der vom 15. bis 18. Januar in Chile erwartet wird. Der Musiker vom indianischen Volk der Mapuche geht hart mit der katholischen Kirche ins Gericht, kritisiert die Unterdrückung der Mapuche und die auf umgerechnet fast 14 Millionen Euro geschätzten Kosten des Papstbesuchs. Einen Auftritt während der Visite von Franziskus lehnte der Rapper ab. Er wurde zum Sprachrohr der Proteste gegen den Papstbesuch.

Reise birgt Konfliktpotenzial

Vor allem die Reise in die Stadt Temuco, das Zentrum der Mapuche-Kultur rund 700 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago, birgt Konfliktpotenzial. Nach Berichten von Radio Vatikan sandte die katholische Kirche in Chile dem Papst bereits ein Dossier über die Lage der indianischen Gemeinden in der Unruheprovinz. Immer wieder kommt es dort zu Vandalismus und Brandanschlägen, auch Kirchengebäude wurden angezündet. Die Anschläge werden einer radikalen Mapuche-Gruppe zugeschrieben.

Temuco liegt in der Araucanía, einer der ärmsten Regionen des Landes, die durch große Wälder, Seen und schneebedeckte Vulkangipfel geprägt ist und in den vergangenen Jahren verstärkt Touristen angelockt hat. Ende des 19. Jahrhunderts hatte die junge Republik Chile die Stammesgebiete der Mapuche besetzt, viele Ureinwohner wurden aus der Region vertrieben, ihre Kultur unterdrückt. Seit Jahrzehnten kämpfen die Mapuche um eine verfassungsrechtliche Anerkennung ihrer Rechte, um Selbstbestimmung und die Rückgabe ihrer angestammten Territorien, die heute von großen Bergbau- und Forstbetrieben ausgebeutet werden.

Gemeinden wollen protestieren

Der Militärflughafen Maquehue in Temuco, auf dem Franziskus am Mittwoch eine Messe zum "Fortschritt der Völker" feiern wird, liegt ebenfalls auf einem Gebiet, das ursprünglich den Mapuche gehörte. Mehrere umliegende Gemeinden kündigten Proteste an. Sie fordern die Rückgabe einer mehr als sieben Hektar großen Fläche. Während der Militärdiktatur (1973-1990) diente das Gelände als Folterlager für politische Gefangene. Menschenrechtsgruppen versuchten deshalb, den Gottesdienst zu verlegen - ohne Erfolg.

Doch nicht alle Mapuche stehen dem Besuch des Papstes ablehnend gegenüber. Viele verbinden mit Franziskus auch die Hoffnung auf einen Dialog. Während der Messe in Temuco wird eine Gruppe gläubiger Mapuche gemeinsam mit dem Pontifex beten. Auch zahlreiche Gläubige aus dem Nachbarland Argentinien werden in Temuco erwartet. Offizielle Zahlen, wie viele Mapuche der katholischen Kirche angehören, gibt es nicht. Nach Schätzungen von Wissenschaftlern bekennen sich rund 65 Prozent der etwa 1,5 Millionen Mapuche im Chile zum katholischen Glauben.

Konflikt kann nicht schnell gelöst werden

Der Papst werde die jahrhundertealten Probleme des Mapuche-Konflikts nicht in drei Tagen lösen, könne aber Prozesse beschleunigen, betont Jesuitenpater Carlos Bresciani, der seit rund zehn Jahren mit Mapuche-Gemeinden zusammenarbeitet. Rosa Isolde Reuque, selbst Mapuche und aktiv in der Diözese Temuco, wünscht sich, dass der Papst die indianischen Identitäten und Kulturen wertschätzt. Seit Beginn seiner Amtszeit setzt sich Franziskus für den Schutz der Ureinwohner ein. Zuletzt rief er dazu auf, die kulturelle Vielfalt der Völker in Lateinamerika zu bewahren.

Papst trifft indianische Völker

Der Papst muss in Chile auch andernorts mit Skepsis rechnen, denn die Zahl der Katholiken sinkt stetig. Heute bekennen sich noch 59 Prozent der 18 Millionen Einwohner zur katholischen Kirche, und das Vertrauen in die Institution hat mit rund 36 Prozent einen Tiefstwert in Südamerika erreicht. In Peru dagegen kann Franziskus mit einem herzlicheren Empfang rechnen. Dort bezeichnen sich rund 77 Prozent der knapp 32 Millionen Einwohner als katholisch, auch eine Mehrheit der Ureinwohner.

Am Freitag (19. Januar) wird der Papst im Amazonasgebiet mit Angehörigen indianischer Völker zusammentreffen. Da die Stadt Puerto Maldonado im Grenzgebiet zwischen Bolivien und Brasilien liegt, werden auch Ureinwohner der Nachbarstaaten erwartet. Das Treffen gilt als ein Vorbote der Amazonas-Synode, die Papst Franziskus für Oktober 2019 im Vatikan einberufen hat. (epd)

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