Olympia

Schaffelhuber siegt und geht ohne Druck weiter auf Goldjagd

Mit der Goldmedaille: Anna Schaffelhuber.

Mit der Goldmedaille: Anna Schaffelhuber.

Foto: dpa

Essen.  Anna Schaffelhuber gewann bei den Paralympics in der Abfahrt und im Super-G. Nach fünf Siegen von 2014 waren die Erwartungen enorm.

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Als Anna Schaffelhuber am Sonntag die Ziellinie des paralympischen Super-G überquert hatte, schüttelte sie nur den Kopf. Schon wieder leuchtete auf der Anzeigetafel die Nummer eins auf, schon wieder war ihre Zeit grün unterlegt, schon wieder war sie die Schnellste. Da kann man schon mal etwas ungläubig schauen. Denn das, was die querschnittsgelähmte Skirennfahrerin schon nach zwei Wettkampftagen in Pyeongchang erreicht hat, ist wirklich unglaublich.

Bereits am Samstag hatte sie Gold in der Abfahrt gewonnen. In sieben aufeinander folgenden Olympiarennen ist die 25-Jährige nun ungeschlagen. Fünfmal Gold 2014 in Sotschi und jetzt schon zweimal Gold in Pyeongchang. „Ich habe das für mich selbst noch überhaupt nicht realisiert“, sagte sie nach dem Rennen im ZDF. Eine Aussage, die zu ihrem Gesichtsausdruck bei der Zieleinfahrt passte. „Wenn mich jemand fragen würde: Wie viele Goldene hast du? Dann würde ich sagen: fünf von Sotschi.“

Bei der Flower Ceremony, der kleinen Siegerehrung im Zielbereich, war die Ungläubigkeit wahrer Freude gewichen. Mehrmals reckte Anna Schaffelhuber den rechten Arm in die Höhe und jubelte ihren Eltern und ihrem Freund auf der Tribüne zu.

Später konnte sie dann schon analysieren, was sie wieder besser gemacht hatte als alle anderen. Das richtige Maß „zwischen Angriff und den Ski laufen lassen“ habe sie gefunden. „Der Druck ist jetzt völlig weg. Ich kann jetzt voll riskieren.“ Das hört die Konkurrenz sicher nicht gern.

Die dritten Paralympischen Spiele

Die Karriere von Anna Schaffelhuber begann vor 20 Jahren. Da setzten ihre Eltern die damals Fünfjährige, die mit einer inkompletten Querschnittslähmung im Januar 1993 in Regensburg zur Welt kam, erstmals in einen Monoskibob. Sie wollte Skifahren wie ihre Brüder.

2007 wurde sie in den Kader des deutschen Paralympic-Ski-Teams aufgenommen, 2010 fuhr sie ihr erstes Weltcuprennen, kurz darauf gewann sie in Vancouver ihre erste Paralympics-Medaille: Bronze im Super-G. Und dann, vier Jahre später in Sotschi: fünf Rennen, fünfmal Gold. Anna Schaffelhuber war zum Gesicht des paralympischen Skisports geworden.

Entsprechend groß war der Druck auf die 25-Jährige vor den Spielen in Pyeongchang – von außen, aber auch von innen. „Früher war eine Medaille einfach ein Erfolg. Jetzt muss man das bestätigen“, sagte Anna Schaffelhuber vor dem ersten Rennen. Die Zeit seit Sotschi sei schön gewesen, aber auch extrem anstrengend.

Denn nebenbei lebt die Rollstuhlfahrerin das ganz normale Leben einer 25-Jährigen. Nach dem Abitur 2011 zog sie aus dem Elternhaus im niederbayrischen Mallersdorf-Pfaffenberg aus, um in München Jura zu studieren. Ihr Leben unter 6500 Einwohnern tauschte sie ein gegen ein neues unter 1,5 Millionen. Anna Schaffelhuber ist im Winter ständig unterwegs, hat viel von der Welt gesehen.

In diesem Jahr lief die Vorbereitung nicht optimal. „Ich hatte einen sehr schwierigen ersten Teil der Saison. Ich hatte gute Trainingsläufe, diese aber nicht ins Rennen bringen können.“ Viele Rennen mussten wegen schlechter Wetterbedingungen ausfallen. Beim letzten Weltcup vor den Spielen hatte sie sich dann aber in Olympiaform gefahren. In Kanada gelangen ihr drei Siege.

Drei Siege sind auch in Pyeongchang noch möglich. Anna Schaffelhuber startet noch in der alpinen Kombination (Dienstag), im Slalom (Donnerstag) und im Riesenslalom (Samstag).

Erfolg verpflichtet. Nach dem Sieg am Samstag ging es zur Feier ins Alpenhaus, in dem sich deutsche, österreichische und Schweizer Athleten treffen. Schon um kurz nach 4 Uhr klingelte der Wecker am Sonntag für das nächste Rennen. Entsprechend müde kam die 25-Jährige nach dem zweiten Triumph ins ZDF-Studio: „Jetzt will ich erst mal schlafen.“

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