Basketball

Reggae, Kult und Basketball - Rasta Vechta ist heiß auf die Play-offs

Das Löwen-Maskottchen im Reggae-Look treibt die Fans von RASTA Vechta an.

Das Löwen-Maskottchen im Reggae-Look treibt die Fans von RASTA Vechta an.

Foto: dpa

Essen  Rasta Vechta ist die größte Überraschung der Bundesliga-Saison. Der Aufsteiger steht sicher in den Play-offs. Und hat den Rhythmus im Blut.

Es passiert sogar beim selbsternannten „geilsten Klub der Welt“. Und wenn es einmal passiert, dann ist es fast schon eine kleine Sensation, denn es geschieht selten in dieser Saison. Rasta Vechta hat verloren. Am Wochenende in Ludwigsburg. Egal, die mitgereisten Fans feierten trotzdem, auf ihren Köpfen trugen sie Rasta-Zopf-Perücken und gelb-grün-rot-schwarze Strickmützen. Schließlich hat sich die Ausgangslage nicht geändert: Rasta Vechta steht sicher in den Play-offs der Basketball-Bundesliga. Der Aufsteiger hat in den vergangenen 32 Spielen selbst Topteams wie Alba Berlin und Brose Bamberg überrannt. Was alleine Rasta Vechta aber noch nicht zum geilsten Klub der Welt macht, höchstens zur größten Überraschung dieser Saison in der Bundesliga. Nein, die Besonderheit ist eine andere. Vechta, 8200 Kilometer von Jamaika entfernt, hat den Reggae im Blut.

Und nicht nur dort. Er hallt beim Aufwärmen aus den Lautsprechern im Rastadome, der Halle im niedersächsischen 31.000-Einwohner-Städtchen. Er wird personifiziert durch das Maskottchen Bob, das bei Heimspielen an der Seitenlinie auf und ab läuft, während die Marleys, die Cheerleadergruppe, mit ihren Pompons wedelt. Dazu versenken Austin Hollins und Clint Chapman den Ball im Korb. 86 Punkte erzielt Vechta im Schnitt, knapp 58 Prozent der Würfe sitzen – Werte, die Rasta zwei Tage vor dem Ende der Hauptrunde auf den vierten Tabellenplatz geführt haben. „Wir sind selbst überrascht. Wir befinden uns in einem Traum“, sagt Rasta-Geschäftsführer Stefan Niemeyer.

Ein Traum, der Bundesligafans in ganz Deutschland sympathisieren lässt. In den USA, dem Geburtsland des Basketballs, sprechen sie von einer Cinderella-Story, einer Aschenputtelgeschichte, wenn ein Außenseiter plötzlich zum Höhenflug ansetzt. Der Kleine schlägt die Großen, Kreisstadt besiegt Bundeshauptstadt – Sportmärchen wie diese motivieren auch die Spieler von Rasta Vechta täglich aufs Neue.

Es ist ein Traum, der aus einer Notlage entstand. Als 1979 mit dem Abitur auch das Ende der Basketball-AG kam, wollten die Schüler des Antonianum Gymnasiums trotzdem weiter Körbe werfen. Ein Verein fand sich nicht, und so gründeten sie eben ihren eigenen. Nur der Name fehlte. Als einer von ihnen das Bob-Marley-Album „Rasta­man Vibration“ auflegte, war das Problem gelöst. Der SC Rasta Vechta war geboren.

Dritter Anlauf im Oberhaus

40 Jahre später wird der Mythos um die Vereinsgründung noch immer gepflegt, obwohl es im Profisport alles andere als entspannt zugeht. Es ist bereits Vechtas dritter Anlauf in der Bundesliga. Beim ersten setzte die Vereinsführung 2013 weiter auf den Aufstiegskader, beim zweiten drei Jahre später auf ein komplett neues Team. In dieser Saison haben sie aus den Fehlern der direkten Abstiege gelernt und eine Mannschaft aus etablierten Spielern und neuem Personal in die Saison geschickt. Ein bisschen Glück gehört bei der Kaderzusammenstellung freilich auch dazu: Der mit Gießen zuvor in seinen Leistungen wackelige Austin Hollins blüht plötzlich zu einem der besten Werfer der Liga auf, Centerspieler Clint Chapman, zuvor Bankwärmer in Ludwigsburg, hat sich zum Leistungsträger gemausert. Eigengewächs Philipp Herkenhoff (19) liebäugelt gar mit einem Wechsel in die NBA. Selbst mit Pedro Calles war so nicht zu rechnen. Der einstige Co-Trainer wurde zu Saisonbeginn befördert und sorgt jetzt dafür, dass sie sogar in dessen Heimat Spanien über den Erfolgscoach und Rasta Vechta sprechen. Über den Klub, der in Deutschland auch in den Play-offs ein Thema sein will.

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