Kommentar

BVB-Jugendchef Ricken hat recht: Technik allein reicht nicht

Er legt den Finger in die Wunde: BVB-Nachwuchschef Lars Ricken (r.), hier im Gespräch mit U-17-Trainer Sebastian Geppert.

Er legt den Finger in die Wunde: BVB-Nachwuchschef Lars Ricken (r.), hier im Gespräch mit U-17-Trainer Sebastian Geppert.

Foto: Foto: firo/ Ralf Ibing

Essen.  Lars Ricken, Nachwuchschef bei Borussia Dortmund, mahnt in einem „Welt“-Interview mehr Widerstandsfähigkeit an. Ein Kommentar.

Die deutschen Tugenden. Jahrelang war das ein fester Begriff im Weltfußball. Kein schöner, er klang ja schon so preußisch nach Pflichterfüllung, Fleiß und Moral. Aber ausländische Trainer benutzten ihn voller Hochachtung, und wenn deutsche Trainer darüber sprachen, dann schwang Stolz mit. Stolz auf die Haltung ihrer Spieler. Deutsche Tugenden, das hieß: Technische und individuelle Unterlegenheit durch Kampfgeist und Teamgeist auszugleichen, und es hieß vor allem, nie aufzugeben.

Eindimensionale Ausbildung

Längst aber haben sich die Verhältnisse verschoben. Andere Nationen holten in Sachen Athletik auf, während Deutschland zeitgleich erstaunlich viele fußballerisch Begabte hervorbrachte. Es wurde jedoch eindimensional ausgebildet: Top-Techniker wie Kroos, Özil, Götze, Draxler oder Gündogan boten Anlass zur Freude. Aber wo war nach Klose ein durchschlagskräftiger Mittelstürmer? Wo waren nach Lahm Außenverteidiger von internationalem Format?

DFB-Direktor Oliver Bierhoff hat es kürzlich erst betont, jetzt bestätigt es BVB-Nachwuchschef Lars Ricken: Jungen Fußballern fehlt die Widerstandsfähigkeit. Weil Zaubern nicht mit Zaudern einhergehen darf, weil Ästhetik allein keine Spiele gewinnt, besinnen sich nun alle auf die berühmten deutschen Tugenden. Am Ende kann nur eine gute Mischung zum Erfolg führen. Die Kunst wird sein, die junge Generation davon zu überzeugen.

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