Tour de France

Der Traum vom Tour-Sieg lebt ein bisschen mehr

Emanuel Buchmann (links) fährt in der Spitzengruppe mit.

Emanuel Buchmann (links) fährt in der Spitzengruppe mit.

Foto: Reuters

Essen.   Bei der Tour 2018 konnte kein deutscher Fahrer Geraint Thomas gefährden. Jetzt sitzt ihm Emanuel Buchmann im Nacken. Ein Kommentar.

Jene Unglückseligen, die am Samstag erst einschalten konnten, als sich die Fahrer schon den Großteil der Strecke zum Col du Tourmalet hinaufgequält hatten, durften sich verwundert die Augen reiben: Ja, es ist tatsächlich ein deutscher Fahrer in der Spitzengruppe dabei. Ja, es ist wirklich Emanuel Buchmann, Gesamtfünfter der Tour de France. Ja, er kann wirklich diese legendäre Bergetappe gewinnen.

Kurz darauf platzte der Traum von einem deutschen Sieg in 2115 Metern Höhe. Thibaut Pinot, woher auch immer er die Kraft nahm, setzte eine Attacke und holte die entscheidenden Meter Vorsprung auf die Spitzengruppe heraus. Der verdiente Sieger. Doch danach folgte bald schon Buchmann. Und Geraint Thomas, der Vorjahressieger? Der große Favorit des Millionen-Teams Ineos? Kam schnaubend hinterher, wie es seine Verfolger bei der Tour de France 2018 getan hatten.

Thomas überraschte seinen eigenen Kapitän

Im vergangenen Jahr überraschte der einstige Bahnrad-Spezialist mit seinen Fähigkeiten sein Team – und seinen Kapitän Chris Froome. Eigentlich sollte der zum nächsten Sieg fahren und mit seinem fünften Tour-Erfolg mit Eddie Merckx gleichziehen. Doch am Ende war es Thomas, der in Paris die walisische Flagge vor dem Arc de Triomphe schwenkte.

Der Weg dorthin führte Thomas auch über den Col du Tourmalet. Auf der 19. Etappe war nur der frühere Skispringer Primoz Roglic schneller. Ein Deutscher konnte ihn nicht gefährden. Der Berliner Simon Geschke, bester deutscher im Gesamtklassement, kam mit mehr als sieben Minuten Rückstand ins Ziel.

Buchmann lässt sich nicht abschütteln

Ein Jahr später steht zwar längst nicht fest, dass Thomas und das frühere Sky-Team nicht doch wieder triumphieren. Aber der Brite wird registriert haben, dass die Konkurrenz stärker ist, dass Julian Alaphilippe nicht wie erwartet abgehängt wird. Dass ein deutscher Radprofi sich nicht mehr abschütteln lässt. Dass das Rennen offener denn je ist.

Noch hat Emanuel Buchmann nichts gewonnen. Doch der Traum von einem Radsport-Sommermärchen, der lebt seit Samstag ein bisschen mehr.

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