Handball

Handball: Die lang ersehnte Rückkehr des Julius Kühn

Hochsteigen und abziehen: Handball-Nationalspieler Julius Kühn (Mitte) beim kräftigen Wurf.

Hochsteigen und abziehen: Handball-Nationalspieler Julius Kühn (Mitte) beim kräftigen Wurf.

Foto: DPA

Essen.  Der Europameister von 2016 trifft mit den deutschen Handballern auf Kroatien. Es ist sein erstes Länderspiel seit einem Jahr.

Julius Kühn freute sich, als er endlich beim Nationalteam war. Er sah Julian Brandt und Serge Gnabry, Kai Havertz und Niklas Süle, er sprach im Nationalmannschafts-Fanklubradio über die Partie Deutschland gegen Argentinien.

Zwei Wochen ist dieser Ausflug des Nationalspielers Julius Kühn nach Dortmund her. Heute in Zagreb ist der 26-Jährige nun kein Beobachter mehr wie vor zwei Wochen beim Spiel der deutschen Fußballer, sondern wieder Spieler im Team der deutschen Handballer. Die treffen heute (19.30 Uhr/ZDFsport.de) und am Samstag in Hannover (14.30 Uhr/ARD) auf Kroatien.

Tests vor der EM in Norwegen, Österreich und Schweden

Es sind die letzten beiden Länderspiele in diesem Jahr, sie sind wichtige Tests vor der Europameisterschaft in Norwegen, Österreich und Schweden ab dem 9. Januar. Für Julius Kühn sind es die ersten Spiele seit einem Jahr im Nationaldress, die ersten nach der Verletzung. „Ich habe mich sehr über den Anruf des Bundestrainers gefreut und bin froh, dass meine harte Arbeit belohnt wird“, sagt Kühn.

Es war der Oktober-Lehrgang 2018, der aus einem eingeplanten Leistungsträger für die Heim-WM einen humpelnden Beobachter machte. Die siebte Minute im EM-Qualifikationsspiel gegen den Kosovo lief, Kühn kämpfte sich in einem Tempogegenstoß in brachialer Art durch die Mitte, wie es der zu diesem Zeitpunkt beste Feldtorschütze der Bundesliga häufig tat. Er warf den Ball – und blieb nach einem Zusammenstoß mit einem Gegenspieler liegen. Er hielt sich das Schienbein, schüttelte den Kopf, humpelte vom Spielfeld. Noch glaubte er an eine Schienbeinprellung.

Erschütternde Diagnose Kreuzbandriss

Die niederschmetternde Diagnose folgte einige Tage später: Kreuzbandriss im rechten Knie. Saisonaus. Keine Chance auf die Heim-WM. „Für Julius ist eine Welt zusammengebrochen. Er ist geschockt und niedergeschlagen“, hatte Bundestrainer Christian Prokop kurz darauf gesagt.

Kühn hatte noch nie mit schweren Verletzungen zu kämpfen gehabt. Nicht in seiner Zeit bei der HSG Düsseldorf, nicht bei Tusem Essen und nicht beim VfL Gummersbach, auch nicht bei seinem aktuellen Verein MT Melsungen. „Zwei bis drei Wochen hatte ich mal gefehlt“, sagt der gebürtige Duisburger im Gespräch mit dieser Zeitung, „aber vorstellen, mal länger zu fehlen, konnte ich mir gar nicht.“ Nun aber saß er in seiner Wohnung, wenn Familie und Freunde mal nicht da waren, und „starrte einfach mal eine Stunde lang ins Leere“. Alleine mit der Enttäuschung, dem Frust und der Wut. „Ich hatte mich so auf dieses Turnier gefreut. Das war eine richtig schwere Zeit“, sagt Kühn. „Ich wusste nicht, wie es weitergeht, wollte die Schwere der Verletzung nicht wahrhaben.“

Für die Reha sogar in die USA

Akzeptieren musste er sie dann aber irgendwann doch. Und mit der Reha beginnen. In kleinen Schritten: nach zwei Wochen leichte Bewegungen, nach sechs Wochen auf die Krücken verzichten, nach vier auf die Schiene am Knie, nach zwölf Wochen leichtes Joggen. So kämpfte sich der Zwei-Meter-Mann, der in der Jugend lange für den TV Aldekerk spielte, aus dem Tief, flog im Januar gar in die USA, um dort den Kopf frei zu kriegen.

Während seine Teamkameraden bei der WM in Berlin, Köln, Hamburg und im dänischen Herning das Publikum begeisterten und am Ende Vierter wurden, machte Kühn an der Universität von Miami Fortschritte in einer privaten Reha. „Ich hatte schon mal von dem Programm gehört. Von Handballern, die sich in der Sommerpause dort gezielt vorbereiten wie amerikanische Basketball- und Footballspieler. Es war eine tolle Erfahrung, auch mein Verein hat mich in der Entscheidung bestärkt, im für mich schwierigen Januar anderswo zu arbeiten.“

Europameister von 2016 ist im linken Rückraum gesetzt

Nun ist Julius Kühn zurück, der Europameister von 2016 soll dem Team mit knallharten Würfen aus dem linken Rückraum helfen. Und er will noch lange bleiben: „Die schwere Zeit hat mich auch geprägt. Man versteht den eigenen Körper nun besser, achtet besser auf ihn, arbeitet zusätzlich präventiv. Der Körper ist ja unser Kapital. Nur, wer gesund ist, kann Handball spielen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben