Digel kündigt Rückzug aus IAAF-Council an und fordert Investitionen in Anti-Doping-Kampf

Helmut Digel, Ehrenpräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), hat seinen Rückzug aus dem Council des Weltverbandes IAAF angekündigt.

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Köln (SID) - Helmut Digel, Ehrenpräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), hat seinen Rückzug aus dem Council des Weltverbandes IAAF angekündigt. "Ich werde mich langsam aus der Verantwortung zurückziehen. 2015 nach der WM in Peking werde ich meine Tätigkeit im IAAF-Council beenden", sagte Digel der Tageszeitung Die Welt. Der Sportwissenschaftler und Funktionär gehört dem Gremium seit 1995 an und war von 2001 bis 2007 dessen Vizepräsident.

Der Soziologe Digel, der zu Weihnachten das Buch "Verlorener Kampf" herausgebracht hatte, gibt sich resigniert. "Viele Initiativen gegen den Dopingbetrug waren erfolglos oder haben sich als unzureichend erwiesen. Immer deutlicher kommt zum Tragen, dass die eigentlich am Betrug Beteiligten an einer wirklichen Aufklärung und Bekämpfung nicht interessiert sind. Dies gilt für Politik, die Wirtschaft und die Sportorganisatoren gleichermaßen", schrieb Digel, der am 6. Januar seinen 70. Geburtstag feiert.

Dopende Athleten seien selber verantwortlich für das, was sie tun. Aber sie allein an den Pranger zu stellen, sei ein Sündenfall des Sports, mit dem er versucht habe, sich zu entlasten, meinte Digel. Bis heute sei kein Funktionär, kein Verband sanktioniert worden. Kein Politiker oder Mediziner verurteilt. Es habe noch kein Berufsverbot für Ärzte gegeben, denen Delikte nachgewiesen worden seien. Die Hintermänner kämen ungeschoren davon. Aber der Athlet stecke in der Dopingfalle: Wenn er sauber bleibe, sei er chancenlos. Also müsse er mitmachen oder mit dem Spitzensport aufhören.

Und so uferte der Betrug im Hochleistungssport weltweit immer mehr aus. Mittlerweile hat es in allen 28 olympischen Sportarten positive Tests gegeben. Digel ist der Überzeugung, dass auch im Fußball das seiner Meinung nach zu legere Kontrollsystem unterlaufen wird: "Es wird viel mit Medikamenten manipuliert, um Spieler schneller wieder fit zu machen."

Digel fordert vom IOC und dessen Präsidenten Thomas Bach Investitionen in den Anti-Doping-Kampf. Es sei beschämend, dass von 205 Mitgliedsländern nur 60 bis 70 über ein selbst organisiertes Kontrollsystem gegen Doping verfügen. Internationale Hilfe sei nötig, damit sich auch die ärmeren Länder ein wirksames Kontrollsystem leisten können. Ein Vorschlag Digels lautet: "Usain Bolt macht mit seinen Sprints Millionen im Jahr. Spitzenathleten wie er müssen verpflichtet werden, fünf Prozent ihrer Preisgelder zum Schutz des eigenen Produkts abzugeben."

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