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Duisburger André Lotterer hofft auf Formel-E-Titel

Formel-E-Pilot André Lotterer

Formel-E-Pilot André Lotterer

Foto: Getty

Berlin.  Vier Rennen vor Saisonende steht André Lotterer in der Formel-E-Rennserie auf dem zweiten Platz. Beim Rennen in Berlin soll der erste Sieg her.

André Lotterer kam die Abwechslung gerade recht. Seit etwa 9 Uhr am Morgen bereitete sich der Rennfahrer im Simulator seines DS-Techeetah-Teams auf das Formel-E-Rennen in Berlin vor. Dann darf man um 17 Uhr auch mal eine kleine Pause machen und ein Interview führen. Drei Tage dauert dieses Ritual im virtuellen Rennwagen vor jedem Rennen, dabei wechselt er sich mit seinem Teamkollegen Jean-Eric Vergne ab. "Das ist viel mehr als in anderen Rennserien", erklärt der 37 Jahre alte Pilot. "Der Simulator passt insofern gut zur Formel E, weil alles Elektro ist", sagt er, "man kann das mit den Kilowatt sehr gut ausrechnen."

Lotterer: In der Formel E zählt vor allem der Fahrer

Der gebürtige Duisburger fährt seine zweite Saison in der elektrischen Rennserie. Und er ist angekommen. Vier Rennen vor dem Saisonende belegt er Platz zwei, lediglich einen Punkt hinter Tabellenführer Vergne, dem amtierenden Weltmeister. Was ihm allerdings noch fehlt, ist ein Sieg. "In der Formel E gibt es keine Sieggarantien wie etwa in der Formel 1", zieht er einen Vergleich, "wenn man da in einem bestimmten Auto sitzt, ist es ziemlich sicher, dass man gewinnen kann." In der Formel E dagegen ist die Luft an der Spitze dünn. Das ist so gewollt, denn durch sein Paket kann man sich keinen Vorteil herausarbeiten. "Wir haben mehr oder weniger alle dasselbe Auto, wir haben genau dieselbe Batterieleistung, die über eine Software gesteuert wird", erklärt Lotterer. Da ist noch die Leistung des Piloten gefragt. "Bei uns ist der Fahrer zu 80 Prozent für den Erfolg verantwortlich", sagt der dreifache Le-Mans-Sieger.

Weltmeister auch ohne Rennsieg?

Dass Lotterers Leistung gestiegen ist, zeigt sich zum einen auf der Rennstrecke. Aber auch teamintern "Letztes Jahr hatten wir ein wenig Teamorder, weil Jean-Eric um die Meisterschaft gefahren ist", sagt er, "aber jetzt ist keine Rede davon." Und so will er auf dem Flugfeld in Tempelhof wieder angreifen. Der erste Sieg beim Heimrennen, "darüber würde ich mich riesig freuen". Viermal war er schon ganz knapp dran, aber aus unterschiedlichen Gründen hat's nicht gereicht. Und falls es in den drei folgenden Rennen auch nicht klappen sollte, sieht er sein Ziel trotzdem nicht in unerreichbarer Ferne. "Wenn ich Weltmeister ohne Sieg werden sollte, dann wäre das auch okay." Dabei lacht er.

Quasi ganz langsam hat sich André Lotterer dem Thema Elektroantrieb angenähert. Der Audi R18 und der Porsche 919, mit denen er in der Langstrecken-Weltmeisterschaft und dem Saisonhöhepunkt 24 Stunden von Le Mans gefahren ist, waren beides Hybridfahrzeuge, hatten zusätzlich zu einem Verbrennungsmotor auch einen Elektroantrieb. Diese Erfahrung des effizienten Umgangs mit der zur Verfügung stehenden Energie kommt ihm jetzt zugute. "Ich habe viel Verständnis für verschiedene Systeme, die man entwickeln kann", sagt er.

"Wir müssen eine Show bieten"

Obwohl ein Vollblut-Racer, reicht Lotterers Blick über den Tellerrand hinaus. Dabei hat er erkannt, dass sich die Einstellung zur Mobilität und zum Motorsport dramatisch verändert hat. "Wir müssen eine Show bieten", stellt er fest. Er ist der festen Überzeugung, dass die Formel E diese Anforderung bestens erfüllt, weil es in den neun Rennen dieser Saison acht Sieger gab.

Immerhin taugt die Formel E für einen Film. Dafür ist Lotterer extra aus dem Simulator ausgestiegen und gestern Abend nach Cannes zum Filmfestival gereist. Das Werk "We go green" von Schauspieler Leonardo DiCaprio, Miteigentümer des Venturi-Teams, hatte Premiere.

Formel E als Vorreiter für Straßenfahrzeuge

In der realen Welt ist Lotterer der festen Überzeugung, dass die Formel E wieder die klassische Vorreiterrolle des Motorsports für künftige Straßenfahrzeuge übernehmen kann. "Die Formel E wird mehr und mehr die Entwicklung der Batterien pushen, dass die eines Tages eine gute Basis für die Autoindustrie sind", zeigt er sich überzeugt. Auch das Thema effizientes Aufladen werde weiter an Bedeutung gewinnen. Dann fragt er bewusst provokativ: "Wer braucht Aerodynamik?" Das Spiel mit der Luft ist der große Kostentreiber, speziell in der Formel 1.

Und so fällt es André Lotterer nicht schwer, wenn er nach seiner Zukunft gefragt wird. "Auf jeden Fall Formel E", platzt es aus ihm heraus. Nur bei welchem Team? Da wird der Pilot schmallippig. Mit DS-Techeetah hat er einen Vertrag bis zum kommenden Jahr, auch mit Porsche, die zur neuen Saison in die Elektrosaison einsteigen werden, ist er noch vertraglich verbunden. Und mit Audi hat er seine großen Erfolge in der Langstrecken-Weltmeisterschaft gefeiert. "Schauen wir mal, was dabei rauskommt", sagt Lotterer und verschwindet wieder in den Simulator.

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