DEL

Münchens Michael Wolf vor Eishockey-Rente gefordert

Würde gern als Rekordtorschütze der DEL in Eishockey-Rente gehen: Michael Wolf von EHC Red Bull München.

Würde gern als Rekordtorschütze der DEL in Eishockey-Rente gehen: Michael Wolf von EHC Red Bull München.

Foto: dpa

München  Michael Wolf prägte die DEL eineinhalb Jahrzehnte. In seinen letzten Playoffs ist er noch einmal gefordert, dem Meister aus München droht das Aus im Halbfinale. Geht die Titelverteidigung schief, dann verpasst der Stürmer das Happy End einer einmaligen Karriere.

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Auf die Rückkehr in sein geliebtes Füssen freut sich Michael Wolf sehr - ein richtiges Finale seiner langen Karriere aber hatte der Eishockey-Oldie eigentlich schon noch eingeplant. In der Vorschlussrunde gegen die Augsburger Panther aber droht dem EHC Red Bull München das Aus.

Wolf ist gefordert, sonst gibt es nach 14 Jahren Deutscher Eishockey Liga kein Happy End. Nebenbei könnte es der 38-Jährige verpassen, als DEL-Rekordtorschütze in Rente zu gehen.

Coach Don Jackson war vor den Playoffs gefragt worden, wie sehr er sich denn eine vierte Meisterschaft als Abschiedspräsent für Wolf wünsche. "Wir freuen uns, wenn wir mit ihm gewinnen. Aber wir freuen uns nicht darauf, ihn dann zu verlieren", antwortete Jackson.

Nach dem Ende dieser Saison wird die DEL um ein Unikum ärmer sein. In einer von teils wilden Personalrochaden und Kurzauftritten nordamerikanischer Hoffnungsträger geprägten Liga war der Allgäuer stets eine Konstante - wenn auch die meiste Zeit fernab der Heimat.

Bei den Iserlohn Roosters im Sauerland entwickelte sich Wolf von 2005 an zu einem der besten Angreifer Deutschlands. Um neben persönlichen Auszeichnungen als Profi des Jahres oder Torschützenkönig auch eine richtige Trophäe zu gewinnen, ging der Kapitän des Nationalteams 2014 nach München und führte die Truppe zuletzt zu drei DEL-Meistertiteln.

"Du bist ein großartiger Spieler, aber ein noch besserer Mensch. Dich im Team und in der Kabine zu haben, war eine Ehre. Du bist als Mensch unersetzlich", sagte EHC-Manager Christian Winkler nach Wolfs 699. und letzten Hauptrundenspiel Anfang März bei einer kleinen Zeremonie. Auf dem Videowürfel schickte Ex-Teamkollege Dominik Kahun aus der NHL Glückwünsche, Wolfs Töchter sprachen Liebesgrüße in die Kamera. Und bei dem sonst so coolen Altmeister flossen auf dem Eis die Tränen.

Während er auf Schlittschuhen und mit dem Schläger die Goalies zur Verzweiflung trieb, trat Wolf abseits des Eisfläche zurückhaltend auf, der 152-malige Nationalspieler (53 Tore) ist kein Polterer. Für Späße in der Kabine war der Stürmer mit der Nummer 13 aber zu haben, wie Teamkollegen jüngst dem "Münchner Merkur" erzählten. Frank Mauer habe er mal als Revanche für einen Streich die Hosentaschen zugenäht; wenn bei den Videoanalysen Tore von Wolf gezeigt werden, "springen alle auf und rasten aus", verriet Konrad Abeltshauser.

Dem Routinier, dem womöglich nur seine verhältnismäßig geringe Größe von 178 Zentimetern bei gut 80 Kilogramm einer Karriere in Übersee im Weg stand, sind solche Episoden und persönliches Lob unangenehm.

"Um ehrlich zu sein: Diese Zahlen haben keine allzu große Bedeutung für mich. Darüber kann ich mir nach der Karriere Gedanken machen", sagte er jüngst angesprochen auf den Zweikampf mit Patrick Reimer um den Rang des DEL-Rekordtorschützen. Aktuell liegt Nürnbergs Reimer mit 340 Toren vor Wolfs Marke von 337, die dieser - anders als der schon ausgeschiedene Reimer - aber noch nach oben schrauben kann. Bei einem Aus im Halbfinale gegen Augsburg aber wird es knapp, zunächst will München am 10. April die Serie zum 2:2 ausgleichen.

Für seine Teamkollegen hatte der "Leit-Wolf" stets unschätzbaren Wert - auch wenn er viele beim Kartenspielen im Teambus um reichlich Geld brachte, wie Yannic Seidenberg erzählte. "Er ist einer Großen, und das in so vielen Belangen", meinte Coach Jackson. "Sogar in seinen letzten fünf Jahren ist er nochmal ein besserer Spieler geworden."

Nach dieser Saison wird Wolf nach Hause nach Füssen gehen, dort wartet das Schuhgeschäft seiner Familie auf ihn. Er will "ein paar Monate ins Land gehen lassen, und dann schauen wir weiter". Beim Viertliga-Champion EV Füssen war er schon als Spielertrainer im Gespräch, "aber das wird nicht der Fall sein". Also wird man Wolf nicht mehr wiedersehen im Eishockey? "Sag niemals nie", meint er.

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