Kommentar

BVB und Schalke kämpfen beim Derby nicht nur ums Prestige

Daniel Caligiuri (links) und Jacob Bruun Larsen

Daniel Caligiuri (links) und Jacob Bruun Larsen

Essen.  Beide Revierklubs brauchen Punkte: Die Borussia im Titel-, Schalke im Abstiegskampf. Welchen Klub beflügelt der Druck beim Derby? Ein Kommentar.

Man ist als Sportjournalist ja schnell in Versuchung, von einer Wiederauferstehung zu schreiben, wenn eine Mannschaft am Ostersonntag derart deutlich gewinnt, wie es Borussia Dortmund beim SC Freiburg tat. Das wäre im aktuellen Fall natürlich Quatsch, weil der BVB dafür vorher ja hätte hinabsteigen müssen – wenn nicht in das Reich des Todes, dann zumindest in niedere Tabellenregionen. Wer mit einem Punkt Rückstand Tabellenzweiter der Fußball-Bundesliga ist, braucht keine Wiederauferstehung. Ein deutlicher Stimmungsaufheller aber war dieser klare Erfolg in Freiburg allemal, weil er zeigte: Der BVB kann noch deutlich und ohne allzu großes Zittern gewinnen.

Ganz anders die Gemütslage auf Schalke, wo die Passionszeit über die Ostertage hinaus andauert. Natürlich war ein Sieg gegen Hoffenheim in der aktuellen Lage nicht zwingend zu erwarten. Dass es aber eine deutliche Abreibung wurde, trägt nun dazu bei, dass die Ausgangslage vor dem 178. Revierderby am Samstag eindeutig ist wie lange nicht: Der Tabellenzweite, ausgestattet mit reichlich frischem Selbstvertrauen, empfängt den taumelnden Fünfzehnten.

Das Derby bringt immer wieder verrückte Geschichten hervor

Für die 90 Minuten auf dem Platz muss das nicht unbedingt etwas bedeuten, das Derby hat immer wieder verrückte Geschichten hervorgebracht. Wie in der vergangenen Saison, als die in der Tabelle böse abgestürzten Dortmunder wie im Rausch spielten, 4:0 vorne lagen – und diese Führung dann innerhalb von nur 20 Minuten verspielten. Und 2007 war es ja der schwächelnde BVB, der den Königsblauen die Meisterschaft verhagelte – kann das nicht auch andersrum gelingen?

Es ist diese spezielle Konstellation, aus der die aktuelle Auflage des Derbys ihren Reiz bezieht. Von sportlicher Augenhöhe kann keine Rede sein, aber für beide Mannschaften geht es um so viel wie lange nicht: Die Dortmunder brauchen einen Sieg, um Meister werden zu können, die Schalker müssen Punkte im Abstiegskampf sammeln. Wen lähmt diese Ausgangslage, wen beflügelt sie? Das ist die spannendste Frage, je näher der Samstag rückt.

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