Handball

Handball-Trainer Machulla: „Wir sind Opfer unseres Erfolgs

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Flensburg.  Heute spielt Flensburg-Handewitt gegen Kiel um den Supercup. Zuvor spricht Trainer Maik Machulla über die Erwartungshaltung beim Handballklub.

So wirklich hatte keiner mit einem Erfolg von Maik Machulla gerechnet, als der 42-Jährige vor zwei Jahren auf den Trainerstuhl des Handball-Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt aufrückte. Doch der Erfolg spricht für sich: zwei Spielzeiten, zwei Meistertitel. Und nun? „Wir wissen jetzt, wie es geht“, sagt der Trainer, der heute mit seiner Mannschaft in Düsseldorf gegen den THW Kiel (19.30 Uhr/Sky) um den Supercup spielt.

"Titel ist Belohnung für den Verein"

Herr Machulla, Sie sind nun zwei Jahre Trainer der SG Flensburg-Handewitt, haben den Meistertitel gewonnen und dann verteidigt. Hätten Sie damit gerechnet?

Maik Machulla: Nein, so etwas kann man einfach nicht planen, ja nicht einmal erträumen. Es lagen ja 14 meisterlose Jahre hinter uns. Dass es dann so gekommen ist, ist einfach ein Traum, eine Belohnung für den Verein und ein Zeichen dafür, dass wir vieles richtig gemacht haben. Aber die Messlatte haben wir uns damit selbst nun sehr hoch gelegt.

Sie kennen das Sprichwort: Aller guten Dinge…

… sind drei, ja. Wenn es so kommt, werden wir uns sicher nicht wehren. Wir wissen jetzt, wie man Meister wird, wir haben es zweimal erlebt und ich glaube, dass wir bescheiden und mit Demut unseren Job gemacht und uns jeden Tag aufs Neue konzentriert und fokussiert haben. Diesen Weg wollen wir nicht verlassen.

"Wir dürfen uns aber nicht unnötig unter Druck setzen"

Wie ist es denn um die Erwartungshaltung in Flensburg bestellt?

Durch zwei Meisterschaften sind wir schon ein bisschen Opfer unseres eigenen Erfolgs. Der Verein und das Umfeld hegen schon andere Erwartungen an uns. Aber das tun wir als Mannschaft auch selbst. Wir wollen das Optimum rausholen, und das ist nun einmal, am Ende ganz oben zu stehen. Wir dürfen uns aber nicht unnötig unter Druck setzen, sondern sollten wieder mit dem Gefühl in die Saison gehen, dass wir ganz viel erreichen können.

Wen sehen Sie in dieser Spielzeit denn noch mit vorne?

Ganz vorne sehe ich den THW Kiel. Der THW stellt die eingespielteste Mannschaft ohne große personelle Veränderungen, schon die vergangene Saison war eine sehr starke. Dahinter kommen die üblichen Verdächtigen, die dem THW Paroli bieten wollen: die Rhein-Neckar Löwen, der SC Magdeburg, die Füchse Berlin – und wir.

"Die größte Gefahr ist, ein Stück weit zufrieden zu werden"

Und wie motiviert man die Mannschaft nach zwei gewonnen Meisterschaften aufs Neue?

Wir wollen alle große Sportler sein. Große Sportler gewinnen einmal die Meisterschaft. Ganz große Sportler schaffen es auch, diese zu verteidigen. Wir wollen also weiter auf diesem Niveau spielen, und die ganz Großen schaffen es auch, sich immer wieder neue, motivierende Ziele, neue Reize zu setzen, neue Herausforderungen zu suchen und an Dingen zu arbeiten, bei denen es Verbesserungspotenzial gibt. Das ist die größte Herausforderung für jeden Spieler und für mich als Trainer. Die größte Gefahr ist, ein Stück weit zufrieden zu werden. Das ist der Tod einer jeden Mannschaft, damit stoppt man jede Entwicklung. Wir wollen weiter hungrig sein, wir wollen uns individuell und als Team weiter verbessern. Natürlich werden die Spieler und die ganze Mannschaft anders wahrgenommen, wenn man als zweimaliger Champion durch die Liga geht. Da müssen wir dem Druck standhalten und unsere Leistung bringen.

"Düsseldorf ist für uns ein unvergesslicher Ort"

Für den 2007er-Weltmeister Holger Glandorf ist es die letzte Saison als Spieler. Ist das auch für Sie als Trainer eine besondere Situation?

Es gibt ja ganz viele Spieler, die ich schon länger kenne, sei es als Spieler, als Co-Trainer oder nun als Trainer. Mit Holger arbeite ich seit 2001 zusammen, das ist eine lange gemeinsame Reise. Deshalb wollen wir alles tun, dass wir am Ende sagen können: Das war ein guter Abschluss, ein würdiges Karriereende für Holger. Situationen wie diese habe ich in den vergangenen Jahren häufig mitgemacht, nun mit Holger, davor mit Tobias Karlsson und Rasmus Lauge. Das ist immer etwas Besonderes.

Nun spielen sie in Düsseldorf um den Supercup gegen den THW Kiel. Ein guter Test vor dem Start?

Ja, es ist ein interessantes Spiel und es geht um den ersten Titel der Saison, den man freilich nicht zu hoch hängen muss. Nach dem Spiel gegen den ganz großen Meisterschaftsfavoriten wissen wir immerhin, was uns fehlt oder wie weit wir dann doch schon sind. Im vergangenen Jahr konnten wir aus dem Supercup ganz wichtige Schlüsse ziehen und haben danach ganz viel richtig gemacht. Zumal Düsseldorf für uns immer ein unvergesslicher Ort sein wird, nachdem wir dort nach dem Spiel gegen den Bergischen HC unseren zweiten Titel feiern durften.

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