Bundesliga

Leverkusen kann noch gewinnen - aber Bosz ärgert sich

Bayer Leverkusens Trainer Peter Bosz

Bayer Leverkusens Trainer Peter Bosz

Foto: dpa

Leverkusen.  Bayer Leverkusen besiegte Aufsteiger Union Berlin mit 2:0. Bayer-Trainer Peter Bosz aber ärgerte sich aber über den Videobeweis.

Rafal Gikiewicz machte ein ärgerliches Gesicht, dann trat er eine rasche Zeitreise an. „In den ersten 25 Minuten sind wir hier geblieben, vor unserer Kabine“, sagte der polnische Torhüter von Union Berlin und zeigte vor sich auf den Boden. Diese frühe Phase gefühlter Abwesenheit des Gegners genügte Leverkusen, beim 2:0 gegen den Aufsteiger die notwendigen Tore zu erzielen und Frieden mit den zurückliegenden Wochen zu schließen. Drei Mal in Folge hatte die edel besetzte Offensive der Rheinländer zuvor ohne eigenen Treffer Feierabend gemacht, zuletzt zudem in Dortmund und gegen Lokomotive Moskau verloren. „Zehn Punkte – damit sind wir voll dabei. Grundsätzlich können wir mit dem Stand in der Bundesliga zufrieden sein“, erklärte Angreifer Kevin Volland nun.

Schiedsrichter Hartmann hatte ein Alario-Tor annulliert

Auf die „Eisernen“ aus der Hauptstadt trifft das weniger zu. Zwar stehen die Köpenicker im Tableau weiterhin auf einem Nicht-Abstiegsplatz, sind zudem in der Tordifferenz noch um einen (weniger kassierten) Treffer besser als Lokalkonkurrent Hertha BSC. Doch der jüngste Blick in den Spiegel gefiel ihnen überhaupt nicht. „Vor allem am Anfang haben wir alles vermissen lassen, was uns bisher ausgezeichnet hat“, schimpfte Trainer Urs Fischer in der Bayrena. Dazu blätterte Ballfänger Gikiewicz in Gedanken drei Wochen zurück und diagnostizierte: „Mit einer Mentalität wie gegen Dortmund hätten wir hier nicht verloren.“

Dabei beharrte Bayers Chefcoach Peter Bosz darauf, seine Mannschaft habe nicht zwei, sondern drei Treffer erzielt. Der Niederländer wollte nicht akzeptieren, dass Referee Robert Hartmann ein zunächst gegebenes Tor von Lucas Alario aus der 16. Minute per Video-Beweis wieder annulliert hatte. Der Grund: Eine knappe Abseitsstellung von Volland. Kurz darauf trafen Volland und Alario, den Bosz für den eifrigen, oft aber etwas ziellosen Karim Bellarabi in die Startelf beorderte, dann jeweils ein Mal korrekt. Und beide Angreifer profitierten dabei von den kreuzbraven Gästen.

Bei Bayers Aufbaugegner gestattete zunächst Abwehrmann Christopher Trimmel dem bulligen Volland gleich zwei Schussversuche, der zweite passte genau ins rechte untere Toreck. Und fünf Minuten später verzichtete Sheraldo Becker im Mittelfeld auf ein Störmanöver gegen Linksverteidiger Wendell, dessen Zuspiel Alario zum 2:0 verwertete.

„Wir wussten, dass sie Probleme bekommen, wenn wir tief stehen. Aber wenn du tief stehst, musst du auch Zweikämpfe führen und gewinnen“, erwähnte Unions Mittelfeldkraft Robert Andrich das zentrale Dilemma des Neulings – der sich nach der Pause mit dem entgegengesetzten Problem konfrontiert sah: Sebastian Polter musste nach einem üblen Tritt auf das rechte Sprunggelenk von Leverkusens Julian Baumgartlinger mit glatt Rot – und erneut nach Einsatz des Videoassistenten – fünf Minuten nach seiner Einwechslung auch schon wieder vom Platz.

Rote Karte für Sebastian Polter von Union Berlin

Einen Ballkontakt und 340 gelaufene Meter ermittelten die Statistiker für den 28-Jährigen, der später wortlos und mit entschuldigendem Achselzucken Richtung Stadionausgang trottete. „Da sah schon nicht so gut aus“, kommentierte Trainer Fischer Polters Aktion gegen Baumgartlinger, sah darin zwar „keine Absicht, sondern Übereifer“, monierte jedoch übergreifend: „Das war im fünften Spiel die dritte Rote Karte gegen uns. Damit schwächen wir uns, das darf in dieser Häufigkeit nicht passieren.“

Währenddessen jonglierte sein Leverkusener Kollege ein ganz anderes Problem in seinem Kopf herum. „Ich wollte nach der Roten Karte noch ein, zwei Tore mehr sehen. Das ist leider nicht passiert“, erwähnte Peter Bosz, zeigte sich aber gnädig: „Nach drei Spielen ohne Sieg waren die drei Punkte heute das einzige Ziel.“

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