Heimklatsche gegen Hoffenheim

"Spiel zum Vergessen": Schalkes Stevens streicht Ostern

Angefressen: Schalke-Coach Huub Stevens nach der 2:5-Pleite gegen Hoffenheim.

Angefressen: Schalke-Coach Huub Stevens nach der 2:5-Pleite gegen Hoffenheim.

Foto: dpa

Gelsenkirchen  Schalke bleibt nach der zehnten Saison-Heimniederlage in Abstiegsgefahr. Nur die Pleite des Konkurrenten Stuttgart macht den abgestürzten Königsblauen Hoffnung. Von Vorfreude auf das Revierderby ist Nothelfer Huub Stevens dennoch weit entfernt.

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Das Mienenspiel der Trainer drückte die ganze Gemütslage perfekt aus. Hier der Schalker Huub Stevens, der gequält lächelte und mit gesenktem Kopf minutenlang in irgendwelche Unterlagen starrte.

Dort Julian Nagelsmann, der fröhlich konstatieren durfte, dass seine Hoffenheimer auf dem besten Weg sind, den Abgang des 31-Jährigen nach Leipzig mit einem Europacup-Platz zu versüßen.

Sein Hoffenheimer Vorgänger Stevens wirkte angeschlagen nach dem 2:5 (0:2). Spät raffte er sich zu einer kämpferischen Aussage auf - mit einer Warnung an alle Königsblauen. Er, der Interims-Ersatz für Domenico Tedesco, habe "nicht umsonst gesagt, dass dies meine schwierigste Aufgabe ist". Das habe sich bestätigt: "Wenn jemand die Situation unterschätzt, ist er hier nicht richtig."

Der 65-Jährige betrachtet das Dilemma des Tabellen-15. als Kopfsache. "Wenn es zwischen den Ohren nicht gut sitzt, dann geht es auch in die Beine", kommentierte Stevens die zehnte Saison-Heimpleite der Schalker. Verteidiger Benjamin Stambouli erlebte "ein Spiel zum Vergessen". Stevens strich die freien Ostertage, weil er weiß, dass "jedes der kommenden vier Spiele ist für uns schwierig ist".

Am Samstag müssen die Königsblauen zum Meisterschaftsaspiranten Borussia Dortmund, dann spielen sie gegen Augsburg, in Leverkusen und zum möglichen Showdown gegen Stuttgart. Der desolate VfB tat dem Stevens-Team mit dem 0:6 in Augsburg immerhin einen Gefallen: Sechs Punkte Vorsprung und eine um 20 Treffer bessere Tordifferenz lassen den Gelsenkirchenern alle Möglichkeiten, mindestens 15. zu bleiben.

Der aktuelle Zustand der Schalker lässt befürchten, dass nicht mehr viele zu den bislang 27 Zählern hinzukommen. Denn schon nach dem 0:1 durch Ishak Belfodil in der 25. Minute "siehst du, wie die Köpfe runtergehen", bemerkte Stevens ob der augenscheinlich schlechten mentalen Verfassung seiner Mannschaft. Und als Schalke kurz nach dem Rückstand ein mögliches 1:1 verpasste, seien "die Köpfe noch weiter runtergegangen".

Über die auffälligen Defensivschwächen seiner Elf wollte Stevens gar nicht reden, weil er wohl befürchtet, dass zu heftige Schelte das Nervenkostüm noch mehr schädigen könnte. Stattdessen flüchtete sich der Niederländer auf die Frage, ob er sich auf das Derby beim BVB freue, in Sarkasmus: "Ich freue mich so. Wir müssen da hin, und wir müssen dort auch spielen. Glauben Sie mir: Ich habe so viele Gefühle. Derby ist doch super - aber ich hätte es lieber etwas anders gehabt."

Dieses "anders gehabt" machten die Kraichgauer mit abgezockter Effizienz zunichte. Andrej Kramaric (45.), Adam Szalai (65.), Nadiem Amiri (73.) und erneut Belfodil (80.) erhöhten nach dem 1:2 durch Daniel Caligiuris Foulelfmeter (60.) auf 5:1, ehe Guido Burgstaller (90.) vor 58 958 Zuschauern den Schlusspunkt setzte.

Für Schalkes Erstligadebütanten Jonas Carls war es ein ernüchterndes Premierenerlebnis, das der 22-Jährige mit bemerkenswerter Offenheit bilanzierte. In gewissen Phase könne man sehen, "dass wir Fußball spielen können. Aber im Endeffekt reicht es leider nicht aus." In diesen Sätzen offenbart sich der dramatische Absturz eines Teams, das im Vorjahr Zweiter war - und nun mit Abstiegsangst ins Revierderby geht. "Wir müssen in diesem Spiel an unsere Grenzen gehen", forderte der Franzose vor dem Gastspiel beim BVB die Besinnung auf alte Schalker Tugenden: harte Arbeit und Kampf bis zum Letzten.

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