Bundesliga

Trotz Coutinho: Dem FC Bayern droht ein Stolperstart

Sinnbildlich für den Start: Bayern-Star Thomas Müller liegt nach einer vergebenen Torchance am Boden.

Sinnbildlich für den Start: Bayern-Star Thomas Müller liegt nach einer vergebenen Torchance am Boden.

Foto: dpa

München.  Serienmeister FC Bayern München ist mit einem enttäuschenden 2:2-Remis gegen Hertha BSC in die Saison gestartet. Das Kovac-Team hat Probleme.

Noch in der Pressekonferenz war Niko Kovac bemüht, alle Zweifel an seiner Mannschaft zu zerstreuen. Das enttäuschende 2:2 (1:2) zum Saisonauftakt gegen Hertha BSC sollte keine Spuren hinterlassen. “Ich kann keinem Spieler einen Vorwurf machen”, sagte der Trainer des FC Bayern stoisch. “Wir hatten genügend Chancen. Nur der letzte Pass hat immer gefehlt.”

Dass Bayern München haarscharf an einer Blamage vorbei schrammte und Hertha BSC allein wegen eines Elfmeters die Sensation verpasste, ignorierte Kovac einfach. So leicht ließ ihn Kollege Ante Covic aber nicht davonkommen. “Die Nadelstiche, die wir in der ersten Halbzeit gesetzt haben, haben nahezu alle gesessen”, sagte der neue Hertha-Trainer.

Dodi Lukebakio (36.) und Marko Grujic (39.) zerstörten die Bayern-Freude über das erwartete Führungstor von Robert Lewandowski (24.). Erst ein Strafstoß, den Grujic an Lewandowski verschuldet hatte und den der Gefoulte selbst verwandelte (60.), rettete Bayern einen Punkt. Covic: “So ein billiges Tor zu bekommen, ist doppelt ärgerlich.”

Vermutlich wären beim FC Bayern die Gründe für die offensichtliche Abschlussschwäche und den drohenden Stolperstart, den der Meister zwei Wochen Wochen zuvor mit dem 0:2 im Supercup gegen Borussia Dortmund eingeleitet hat, in aller Öffentlichkeit vertieft worden, wenn nicht gleichzeitig die erhoffte Verpflichtung eines Starspielers publik geworden wäre.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic ging mit der Nachricht vom bevorstehenden Transfer des Brasilianers Philippe Coutinho - entgegen aller Gewohnheit - so offensiv hausieren, noch bevor alle Details geklärt sind, dass sich der Eindruck aufdrängte: Da will jemand das Thema wechseln. Der Angreifer kostet 20 Mio. Euro Leihgebühr und soll nächste Woche loslegen.

Nur lässt sich die Verunsicherung, die eine nicht abgeschlossene Kaderplanung in einer Mannschaft bewirkt, nicht auf Dauer unterdrücken. Der Portugiese Renato Sanches, einer der besten Mittelfeldspieler in der Vorbereitung, durfte nur fünf Minuten gegen Hertha BSC spielen und erneuerte deshalb seinen Fluchtversuch.

“Die Situation ist nicht gut für mich. Fünf Minuten, das ist zu wenig für mich”, sagte Sanches in der Interviewzone. “Ich habe den Klub erneut gebeten, wechseln zu dürfen. Aber man lässt mich nicht.” Salihamidzic kann ihn nicht gehen lassen. Er hat eh zu wenig Spieler und ist schon froh, das Talent Michael Cuisance (20) aus Mönchengladbach holen zu können.

Ein paar Minuten später lief im Hintergrund Jerome Boateng durch die Katakomben der Allianz-Arena, der Weltmeister von 2014. Auch er war für seine Vorbereitung gelobt worden und spielte nicht eine Sekunde. Anders als Sanches sagte er kein Wort. Aber sein betont starrer Gesichtsausdruck verriet die Stimmung. Er sieht keine Zukunft beim FC Bayern.

In solchen Momenten ist mit Händen zu greifen, wie eine ungeklärte Hierarchie sogar ein Spitzenteam belastet. Der Punktverlust gegen Hertha ist die Quittung, dass es zum Wunschspieler Leroy Sané keine Alternative gab. In der Startelf stand nur ein Neuzugang: Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart, ein Innenverteidiger.

Spekulationen um Leroy Sané beendet

Um Ruhe und vor allem Ordnung in die etwas verworrene Transferpolitik des FC Bayern zu bringen, sprach Karl-Heinz Rummenigge so eine Art Machtwort: Der ehemalige Schalker Sané, bei Manchester City seit Anfang August schwer am Knie verletzt, kommt nicht. “Nein, Leute. Jeder weiß, was ein Kreuzbandriss bedeutet und was die Ausfallzeit betrifft.”

Mit diesem Satz beendete Rummenigge die Spekulation, dass Bayern München den deutschen Nationalspieler in diesem Sommer langfristig bindet und die Wartezeit bis zur Genesung mit den jetzt zwei ausgeliehenen Zugängen Ivan Perisic (Inter Mailand) und eben Coutinho (FC Barcelona) nur überbrückt. Seine Mannschaft braucht Klarheit.

Rummenigge selbst hatte die Coutinho-Personalie zur Chefsache erklärt, damit nichts schiefgeht, und flog mit Salihamidzic zu den Verhandlungen nach Barcelona. “Ich habe ein sehr freundschaftliches Verhältnis mit dem Präsidenten von Barcelona. Das war jetzt vielleicht ein bisschen hilfreich.”

Erst in einem Jahr muss Bayern entscheiden, ob sie Coutinho, vor zwei Jahren 160 Mio. Euro teuer, kaufen. “Er wird das Offensiv-Potenzial, das wir haben, mit seiner technischen Qualität aufwerten”, betonte Rummenigge. Zwei Wochen bleiben Bayern, weitere Verstärkung an Land zu ziehen. Solange muss Trainer Kovac seine Profis bei Laune halten.

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