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BVB-Boss Watzke kündigt nach Blamage genaue Analyse an

Enttäuscht: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke beim 0:4 in München.

Enttäuscht: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke beim 0:4 in München.

Foto: imago

München.  Bei Borussia Dortmund hapert es an vielen Stellen. Ausgerechnet im Topspiel beim FC Bayern spielte der BVB körper- und ideenlos.

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Womit beginnt man eine Geschichte, die schon oft erzählt wurde? Vielleicht mit einer Begegnung, die so noch nicht stattgefunden hat. Während Mats Hummels nämlich versuchte, in den Tiefen des Münchener Stadions Gründe für die 0:4-Schmach von Borussia Dortmund beim FC Bayern zu finden, umarmte ihn plötzlich Franck Ribéry. „Moment“, sagte Hummels, um die Liebkosungen seinerseits zu erwidern.

Der BVB-Verteidiger trug dabei einen schwarz-gelben Trainingsanzug. Ribéry stolzierte in einem sündhaft teuren Outfit umher, das nur trägt, wer goldene Steaks verputzt. Vor allem aber hatten beide keine Bayern-Klamotten mehr an so wie in der jüngeren Vergangenheit, als die Geschichte von der Dortmunder Blamage in München bereits mehrmals erzählt werden musste. 1:5, 1:4, 0:6, 0:5 und nun 0:4 – so lautet die Bilanz der vergangenen Bundesliga-Auftritte des Revierklubs im Süden Deutschlands.

BVB-Innenverteidiger Hummels wehrt sich vergeblich

Die Voraussetzungen können sich also ändern. Die Dortmunder können Millionen investieren, sie können ihre Trainer tauschen, sie können wuchtige Worte („Männerfußball“) vor dem Anpfiff wählen. Am Ende rutscht den Schwarz-Gelben doch wieder das Herz in die Hose, wenn sie Weißwurst riechen. Dass Hummels 2015 beim Beginn der blamablen Serie noch zum Dortmunder Kader gehört hatte, bevor er nach München wechselte und wieder zurückkehrte, bestätigt diese Beobachtung nur.

Allerdings war der Weltmeister von 2014 der einzige Feldspieler, der sich sichtlich gegen das drohende Unheil stemmte. Die anderen Borussen verschreckten durch einen körperlosen Auftritt, hängende Schultern, dramatische Patzer. Jadon Sancho stürzte sich in Dribblings, die er nicht gewinnen konnte und wurde schon in der 36. Minute von Trainer Lucien Favre ausgewechselt. Achraf Hakimi vergaß die Defensivarbeit. Manuel Akanji rückte in falsche Räume. Julian Brandt spielte Fehlpass um Fehlpass. Die BVB-Anhänger waren derart verstört, dass sie ihre Elf mit wütenden Gesichtern auspfiffen.

Ex-BVB-Stürmer Lewandowski trifft zweimal für den FC Bayern

Denn eigentlich erschienen ja die Münchener im Vorfeld als die Mannschaft mit Problemen. Nun aber nutzten sie ihre drückende Überlegenheit für die Treffer von Robert Lewandowski (17., 76.) und Serge Gnabry (49.). Ausgerechnet Hummels traf noch ins eigene Netz (80.). Der FC Bayern zieht dadurch in der Tabelle wieder an Dortmund vorbei. Es ist aber vor allem die Art und Weise der Niederlage, die beim BVB erneut Grundsätzliches ins Wanken bringt.

Die drei Siege zuletzt verblassen unter dem Eindruck dieser „Nichtleistung“, wie Sportdirektor Michael Zorc den Auftritt beschrieb. Intern reift die Erkenntnis, dass die mit über 100 Millionen Euro verstärkte Elf doch keine für die großen Spiele ist. Ein Anführer (Hummels) reiche nicht, ist zu hören. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kündigte im Gespräch mit dieser Zeitung eine Aufarbeitung der Geschehnisse an. „Ich verstehe die Reaktion der Fans“, meinte er. „Jegliche Kritik, die jetzt auf uns einprasselt, ist berechtigt. Ich werde mich in der kommenden Woche im Rahmen unserer Runde mit der sportlichen Leitung zusammensetzen. Wir werden den Ist-Zustand genau analysieren.“

Dabei dürfte eine Feststellung sein, dass es an der taktischen Abstimmung hapert. Wie eine Raupe sollten sich die Defensive und die Offensive auf dem Feld normalerweise verhalten. Schiebt der Angriff vor, rückt die Defensive nach – und umgekehrt. Der BVB aber war konfus, im Zentrum klafften riesige Löcher. Axel Witsel räumte ein, dass er immer das Gefühl gehabt habe, in Unterzahl zu sein. Was kein gutes Licht auf den sichtlich geschockten Favre wirft – die Verantwortlichen nahmen den Trainer aber in Schutz.

An der Abstimmung kann Favre in der kommenden Länderspielpause jedoch kaum tüfteln. Der Großteil der Mannschaft wird verreisen. Beim kommenden Heimspiel gegen den SC Paderborn (22. November) muss seine Elf trotzdem eine Reaktion zeigen. Damit die Geschichte dieser BVB-Saison vielleicht doch noch eine positive Erzählung wird.

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