Kommentar

BVB-Stars sollten sich schämen – Zorc kann einem leid tun

Das Gesicht spricht Bände: BVB-Sportdirektor Michael Zorc bei der 0:4-Niederlage in München.

Das Gesicht spricht Bände: BVB-Sportdirektor Michael Zorc bei der 0:4-Niederlage in München.

Foto: Foto: Marcel Engelbrecht / firo Sportphoto

Essen.  Für seinen unglücklichen Begriff Männerfußball hatte BVB-Sportdirektor Zorc Kritik einstecken müssen. In der Sache lag er richtig. Ein Kommentar.

Die 90. Minute lief, als Hohngesang aus dem Bayern-Block erklang: „Gegen Bayern kann man mal verlier’n.“ Ja, klar, kann man.

Aber doch nicht so!

Borussia Dortmund hat sich in München vorführen lassen. Wieder einmal, wie in den vier Spielzeiten zuvor. Zynisch formuliert war diesmal sogar eine Verbesserung zu erkennen. Beim vorletzten Mal gab es ein 0:6, beim letzten Mal ein 0:5, diesmal nur ein 0:4. Hält diese Serie, kann sich der BVB schon mal für die Saison 23/24 vornehmen, ein 0:0 bei den Bayern zu holen.

Michael Zorc kann einem nur leid tun. Der Begriff Männerfußball, den der Sportdirektor vor dem Spiel eingeworfen hatte, wurde von vielen ins Lächerliche gezogen, weil er so furchtbar antiquiert klang. Aber das Gegenteil von Männerfußball ist eben nicht Frauenfußball, sondern Angsthasenfußball. Zorcs Forderung war doch berechtigt, auch wenn sie Trainer Lucien Favre nicht gefallen haben mag.

Die Bayern haben gezeigt, wer gewinnen wollte

Es ist doch wieder das passiert, was die Dortmunder unbedingt vermeiden wollten. Die Bayern haben ihnen von der ersten Minute an gezeigt, wer diese Partie unbedingt gewinnen wollte. Sie spielten mit Leidenschaft und mit taktischer Ordnung, sie halfen sich gegenseitig und demonstrierten beeindruckend ihre individuellen Qualitäten. Die Borussen waren dem nicht gewachsen. Sie ließen sich einschüchtern – das ist erschreckend.

Es ist zu früh in dieser Saison, um zuverlässig voraussagen zu können, dass sich die Dortmunder von ihren Meisterschafts-Ambitionen verabschieden müssen. In dieser instabilen Verfassung allerdings wird der BVB ganz sicher nicht um den Titel spielen. Es fehlt eine klare Linie, es fehlt Verlässlichkeit.

Auch Favre hat den Befreiungsschlag verpasst

Natürlich gerät nach einem dermaßen peinlichen Auftritt auch Trainer Lucien Favre wieder in Bedrängnis. Ihm kommt die Pause durch die beiden Länderspiele so gelegen wie eine Magen-Darm-Verstimmung im Urlaub. Denn jetzt hält die Diskussion, die im Kern immer noch um das ungeliebte Wort Mentalität kreist, zwei Wochen lang an. Auch wenn sich vor allem die Profis schämen sollten, die sich in so einem wichtigen Spiel versteckt haben: Einen Befreiungsschlag hat auch Favre in München verpasst.

Die Bayern hingegen haben nach dem Trainerwechsel mal kurz den bisher stotternden Motor angeworfen. Hansi Flick hat es verdient, dass er vorerst weitermachen darf. Er hat die zaudernden Künstler auf die Bank gesetzt und Spielern vertraut, die so auftraten, wie es sich Michael Zorc von den BVB-Profis gewünscht hatte: beherzt, mutig, zielstrebig, siegesgewiss. Wenn man es nicht zu eng sieht, darf man das auch Männerfußball nennen.

Leserkommentare (8) Kommentar schreiben