Borussia Dortmund

BVB-Trainer Edin Terzic eröffnet die Mentalitätsdebatte von selbst

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Edin Terzic, BVB-Trainer, in Köln.

Edin Terzic, BVB-Trainer, in Köln.

Foto: Getty Images

Köln/Dortmund.  Dortmunds Edin Terzic verschärft nach dem 2:3 in Köln den Ton gegenüber seinen Profis. Jetzt folgen entscheidende Spiele für den BVB.

Am Sonntagvormittag, einen Tag nach dem bitteren Erlebnis in Köln, versammelten sich die Dortmunder wieder auf dem BVB-Trainingsgelände in Brackel. Auch heute wird gearbeitet, schon am Dienstag steht die Reise nach Sevilla an. Zeit, um durchzupusten, bleibt nicht in diesem Oktober, in den sich so viele Termine quetschen wie selten. „Wir haben nur noch wichtige Aufgaben“, sagt Borussia Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl im Gespräch mit dieser Redaktion. „Natürlich spüren wir Druck, aber wir haben die Möglichkeit, viel zu gewinnen.“

Nur dürfte die 2:3 (1:0)-Niederlage beim 1. FC Köln das Selbstbewusstsein angekratzt haben. Die Dortmunder rutschten in Köln ausgerechnet vor einer Phase aus, in der es darum geht, die Grundlage dafür zu legen, dass diese Saison mitreißender verläuft als die vergangene. Es folgen Spiele gegen Sevilla, Bayern München, wieder Sevilla und Union Berlin.

BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl: „Nicht erklärbar“

Wohl auch deswegen verschärfte Edin Terzic den Ton. „Heute war es wieder einmal sehr sichtbar, woran es seit Jahren hapert, um konstant oben anzuklopfen“, schimpfte der 39-Jährige. „Wir waren nicht bereit, die letzten drei, vier Schritte zu gehen. Das ärgert uns gewaltig.“ Die Mentalitätsdebatte, die den Klub seit Jahren begleitet, muss diesmal also gar nicht von außen an die Dortmunder herangetragen werden. Der Trainer machte sie nach dem Rückschlag in Köln selbst auf. Was an dem plötzlichen Einbruch in der zweiten Halbzeit lag.

In den ersten 45 Minuten kontrollierte die Borussia das Geschehen weitestgehend, sie hätte weitere Tore erzielen können. Donyell Malen vermasselte seine aussichtsreichen Gelegenheiten (27./41.), Karim Adeyemi scheiterte mit zwei Distanzschüssen (33./34.). Nur Julian Brandt traf, nachdem Thomas Meunier den Ball erobert hatte und dieser über Adeyemi und Jude Bellingham beim Nationalspieler gelandet war (31.). „In der ersten Halbzeit haben wir super gespielt, da können wir uns keinen großen Vorwurf machen“, meinte Torhüter Alexander Meyer, erneut Vertreter des verletzten Gregor Kobel. Doch: „Unser Auftreten nach der Halbzeit geht gar nicht. Viele waren mit sich selbst beschäftigt“, meinte Meyer. „Hätten wir es als Team verteidigt, hätte es Köln viel schwerer gehabt.“

So aber schwappte die Partie in die andere Richtung, nach der Pause wurde die Borussia plötzlich in die eigene Hälfte gedrängt. Es fehlte an Gegenwehr, an Härte, an Einsatz. „Wir haben 20 Minuten lang nicht stattgefunden. Das ist nicht erklärbar“, meint Sebastian Kehl. Dadurch drehten Florian Kainz (53.), der ehemalige Dortmunder Steffen Tigges (56.) und Dejan Ljubicic (71.) das Spiel. „Wir hatten die Möglichkeit, alle Gegentore zu verhindern. Köln hat nichts Überraschendes gemacht“, bemängelt Kehl.

Bei der Entstehung des ersten Gegentreffers schauten Brandt, Meunier und Adeyemi auf der rechten Seite nur zu. Beim zweiten schaffte es Nico Schlotterbeck nicht, Tigges nach einem Eckball am Kopf zu hindern. Beim dritten klaffte eine große Lücke im Mittelfeld, zudem hätte Niklas Süle den Torschützen Ljubicic konsequenter bedrängen müssen. Das Eigentor von Benno Schmitz, der die Flanke des eingewechselten Tom Rothe abfälschte, half dem BVB nicht mehr.

BVB-Stürmer Anthony Modeste bleibt in Köln ungefährlich

Und Anthony Modeste? Auf den schauten vor dem Anpfiff die meisten, schließlich spielte er erstmals seit seinem Wechsel vom FC nach Dortmund in Köln. Die Heimfans pfiffen den Franzosen aus, entrollten ein Banner mit der Aufschrift „Der Kopf denkt – die Gier lenkt“. Während der Spiels trat Modeste (Note 5 in der Einzelkritik) dann allerdings kaum noch in Erscheinung, erneut erzeugte der Angreifer kaum Torgefahr.

Nun hofft der BVB darauf, dass sich vor dem Champions-League-Spiel am Mittwoch (21 Uhr/DAZN) beim FC Sevilla die Ausfallliste leert. Acht Profis fehlten in Köln, darunter die beiden Kapitäne Marco Reus (Sprunggelenkverletzung) und Mats Hummels (Erkältung). Jude Bellingham zog sich die Binde über den linken Arm. „Ich hoffe, dass er eine oder andere zurückkommt, gerade die Erkälteten wie Marius Wolf und Mats Hummels“, sagt Sebastian Kehl. „Aber die Niederlage in Köln lag nicht an unseren Ausfällen, das muss man klar festhalten.“

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