BVB

Der BVB erzeugt wieder Bilder, die sie in Dortmund lieben

Achraf Hakimi hüpft nach seinem Treffer zum 3:2 auf die BVB-Werbebande und verharrt vor den tobenden Fans.

Achraf Hakimi hüpft nach seinem Treffer zum 3:2 auf die BVB-Werbebande und verharrt vor den tobenden Fans.

Foto: Getty Images

Dortmund.   Beim großen Sieg über Inter Mailand verzückt Achraf Hakimi. Der BVB-Erfolg stärkt Trainer Lucien Favre vor dem Bayern-Spiel.

Vermutlich hatte Achraf Hakimi nicht mehr damit gerechnet, so spät noch auf seinen Trainer zu treffen. Doch als der 21-Jährige kurz vor Mitternacht mit breiten Schultern und einem Siegerlächeln aus dem Dortmunder Stadion schlenderte, stand plötzlich Lucien Favre vor ihm, der gerade von der Pressekonferenz kam. Ein kurzes Gespräch, ein kurzer Händedruck. „Aber schön schlafen gehen“, forderte Favre noch, dann trennten sich die Wege der beiden, für die dieser Abend ein besonderer war.

Für Hakimi, weil er beim denkwürdigen 3:2 (0:2) gegen Inter Mailand seine Champions-League-Saisontore drei und vier erzielte und wohl seine bislang herausragendste Leistung im Dortmunder Trikot zeigte. Für Favre, weil die Aufholjagd zahlreiche Bilder erzeugte, die sie beim Revierklub lieben.

BVB-Trainer Favre: von wegen emotionslos

Etwa das von Hakimi, der nach seinem Treffer zum 3:2 auf die Werbebande hüpfte und mit ausgestreckten Armen vor den tobenden Anhängern verharrte.

Oder das von Axel Witsel, der während der zweiten 45 Minuten immer wieder die Fans animierte, noch lauter zu schreien.

Und schließlich das von Favre selbst, den es in der Nachspielzeit nicht mehr in seiner Coaching Zone hielt, der deswegen bei seinen Anweisungen auf den Rasen hüpfte und vom Vierten Offiziellen Kevin Blom eingefangen werden musste. Häufig wurde Favre Emotionslosigkeit vorgeworfen, nun fuchtelte, gestikulierte und jubelte er sich ein Stückchen mehr in die Herzen der Anhänger. Dieser Erfolg festigt den Job des BVB-Trainers vor dem Bundesliga-Spitzenspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) beim FC Bayern wie eine Tube Sekundenkleber. Denn die Art und Weise, mit der die Borussia die Inter-Tore von Lautaro Martinez (5.) und Matias Vecino (40.) durch Hakimi (51./77.) und Julian Brandt (64.) aufholte, war so spektakulär, wie Fußball in Dortmund sein soll.

„Das war richtiger BVB-Fußball“, schwärmte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung. „Wir waren eklig, wir waren immer dran. Die Fans im Stadion hatten eine Menge Spaß“, sagte Julian Brandt.

BVB-Profi Hakimi: Gier und Verrücktheit

Dabei steht vor allem Hakimi sinnbildlich für die Verfassung der Dortmunder Elf, die gerade dabei ist, sich nach den vielen Rückschlägen zum Saisonstart zu festigen.

Der von Real Madrid ausgeliehene Rechtsverteidiger versteht es, in vielen Phasen mit seiner Wucht, seinem Tempo zu verzücken. „Er bringt uns diese Gier, diese Verrücktheit“, lobte Kehl. „Das hat er heute sehr, sehr gut gemacht“, sagte Favre. „Er ist unberechenbar mit seinem Speed“, erklärte Mario Götze.

Genauso kann es allerdings passieren, dass Hakimi mit katastrophalen Fehlern verschreckt. Wie seine Kollegen schwankt er zwischen Hoch und Tief.

Nun bleibt abzuwarten, wie sich der BVB nach diesem großen Schritt in Richtung Champions-League-Achtelfinale am Samstag in München präsentiert. Mit einem Erfolg gegen den FC Bayern würde der Revierklub die Kritiker erstmal verstummen lassen. „Wir haben in den vergangenen Jahren dort häufiger eine richtige Klatsche bekommen“, sagte Kehl. „Diesmal müssen wir ähnlich mutig auftreten wie heute in der zweiten Halbzeit.“ Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke verkündete am Dienstag: „Wir sind bereit für den Clásico.“

Sancho droht beim BVB auszufallen

Blöd nur, dass in München erneut Kapitän Marco Reus (Sprunggelenk) auszufallen droht. Über den Einsatz von Jadon Sancho (Oberschenkelzerrung) wird zudem erst kurzfristig entschieden.

Sollte der Engländer ausfallen, wird Hakimi gegen die Bayern vermutlich in der Offensive auflaufen, in der er zuletzt ebenfalls überzeugt hat. „Ich habe viel gearbeitet und freue mich einfach, dass ich der Mannschaft mit meinen Toren so helfen konnte“, sagte der Gefeierte, bevor er das Stadion verließ.

Um zu Hause, sollte er auf seinen Trainer gehört haben, schön schlafen zu gehen.

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