Jugendfußball

DFB-Debatte: Warum Hannes Wolf BVB-Boss Watzke dankt

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DFB-Direktor Hannes Wolf hat das neue Nachwuchskonzept vorgestellt.

DFB-Direktor Hannes Wolf hat das neue Nachwuchskonzept vorgestellt.

Foto: dpa

Frankfurt.  DFB-Nachwuchsdirektor Hannes Wolf erklärt, warum er die Kritik an den Reformen hilfreich findet. BVB-Boss Watzke hatte deutliche Worte gefunden.

Die Kontaktaufnahme war nicht schwierig, die Protagonisten kennen einander seit vielen Jahren: Hannes Wolf war viele Jahre sehr erfolgreicher Nachwuchstrainer von Borussia Dortmund unter Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Und so kam es schnell zu zwei klärenden Telefonaten, nachdem Watzke massiven Wirbel ausgelöst hatte mit seiner Kritik an der Reform, die der Deutsche Fußball-Bund im Kinder- und Jugendfußball plant. „Unfassbar“ sei die und ein „grundsätzlich falscher Ansatz“.

Das sorgte für mächtigen Ärger, weil Watzke auch 1. Vizepräsident des DFB ist. Im Verband reagierten viele angesäuert bis entsetzt – aber zwei Telefonate später soll alles gar nicht mehr so schlimm sein: „Er hat eine Debatte eröffnet“, sagt Wolf, der die Reform als noch recht frischer DFB-Direktor für Nachwuchs, Training und Entwicklung verantwortet. „Dass nun so viele Menschen darüber reden, ist ein Riesengewinn.“

Der deutsche Fußball hat den Anschluss verloren

Denn Wolf und seine Mitstreiter im Verband haben sich einiges vorgenommen, aus gutem Grund: Der deutsche Fußball hat den Anschluss an die Weltspitze verloren, gerade auch im Nachwuchsbereich. Belgien bringt mit halb so vielen Einwohnern wie Nordrhein-Westfalen deutlich mehr Stars hervor, in der U21 kommen Engländer und Franzosen auf deutlich mehr Einsatzzeiten in den heimischen Profiligen als der deutsche Nachwuchs.

Auch weil Talente verhindert werden, weil sie im Training oft herumstehen und selten am Ball sind. Deswegen setzt der DFB auf kleinere Spielformen, im Training wie an Spieltagen. Zwei gegen zwei oder drei gegen drei, mal mit Torhüter, mal ohne. So ist jedes Kind viel öfter am Ball, viel öfter in Aktion, muss passen, dribbeln, Zweikämpfe führen, sich freilaufen und verteidigen.

Und am Wochenende treffen statt zwei Teams aus zwei Vereinen mehrere Mannschaften aufeinander und tragen ganze Turniere mit vielen kurzen Spielen aus. Die Sieger rücken einen Platz auf, die Verlierer einen zurück – Tabellen gibt es dann nicht mehr, dafür werden Technik und Widerstandsfähigkeit viel intensiver geschult.

DFB hinkt wieder einmal hinterher

In den Nachwuchsleistungszentren der Profiklubs ist die Zustimmung zu den Reformplänen groß, an der Basis tut man sich schwerer mit der Umstellung, weshalb Wolf & Co. nun viel Energie in Fortbildungen und Lehrvideos stecken – unter anderem mit Sandro Wagner, eher unverdächtig, ein verkopfter Theoretiker zu sein. Die kleinen Spielformen seien „für mich die größte Entdeckung der letzten drei Wochen“, sagt der neue Nationalmannschafts-Co-Trainer, was dem Fachmann Wolf ein Schmunzeln entlockt: In anderen Ländern wird ja schon seit Jahren damit gearbeitet – aber im DFB dauern die Dinge manchmal eben etwas länger.

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