Borussia Dortmund

Lucien Favre verwandelt beim BVB alles zu Gold

Spieler von Borussia Dortmund  feiern in Monaco

Spieler von Borussia Dortmund feiern in Monaco

Foto: Reuters

Monaco.  Die Dortmunder setzten ihren Lauf beim Champions-League-Spiel in Monaco fort. Für Sebastian Kehl sind die Erfolge kein Zufall

Es bedarf viel, damit Hans-Joachim Watzke wirkt als sei er von etwas tatsächlich hingerissen. Und tatsächlich war der erste Impuls des Geschäftsführers von Borussia Dortmund die eigene Maßregelung. „Wir brauchen uns jetzt nicht die ganze Zeit selbst zu feiern“, sagte der BVB-Boss nach dem 2:0 (1:0)-Sieg zum Abschluss der Champions-League-Vorrunde bei der AS Monaco. Watzke gilt als jemand, der mit großer Leidenschaft und ebenso großem Misstrauen jedem noch so schönen Trend widerstehen kann und will. Aber nicht in diesem Moment. „Es ist natürlich alles gerade traumhaft“, sagte er und gab sich der Schönheit des Moments hin.

Erinnerungen an den Anschlag

Das erzählt etwas über diesen Klub. Watzke selbst lieferte den Handlungsstrang, als er die gegenwärtige Leichtigkeit mit einer schmerzlichen Zeit verglich. „Wir haben speziell in der Zeit nach dem Anschlag lange gelitten. Vielleicht ist Monaco der Bogen, um die Sache abzuschließen.“

Monaco war der Gegner, gegen den der BVB vor anderthalb Jahren unter dem Eindruck eines Sprengstoffanschlags im Viertelfinale der Champions League ausschied. Eine Zeit, in der der Verein für jedermann sichtbar in Lager aufgesplittert war, in der er keine Ruhe und keine sportliche Kontinuität mehr fand. Bis Trainer Lucien Favre im Sommer kam und seitdem alles zu Gold verwandelte, was er anfasste. Dieser glanzlose Sieg in Monaco taugte somit zumindest dem Chef als eine Art abschließende Traumabewältigung.

Auch Reservisten führen den BVB zum Erfolg

Denn im Hier und Jetzt scheint Schwarz und Gelb tatsächlich alles wie von selbst zu gelingen. „Lucien hat einen Lauf“, sagte Watzke fast ein bisschen ungläubig, weil sein Trainer sich dazu entschieden hatte, auf die bestmögliche Elf zu verzichten, um deren Kräfte für die letzten drei Bundesligaspiele in diesem Jahr zu schonen. Am Samstag (18.30 Uhr/Sky) geht es schon wieder gegen Werder Bremen. Doch die Reservisten sorgten wie selbstverständlich für den Erfolg, der die Borussia als Gruppensieger ins Achtelfinale führt. Möglicher Gegner dort: der FC Liverpool mit Ex-Trainer Jürgen Klopp. „Liverpool müsste es in der nächsten Runde nicht unbedingt schon sein“, sagt Watzke. Aber diese Überlegung kann die Gesamtlage nicht einmal im Ansatz eintrüben.

Fünf Spiele ohne Gegentor

Platz eins in der Liga, Sieg gegen Bayern, Sieg gegen Schalke, am Samstag mit einem Sieg Herbstmeister, im Pokal in der nächsten Runde, in der Champions League auf Platz eins – und mit einem neuen Rekord. Keiner deutschen Mannschaft war es zuvor gelungen, in der Vorrunde fünf Mal ohne Gegentor zu bleiben. Kein Klub in der Königsklasse hat eine bessere Abwehr als der BVB (zwei Gegentore). Kein Zufall. Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung, betont, „wie wichtig die Defensive ist, wie sehr wir seit dem Sommer daran gearbeitet haben, wie stark der Trainer das im Training in den Fokus setzt. Das zahlt sich aus. Die Abläufe funktionieren sehr, sehr gut. Wir stehen sehr kompakt und lassen wenig zu.“

Guerreiro ragt beim BVB heraus

Und das unabhängig von der Besetzung. Wer auch immer gerade in die Mannschaft rückt, liefert seine Leistung mindestens ausreichend ab. Immer wieder brachten in der Vergangenheit die Impulse von der Bank entscheidende Momente in laufenden Spielen. Dieses Mal mussten die sonstigen Reservisten als Kollektiv von Beginn an funktionieren. Raphael Guerreiro ragte gegen ein erschreckend schwaches Monaco als Doppeltorschütze heraus. Schon vier Saisontreffer hat der verletzungsanfällige Portugiese in der Königsklasse erzielt.

Es sind die vielen kleinen Dinge, die das große Ganze gerade so hübsch aussehen lassen. Und auch Watzke so zufrieden stellen. „Wir haben gesehen, dass der zweite Anzug passt. Diese Breite im Kader ist eine große Stärke“, meinte er und feierte den Moment dann doch ein bisschen: „Wichtig ist, dass wir nach dem erbärmlichen letzten Jahr wieder eine deutliche Visitenkarte in Europa abgegeben haben.“

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