Borussia Dortmund

Nico und Keven Schlotterbeck: Zwei Brüder, zwei Welten

| Lesedauer: 5 Minuten
Nico Schlotterbeck (links) trägt das BVB-Trikot, sein Bruder Keven steht in Freiburg unter Vertrag.

Nico Schlotterbeck (links) trägt das BVB-Trikot, sein Bruder Keven steht in Freiburg unter Vertrag.

Foto: imago/firo

Dortmund/Freiburg.  Nico Schlotterbeck soll beim BVB einer der führenden Verteidiger in Deutschland werden. Sein Bruder Keven kennt auch Schattenseiten.

Eine wichtige Entscheidung bleibt Susanne und Marc Schlotterbeck an diesem Freitag erspart. Nämlich die, wie sich aufteilen, um die Spiele ihrer beiden Söhne zu verfolgen. Am Freitag (20.30 Uhr/DAZN), wenn der SC Freiburg auf Borussia Dortmund trifft, müssen sie nur auf einer Tribüne sitzen, also im neuen Freiburger Stadion Platz nehmen, um ihre Kinder zu sehen.

Der eine, Keven Schlotterbeck (25), steht beim Gastgeber unter Vertrag. Der andere, Nico Schlotterbeck (22), deutet gerade an, dass er sich in Dortmund zu einem der führenden deutschen Verteidiger entwickeln könnte.

Zwei Brüder, zwei Welten.

Nico Schlotterbeck ließ sich der BVB 20 Millionen Euro kosten

Denn zur Familiengeschichte gehört auch, dass an beiden Sprösslingen, geboren im württembergischen Waiblingen nahe Stuttgart, deutlich wird, welche unterschiedlichen Wege in die Bundesliga führen können. Keven Schlotterbeck holperte über Umwege in den Profifußball, sein jüngerer Bruder hingegen rauscht, als hätten Karriereplaner die Route gezeichnet, nur so nach oben.

In der vergangenen Saison festigte Nico Schlotterbeck noch die Verteidigung des SC Freiburg. Sein Bruder Keven schaute meist von der Bank aus zu, wie Nico all die Fähigkeiten einbrachte, die ein moderner Innenverteidiger mitbringen sollte. Robustheit, Ballsicherheit, Tempo. Früher hätte einer wie er vermutlich weiter vorne Spektakel erzeugen sollen. Stattdessen löst sich er sich jetzt hinten aus der Umklammerung seiner Gegenspieler manchmal einfach durch ein Dribbling. Angst vor einem Ballverlust scheint er keine zu haben – wobei ihm dadurch immer mal wieder Fehler unterlaufen. Bundestrainer Hansi Flick hat dies längst registriert, unter ihm gehört der Abwehrspieler zum festen Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft.

Er freue sich nun auf das Wiedersehen in Freiburg, berichtete Nico Schlotterbeck dieser Tage. „Ich hatte dort mein erfolgreichstes Jahr in meiner Karriere. Wäre ich nicht in Freiburg gewesen, wäre ich vielleicht nicht nach Dortmund gekommen.“ In diesem Sommer verpflichtete der BVB den Nationalspieler, überwies rund 20 Millionen Euro an Freiburg und erhielt einen 1,91 Meter großen Fußballer, der Mats Hummels (33), Weltmeister von 2014, schrittweise ablösen soll.

Nico Schlotterbeck: Schulter eingerenkt , weiter für den BVB gespielt

Am vergangenen Samstag beim 1:0-Heimsieg über Bayer Leverkusen bewies Nico Schlotterbeck bereits, warum er einer werden könnte, den die schwarz-gelben Anhängerinnen und Anhänger in ihr Herz schließen. Nach gelungen Verteidigungsaktion ballte er die Hände zu Fäusten; seine ausgekugelte Schulter ließ er sich im Kabinentrakt einrenken, um anschließend wieder auf dem Rasen in die Zweikämpfe zu rutschen. Mentalität, die in Dortmund häufig vermisst wird, würde man ihm keinesfalls absprechen.

Er glaube, dass ihn die Fans in Freiburg so empfangen werden, wie sie ihn verabschiedet hätten, sagte Nils Schlotterbeck. Nach der vergangenen Saison ging er im Guten. Fünf Jahre, unterbrochen von einer Leihe an Union Berlin, verbrachte der Verteidiger im Verein, fast hätte es zum Abschied sogar zum DFB-Pokalsieg gereicht. Doch im Finale flatterten im Elfmeterschießen gegen RB Leipzig die Nerven.

Keven Schlotterbeck spielte in Berlin immerhin 14 Minuten, meistens sitzt er nur auf der Bank. Schattenseiten des Geschäfts kennt er. 2014 sortierten ihn die Stuttgarter Kickers in der Jugend aus, der Profifußball schien weit weg. Die erste Herren-Station? In der Verbandsliga beim VfL Kirchheim. Amateurfußball statt Bundesliga. Seine starken Leistungen dort fielen allerdings dem SC Freiburg auf, der Klub verpflichtete ihn 2017 zunächst für die U23. Zwei Jahre später rückte er in den Profikader auf, ist dort ein Ergänzungsspieler. Dass sein Smartphone einmal klingeln wird, weil Bundestrainer Hansi Flick anruft, davon kann Keven Schlotterbeck allerdings nur träumen.

Dafür verfolgte er das erste Länderspiel seines jüngeren Bruders in Sinsheim auf der Tribüne, Deutschland gewann den Test gegen Israel mit 2:0. „Es macht eine riesige Freude, ihm zuzusehen“, sagte Keven danach, auch wenn Nico kurz vor Schluss patzte und einen Strafstoß verursachte. Wie schon erwähnt: Aussetzer sind seine Schwäche.

Vodcast Fußball Inside: Schalke droht ein Fehlstart
Vodcast Fußball Inside: Schalke droht ein Fehlstart

BVB-Verteidiger Nico Schlotterbeck stichelt gegen Schalke

In dieser Woche durften die Dortmunder Fans Nico Schlotterbeck näherkennenlernen, ein Sponsor hatte zum BVB-Talk eingeladen. Natürlich lobte der 22-Jährige dabei sein neues Team, es schimmerte aber zudem eine Schlagfertigkeit durch, die ihn zu einem Gesichter des Klubs machen könnte. Schlotterbeck stichelte gegen Moderator Norbert Dickel, gegen Schalke und sagte: „Ich glaube, dass ich ein relativ loses Mundwerk habe.“ Vielleicht hat er das ja von seinen Eltern.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: BVB

Liebe Nutzerinnen und Nutzer:

Wir mussten unsere Kommentarfunktion im Portal aus technischen Gründen leider abschalten. Mehr zu den Hintergründen erfahren Sie
» HIER