Borussia Dortmund

Wie der BVB das Jahrhundertspiel beim FC Schweinberg erlebte

Die BVB-Profis auf dem Weg zu ihrem Testspiel gegen den SV Schweinberg

Die BVB-Profis auf dem Weg zu ihrem Testspiel gegen den SV Schweinberg

Foto: firo

Dortmund.   Der BVB gewinnt das erste Testspiel beim FC Schweinberg 10:0. Für die Gastgeber ist das Spiel gegen den Bundesligisten ein Jahrhundertereignis.

Lucien Favre ist bestens vorbereitet, wie immer. „5000 Zuschauer in einem Dorf mit 700 Einwohnern, das ist fantastisch“, sagt der Trainer von Borussia Dortmund. Offenbar hat er sich auch mit diesem Gegner detailliert auseinander gesetzt, dem baden-württembergischen FC Schweinberg, der in der Kreisliga A spielt und der die Partie gegen den BVB im Rahmen eines Sponsoren-Gewinnspiels gewonnen hat – und sich auch nach der 0:10 (0:5)-Niederlage wie ein Gewinner fühlt.

Vip-Bereich in der Turnhalle

Dabei ist es nicht nur auf dem Platz eine gewaltige Herausforderung für die Schweinberger. Ein Achtligist empfängt einen Erstligisten – da ist nichts so wie gewohnt. Rund um die Sportanlage, die Hummelberg-Arena, sind mit Flatterband und Absperrgittern provisorische Parkplätze eingerichtet, überall entlang der Dorfstraßen weisen Ordner den anreisenden Zuschauern den Weg. In der Turnhalle am Platz haben sie einen VIP-Bereich eingerichtet, eine lokale Gaststätte hat Lachs, Wildschweinragout und Braten zubereitet.

Europaletten als Tribünen

Und rund um den Platz haben sie mit Europaletten zusätzliche Tribünen errichtet, sodass 5000 Zuschauer dabei sein können – eine Rekordkulisse für das Schweinberger „Spiel des Jahrhunderts“ so haben sie die Partie getauft. Und so gehen sie sie auch an: „Eure Mannschaft macht das super, die haben sich richtig reingefressen ins Spiel“, lobt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zur Halbzeit.

Duell zweier Pokalsieger

Lange steht es 1:0, nur 1:0 für den großen BVB, den deutschen Vizemeister, beim kleinen FC Schweinberg, der immerhin mal Meister in der Kreisliga A und der Kreisliga B und zweimal Kreispokalsieger war. Tobias Raschl hat in der 12. Minute getroffen. Erst kurz vor der Halbzeitpause brechen beim Gastgeber die Dämme: Philipp trifft, einmal, zweimal, dreimal in kurzer Folge (39./40./43.), dann noch einmal Marius Wolf (44.). Dann ist Pause, dann stürmen auf einmal ganz viele Kinder auf den Platz, um Autogramme ihrer Helden abzustauben. Bis der Stadionsprecher einmal darum bittet, den Platz freizugeben, weil doch auch noch ein zweiter Durchgang gespielt werden soll - und dann ist der Rasen auch ganz schnell wieder leer.

Emotionales Karriereende beim Testspiel

Man merkt es dann eben doch, dass man bei einem Kreisligisten zu Besuch ist, auch nach der Pause, als es emotional wird – zumindest für Markus Greulich. 42 Jahre ist er alt, 25 davon hat er für den FC Schweinberg gespielt. Nun, nach knapp einer Stunde, lässt er sich auswechseln und beendet seine Spielerkarriere, als „der wohl erfolgreichste Spieler, den der FC Schweinberg je hervorgebracht hat“, wie der Stadionsprecher brüllt – bevor es auf einmal still ist. Stromausfall, auch die Leinwand ist schwarz. Die Leitung hat kapituliert unter der ungewohnten Belastung.

Als der Strom und mit ihm der Stadionsprecher zurück ist, hat Dortmund zwei weitere Tore erzielt, durch Neuzugang Mateu Morey (58.) und erneut Raschl (68.), der im Sommer aus der U19 aufgerückt ist. Philipp (77.), U23-Spieler Emre Aydinel (83.) und Shinji Kagawa (87.) sorgen dafür, dass es zweistellig wird, dass es am Ende 10:0 für den BVB heißt. Ja, Shinji Kagawa, der Japaner, der zuletzt vom Training freigestellt war für Vertragsgespräche, weil Trainer Lucien Favre nicht mehr mit ihm plant. Aber: Es hat sich außer ein paar losen Gesprächen nichts ergeben, wird Lizenzspieler-Chef Sebastian Kehl später erklären, deswegen ist er nun wieder dabei beim ersten Aufgalopp in der Saisonvorbereitung.

Der BVB-Tross reist weiter

„Wie eine Trainingseinheit“, sei das gewesen, meint Marius Wolf. „Nach sechs Wochen Pause hat man wieder richtig Lust, Fußball zu spielen, das hat man auch im Training gemerkt. Wir haben gut gearbeitet bisher, so muss weitergehen.“ Auch Trainer Favre ist zufrieden: „Der Platz war sehr gut, niemand hat sich verletzt – und wir haben gewonnen“, sagt er und grinst sein verschmitztes Grinsen. Dann muss er los, vor der Bühne in der Turnhalle, wo der improvisierte Pressebereich errichtet ist, winken die Betreuer. Noch am Abend geht es zurück nach Dortmund, denn am Montag steht schon die nächste Reise an – dann geht es für knapp eine Woche auf Marketingreise in die USA. „Das wird schon stressig“, ahnt Wolf. „Aber man freut sich natürlich, weil man das nicht alle Tage sieht und zwei Spiele dabei sind, in denen man viel ausprobieren kann.“

Dann muss auch er in den Bus, der sich anschließend langsam seinen Weg macht durch die erstaunlich vielen schwarz-gelb gekleideten Menschen. Nach Hause geht noch keiner, der Radiosender SWR hat einen DJ vorbeigeschickt, es wird gefeiert – unter Schirmen nun, das Wetter mag nicht ganz mitspielen. Die Laune aber mag sich niemand verderben lassen. Auch nicht später am Abend, als es nochmal hektisch wird unter den Menschen im VIP-Bereich, weil es in der Küche ebenso laut wie seltsam pfeift: „Alles raus“, ruft ein Ordner, vielleicht geht da ja gerade eine Gasflasche in die Luft.

Falscher Alarm, der Krach kommt von der Spülmaschine und nach wenigen Minuten drängen die Gäste wieder in den Raum. Die Party kann weitergehen. (dpa)

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