Interview

Klostermann: „Im Pokalfinale gibt es keinen Favoriten“

Nationalspieler Lukas Klostermann (r.) hat mit RB Leipzig noch viel vor.

Nationalspieler Lukas Klostermann (r.) hat mit RB Leipzig noch viel vor.

Foto: Daniel Karmann/dpa

Berlin.  Lukas Klostermann aus Gevelsberg, früher für den VfL Bochum am Ball, will im Endspiel um den DFB-Pokal mit Leipzig die Bayern schlagen.

Andere Fußballprofis denken an ihren Urlaub, Lukas Klostermann hingegen hat ein straffes Sommerprogramm vor sich. Der gebürtige Herdecker, der in der Jugend für den FSV Gevelsberg und den SSV Hagen spielte, bevor er zum VfL Bochum wechselte, steht am Samstag in Berlin mit RB Leipzig gegen den FC Bayern München im DFB-Pokalfinale (20 Uhr/ARD live). Danach geht es für den 22-Jährigen, der seit dieser Saison Nationalspieler ist, anspruchsvoll weiter: Der Abwehrspieler ist nämlich sowohl von Bundestrainer Joachim Löw für die EM-Qualifikationsspiele gegen Weißrussland (8. Juni) und Estland (11. Juni) als auch von U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz für die Europameisterschaft der U21-Auswahl im Juni berufen worden. Im Interview erklärt Lukas Klostermann, warum er sich auf all diese Mammutaufgaben freut.

Wie groß ist die Vorfreude auf das DFB-Pokal-Endspiel?

Lukas Klostermann: Die ist sehr groß. Man spürt sie in der gesamten Stadt und im Verein.

Sie sind seit wenigen Monaten auch Nationalspieler. Gibt es vor solch einem Spiel eigentlich Kontakt zu den Nationalspielern der Bayern? Schreibt man sich da mal bei WhatsApp und versucht vielleicht etwas zu sticheln?

Nein, bei mir ist das nicht der Fall. Jeder konzentriert sich hier auf seine Aufgaben und sein Team.

"Wir haben bewiesen, dass wir mithalten können"

In der Bundesliga gab es gegen die Bayern ein 0:1 in München und ein 0:0 in Leipzig. Welche Bedeutung haben diese Ergebnisse für Samstagabend?

Ich glaube, dass die Bundesligaspiele schon gezeigt haben, dass das Pokalfinale ein offenes Spiel ist. Es gibt da keinen glasklaren Favoriten. Wir haben in den Bundesligaspielen bewiesen, dass wir mithalten können, wenn wir eine konzentrierte Leistung bringen. In 90 oder 120 Minuten ist alles möglich. Wir werden Vollgas geben.

"Wir haben auf jeden Fall einen Schritt nach vorne gemacht"

RB ist Dritter geworden. Wie bewerten Sie die Leipziger Bundesliga-Saison?

Wir haben eine gelungene Spielzeit hinter uns. Wir haben uns insbesondere in der Rückrunde noch einmal weiterentwickelt. In dieser Saison haben wir es geschafft, auch mal die knappen Spiele auf unsere Seite zu ziehen. Wir haben einige Begegnungen mit einem Tor Vorsprung gewonnen. Wir haben auf jeden Fall einen Schritt nach vorne gemacht.

Ist der nächste Schritt dann, näher an die Bayern heranzurücken oder Borussia Dortmund die Jäger-Rolle streitig zu machen?

Wir wollen zusehen, dass wir uns weiterentwickeln und den Fokus auf uns richten. Wir wollen uns nicht von anderen Vereinen abhängig machen oder uns mit den Klubs vergleichen. Es hat uns in den vergangenen Jahren immer ausgezeichnet, dass wir unseren eigenen Weg gegangen sind. Wir haben uns jetzt zum dritten Mal in Folge für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert – und das im dritten Jahr in der Bundesliga. Wir sind sozusagen gemeinsam groß geworden. Das wollen wir in den nächsten Jahren fortführen.

"Irgendwo schielt jeder Spieler auf einen Titel"

Sie haben in diesem Jahr auch persönlich viel erreicht: Sie haben Ihr Nationalelf-Debüt gegeben. Ist das bislang Ihr bestes Jahr gewesen?

Das ist schwer zu sagen. Ich hoffe, dass das absolute Highlight-Jahr noch kommt. Aber klar: Das war schon eine sehr erfolgreiche Saison. Jetzt ist noch das Pokalfinale. Irgendwo schielt jeder Spieler auf einen Titel, und wir haben jetzt die Chance, den Pokal zu gewinnen. Dafür arbeitet man schließlich jeden Tag hart.

Sie sind jetzt fünf Jahre bei RB Leipzig. Davor waren Sie beim VfL Bochum. Kann man die beiden Klubs in irgendeiner Form vergleichen?

Ich weiß nicht, ob das so ein großer Unterschied ist. In beiden Vereinen wird professionell gearbeitet. Mit Sicherheit hatte Leipzig eine Starthilfe, die andere Klubs nicht hatten. Trotzdem braucht man vor allem ein gutes Konzept und einen klaren Weg, um im professionellen Fußball erfolgreich zu sein. Am Ende geht es darum, dass der Verein es schafft, die Spieler weiterzuentwickeln. Das haben wir in Leipzig geschafft.

Klostermann. Anfeindungen sind kein Thema mehr

Bekommen Sie persönlich noch Anfeindungen gegen RB Leipzig mit?

Für uns Spieler war das nie ein Thema, und es ist ja auch generell schon seit zwei Jahren keins mehr. Bei Auswärtsspielen wird ja kein Verein mit offenen Armen empfangen. Das ist für jeden Profi Routine, das tut überhaupt nichts zur Sache. Davon abgesehen erkennen die meisten Leute inzwischen unser Auftreten und die Art wie wir Fußball spielen an.

Welche Rolle spielt Ralf Rangnick in der Erfolgsgeschichte von RB Leipzig?

Natürlich hat er diesen Verein geprägt. Er bringt sein fußballerisches Fachwissen immer mit ein. Man merkt auch, dass die Zusammenarbeit zwischen allen, die hier im Verein mitarbeiten, stimmt. Alle ziehen hier an einem Strang, um den Klub nach vorne zu bringen. Aber auch daran, dass sich jeder persönlich verbessert, hat Ralf Rangnick einen großen Anteil.

Sie sind in Gevelsberg aufgewachsen. Was vermissen Sie in Leipzig?

Ich bin ja ab und zu in der Heimat und versuche immer wieder Besuche einzustreuen. Dann verbringe ich die Zeit mit der Familie und mit Freunden. Es gibt nichts Klassisches, was ich vermisse. Es gibt auch in Leipzig die Currywurst.

Verfolgen Sie eigentlich noch Ihre Jugendklubs FSV Gevelsberg oder SSV Hagen? Und wie sieht es mit dem VfL Bochum aus?

Prinzipiell verfolge ich meine ehemaligen Vereine schon noch. Die letzten Wochen war das weniger der Fall, weil ich hier viel zu tun hatte. Ich habe am letzten Zweitliga-Spieltag die Konferenz geschaut, da hat Bochum eine tragende Rolle gespielt und dem SC Paderborn zum Aufstieg verholfen.

Ihre Schwester Lisa Katharina spielt bei der SGS Essen. Wie ist da der Kontakt?

Ich habe das eine oder andere Spiel von ihr schon gesehen. Das ist allerdings nicht so einfach, weil wir beide am Wochenende unser Programm haben. Ich finde es super, dass sie ihren Weg geht.

Nach dem Pokalfinale geht es für Sie Schlag auf Schlag weiter. Erst mit der A-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation, dann mit der U21 bei der Europameisterschaft. Haben Sie da nicht eher Lust auf Sonne und Strand?

Nein, ich nehme da als Fußballer gern alles mit. Aber natürlich muss man da schon aufpassen, dass von der Belastungssteuerung alles passt. Ich habe da mit Blick auf meinen Kreuzbandriss schon meine Erfahrungen gemacht. Als Fußballer möchte man aber jeder Chance ergreifen. Ich spiele unheimlich gerne für die Nationalmannschaft. Ich würde die Spiele dem Strand immer vorziehen.

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