Kommentar

Warum RB Leipzig weiterhin ein Imageproblem hat

Die Leipziger Spieler lassen sich nach dem Spiel von ihren Fans feiern.

Die Leipziger Spieler lassen sich nach dem Spiel von ihren Fans feiern.

Foto: dpa

Berlin  Mit einem Sieg gegen Bayern hätte der Osten endlich wieder einen Pokalsieger. RB leistet zwar gute Arbeit, doch die Sympathien bleiben aus.

Wer sich die Liste der Pokalsieger der vergangenen Jahrzehnte vor Augen führt, findet Titelträger aus dem Norden, Süden und Westen Deutschlands. Seit der Wiedervereinigung ist es aber keinem Klub aus dem Osten gelungen, die Trophäe mit nach Hause zu nehmen. 30 Jahre nach dem Mauerfall kann RB Leipzig diese titellose Serie beenden. „Vielleicht würden wir diesen Pokal nicht nur für die Stadt Leipzig, sondern für den ganzen Osten gewinnen“, sagte RB-Klubrepräsentant Perry Bräutigam. Die Frage ist nur: Will das der ganze Osten überhaupt? Und wer wünscht sich das bundesweit?

Für viele Anhänger von Traditionsklubs und Fußball-Romantiker ist RB schließlich noch ein rotes Tuch. Ein Projekt, das aus dem Boden gestampft wurde. Ein Verein, der keine lange Geschichte hat. Ein künstliches Konstrukt, das nur mit den Millionen eines globalen Getränkeriesen unter die besten Top-Klubs der Bundesliga gelangt ist. Vielleicht auch unter dem Eindruck der attraktiven Spielweise und anderer Spitzenklubs Europas, die ihr Geld ebenfalls aus multinationalen Unternehmen beziehen, ist die Akzeptanz für RB mittlerweile bei den Skeptikern gestiegen. Doch von hohen Sympathiewerten ist der Klub zehn Jahre nach der Vereinsgründung allgemein noch weit entfernt. RB Leipzig hat weiterhin ein Imageproblem.

Nun trifft dieser Klub im Pokalfinale auf den FC Bayern. Den erfolgreichsten Verein des Landes, der zwar auf eine 119-jährige Historie zurückblicken kann, aber auch massiv polarisiert. Und gerade in diesem Jahr, in dem es durchaus möglich scheint, dass die Münchener sich auch im Falle eines Double-Gewinns von Trainer Niko Kovac trennen, möchten manche nicht unbedingt einen erneuten Bayern-Triumph sehen. Im Pokalfinale 2018 hatte Kovac mit Eintracht Frankfurt noch seinen künftigen Arbeitgeber besiegt, was etliche Fußballfans in Deutschland freute. Ob Zuschauer mit einem mehr oder minder neutralen Blick auf das diesjährige Endspiel aber nun Leipzig siegen sehen wollen, darf zumindest bezweifelt werden.

Das Dilemma des Pokalfinales

Das Pokalfinale steckt in diesem Jahr also auch in einem Dilemma. Was aber nichts daran ändert, dass das Endspiel an sich große Anziehungskraft auslöst. Mehr als 74.000 Zuschauer werden das Duell in dem ausverkauften Olympiastadion verfolgen, Millionen schauen die Fernsehübertragung. Dieses Spiel bleibt ein Spektakel. Und sollte an diesem Abend der Verein RB jubeln dürfen, wäre es nur fair, diesen Erfolg auch entsprechend anzuerkennen. Ohne Missgunst oder Neid. Aber auch in dem Wissen, mit welchen Mitteln Klubs in diesen Zeiten zu großen Titeln gelangen können.

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