Kommentar

Die Liga braucht starke Schiedsrichter

Schiedsrichter Knut Kircher

Schiedsrichter Knut Kircher

Foto: imago

Essen.  Der Videobeweis im Fußball ist technologisch nicht mehr aufzuhalten. Lasst uns über die praxisnahen Modalitäten reden. Ein Kommentar.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Knut Kircher gehört zu den erfahrensten und besten Schiedsrichtern in der Fußball-Bundesliga. Wenn ihm Fehler wie jetzt in Hamburg passieren, als er kein Rot gegen HSV-Torwart Adler gab und einen Elfmeter zu viel pfiff, können seine Fehler nicht mit seiner Qualität als Schiedsrichter zusammenhängen. Er stand richtig zum Geschehen – und urteilte trotzdem falsch. „Mittlerweile“, gestand Kircher ein, „gibt es Situationen, wo der Videobeweis gutgetan hätte.“

Fußballfans werden sich daran gewöhnen müssen: 50 Jahre nach dem dritten Tor von Wembley, als der Schiedsrichter allein nach Rücksprache beim Linienrichter fälschlicherweise auf Tor im WM-Finale entschieden hat, kommt die Bundesliga nicht mehr an der Einführung des Videobeweises vorbei. Die Fußball-Website www.wahretabelle.de zählte allein Freitag und Samstag sieben Fehlentscheidungen, die in der ersten Liga zu Toren geführt haben.

Die Grundsatzdebatte ist Zeitverschwendung

Wären die Fehler im Verlauf der Bundesliga-Saison nicht passiert, zum Beispiel aufgrund von Videobeweisen, könnte Hertha BSC auf Platz drei zwölf statt vier Punkte Vorsprung auf Schalke 04 verteidigen. Der 1. FC Köln wäre nur einen Punkt hinter den Europacup-Rängen und 18 Zähler vor den Abstiegsplätzen. Und Hannover 96 hätte mit zwölf Punkten kaum mehr Chancen auf den Klassenerhalt.

Könnte, wäre, hätte: Allein der Konjunktiv kostet Schiedsrichter Autorität.

Die Bundesliga aber braucht starke Schiedsrichter. Sonst kommen Szenen zustande wie zuletzt vom Bremer Djilobodji, der seinen Gegenspieler mit einer Kopf-ab-Geste einschüchtern will. Oder vor vier Wochen von Leverkusens Trainer Roger Schmidt, der den Rückzug auf die Tribüne verweigert und hinterher seinen Fehler nicht einsieht.

Der Videobeweis würde die Schiedsrichter aufwerten, wie es einst der Vierte Offizielle und das Headset getan haben. Schon die Gefahr einer Bestrafung ist die einzige Sprache, die Profis auf dem Rasen sofort verstehen. Der Videobeweis ist technologisch eh nicht mehr aufzuhalten. Lasst uns über die praxisnahen Modalitäten reden. Die Grundsatzdebatte ist eh längst Zeitverschwendung.

Pit Gottschalk auf Twitter @pitgottschalk

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben