Fußball-Bundesliga

Fortuna Düsseldorf: Kein Zurück bei Lutz Pfannenstiel

Stehen bei Fortuna Düsseldorf Rede und Antwort: Björn Borgerding (links) und Sebastian Fuchs.

Stehen bei Fortuna Düsseldorf Rede und Antwort: Björn Borgerding (links) und Sebastian Fuchs.

Foto: Fortuna

Düsseldorf.  Die neue Aufsichtsratsspitze von Fußball-Bundesligist Fortuna Düsseldorf, Björn Borgerding und Sebastian Fuchs, im zweiten Teil des Interviews.

In ihrem ersten Interview in neuer Funktion erklärten Fortunas Aufsichtsratschef Björn Borgerding (38) und sein Stellvertreter Sebastian Fuchs (42), dass die Corona-Krise auch eine Chance für den Fußball-Bundesligisten sein kann. Im zweiten Teil geht es nun vor allem um ihre Vision von Fortuna.

Bleiben Sie dabei, dass Sportvorstand Lutz Pfannenstiel über sein Vertragsende hinaus nicht für Fortuna arbeiten wird – also auch nicht ehrenamtlich?

FUCHS: Wir haben klipp und klar, fair und sauber mit Lutz Pfannenstiel eine Einigung zum 31. Mai gefunden. Zugleich haben wir einen Nachfolger ab dem 1. Juni bestimmt, der in meinen Augen der perfekte Nachfolger ist. Uwe Klein ist eingearbeitet, er ist bereits da. Wir werden es so machen, wie wir im Aufsichtsrat beschlossen haben, da werden wir auch nicht mehr drangehen. Wir danken Lutz für die Offenheit, für die Fairness, wie er mit uns kommuniziert hat – aber wir erwarten auch, dass er genau diese Offenheit und Fairness auch von uns annimmt.

BORGERDING: Es ist ja kein Wunschkonzert. Man kann nicht die eine Sache beschließen, es sich dann anders überlegen und dann über die Medien kommunizieren: So kann ich mir das auch vorstellen. Sein Angebot und sein Engagement in allen Ehren, aber es gibt hier klare Strukturen und Prozesse, die eingehalten werden müssen.

Um den Aufsichtsrat herum wabern stets Gerüchte: Es herrsche großer Dissens. Es gebe Grüppchenbildung. Wie ist die Lage?

BORGERDING: Es gab Unruhe durch die personellen Wechsel. Wir haben jetzt eine neue Situation mit einer neuen Spitze. Sebastian und ich sind Teamplayer, stehen für offene und direkte Kommunikation sowie Loyalität. Wir wollen alle Ausschüsse, Kompetenzen und unterschiedlichen Charaktere mitnehmen und auch alle Mitglieder in die Pflicht nehmen. Es soll einen Schulterschluss im Gesamtverein geben, der auch im Aufsichtsrat tagtäglich gelebt wird. Das sind große Worte, aber daran lassen wir uns messen.

Wie würden Sie das Verhältnis zu Ihrem Vorgänger Reinhold Ernst beschreiben?

BORGERDING: Für mich hat sich nichts geändert. Uns verbindet vieles. Ich wurde mit ihm zusammen vor fünfeinhalb Jahren gewählt. Es gab Höhen und Tiefen, die zusammengeschweißt haben. Natürlich diskutieren wir intern aber auch hart und sind auch unterschiedlicher Meinung. Er ist nun genauso Gremiumsmitglied, wie ich es war. Ich habe ihn zu 100 Prozent unterstützt und hoffe, dass er das bei mir nun auch macht.

Dann steht dem Schulterschluss ja nichts entgegen.

BORGERDING: Es ist ein Gremium mit unterschiedlichen Charakteren. Da gibt es viele Alphatiere, es entsteht Reibung. Das ist doch klar. Ich kann nur sagen: Sebastian und ich reichen jedem die Hand.

Vormals gab es Kritik, dass sich der Aufsichtsrat zu viel ins operative Geschäft einmischen würde. Wie sehen Sie das?

BORGERDING: Wir haben uns die ersten zwei Monate, seit wir im Amt sind, nicht ausführlich öffentlich geäußert. Das ist ja schon mal ein Signal. In der jetzigen Phase wollen wir aber unserer Aufsichts- und Kontrollpflicht nach Satzung gerecht werden. Wir wollen nun auch gern öffentlich machen, dass der Vorstand in dieser Krise einen guten Job macht und ehrlich berichten, wie es um unseren Verein bestellt ist. Aber wir werden uns sicher nicht wöchentlich zu operativen Themen öffentlich äußern.

FUCHS: Genau. Die Satzung macht dieses Gremium stark. Aber es ist eine Frage, wie man damit umgeht. Wir haben für uns definiert, dass manchmal weniger mehr ist. Eine gewisse Ruhe tut uns gut. Wir wollen in der Außendarstellung minimal und nicht maximal wahrgenommen werden.

Ab diesem Sommer steigt Fortuna in die Eigenvermarktung ein. Ist die Corona-Krise dafür nicht denkbar ungünstig?

BORGERDING: Auch da kann man Krise als Chance sehen. Wir haben sehr treue Partner. Wenn wir auch da den Schulterschluss schaffen, dann kann da viel wachsen. Wir hätten es uns einfach machen können: Vermarkter X garantiert uns Summe Y. Aber ich sehe es als riesige Chance, bei der es ein Risiko gibt.

FUCHS: Der große Vorteil ist doch, dass es messbar ist. Wir werden uns an den Zahlen messen lassen. Es ist natürlich jetzt eine Ausnahmesituation, die nicht planbar war. Aber die Summe Y war bisher so niedrig, dass wir sie schon mit den Abschlüssen jetzt für die neue Saison wieder erreicht haben. Meine Meinung: Gerade in so einer Zeit brauchst du diese In-Haus-Lösung. Wir haben Jungs, die heiß sind und sich daran messen lassen wollen.

Wie ist denn Ihre Zukunftsvision von Fortuna?

BORGERDING: Wir sind ein wirtschaftlich gesunder und mitgliedergeführter Bundesliga-Verein und möchten das auch bleiben. Wir wollen ein besonderer Verein sein, der nicht jedes Thema mitmacht. Wir wollen einzigartig bleiben, unseren eigenen Weg gehen, an Prinzipien festhalten und uns nicht verbiegen lassen – auch nicht für sportlichen Erfolg. Im Zeiten von immer verrückteren Transfersummen, würde ich mir wünsche, dass wir weiter verstärkt auf unseren Nachwuchs setzen.

FUCHS: Das erklärte Ziel ist, sich in der Bundesliga zu etablieren. Die Eigenvermarktung ist dabei ein zentraler Baustein. 2023 läuft der Kölmel-TV-Vertrag aus. Das ist der nächste Meilenstein. Dann haben wir die letzte Hürde unserer Vergangenheit genommen. Zur EM 2024 wird die Arena wieder saniert. Dann gibt es keine Ausreden mehr.

Für das Ziel Bundesliga-Etablierung ist der Sportvorstand eine wichtige Personalie. Wieso haben Sie sich so schnell auf Uwe Klein festgelegt?

BORGERDING: Wir haben vor Lutz Pfannenstiel einen sehr ausgiebigen Prozess mit Kandidaten geführt. Deshalb waren wir gut vorbereitet. Uwe war ein sehr fähiger, kompetenter Kandidat. Er ist Fortune durch und durch, er versteht den Verein. Wir trauen ihm diese Aufgabe komplett zu. Es heißt „Wo Fortuna draufsteht, muss auch Fortuna drin sein“. Es ist auch an der Zeit, ein internes Zeichen zu setzen, dass es möglich ist, bei Fortuna Karriere zu machen.

FUCHS: Im Dezember 2018 wurde sich für eine externe Lösung entschieden. Nun wurde die interne gewählt. Es bot sich einfach an. Uwe hat Stärke bewiesen, indem er nach der Entscheidung 2018 die Faust in der Tasche geballt und uns nicht verlassen hat. Uwes Gesamtkonzept ist aktuell und passend. In diesen unruhigen Zeiten haben wir gezeigt, dass wir schnell und ruhig solch eine Situation lösen können.

BORGERDING: Es war für uns die erste Situation, in der wir Handlungsfähigkeit beweisen mussten. Das haben wir, denke ich, innerhalb von 48 Stunden schnell und gut gemacht.

Wie waren die Umstände, die zur Entlassung von Friedhelm Funkel geführt haben?

FUCHS: Das war die alleinige Entscheidung des Vorstandes. Wir haben uns berichten lassen. Das Konzept, dass der Sportvorstand zusammen mit seinem Team vorgestellt hat, war schlüssig. Diese Entscheidung haben wir zur Kenntnis genommen, mehr nicht. Aber wir stehen voll dahinter. Hier gilt auch mein persönlicher Dank an Friedhelm Funkel: Diese Momente auf auf Schalke, in München und die Derbysiege werden wir nie vergessen.

BORGERDING: Ich möchte aber auch deutlich sagen: Wir haben allergrößte Wertschätzung für die Arbeit von Friedhelm Funkel in den knapp vier Jahren hier. Das ist uns ganz wichtig. Dafür gebührt ihm höchster Respekt und Dank. Friedhelm wird bei Fortuna immer willkommen sein.

Der neue Mann ist Uwe Rösler. Sein Vertrag gilt auch bei einem Abstieg. Wie sehen Sie das?

BORGERDING: Das ist doch ein gutes Zeichen. Es geht um nachhaltiges Arbeiten. Es ist ein stimmiges Konzept des Vorstandes. Wir haben einen Top-Mann an der Seitenlinie.

FUCHS: Mich hat das Konzept angesprochen. Wir sind ja ganz normale Fortuna-Fans. Wir werden auch bei Uwe Rösler auf Strecke Dinge sehen, die wir kritisch sehen. Aber derzeit macht es einfach Spaß, ins Stadion zu gehen. Das nehmen wir auch in Gesprächen mit Fans wahr. jol/erer

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